Auf den Spuren des Erbfolgekriegs

Abenteuer Heimat: Eppinger Linienweg folgt dem historischen Verteidigungswall

Von Maren Recken Erstellt: 3. August 2013, 09:21 Uhr
Auf den Spuren des Erbfolgekriegs MT-Reporterin Maren Recken interviewt Naturparkführer Roland Straub, der sie über Teile des Eppinger Linienwegs führt. Foto: Goll

Was als Verteidigungswall gedacht war, um das Kaiserreich Leopolds I. vor den Franzosen zu schützen, ist heute in Teilen ein gut 30 Kilometer langer Wanderweg: der Eppinger Linienweg.

Mühlacker/Eppingen. Von Eppingen bis nach Mühlacker, quer durch den Naturpark Stromberg-Heuchelberg, folgt der Eppinger Linienweg dem historischen Verteidigungswall. Teils unmittelbar entlang der Originallinie, teils in der Nähe des ehemaligen Verteidigungswalls. Zu erwandern ist er entweder in einzelnen Kurzetappen oder als Zweitagestour mit Übernachtungsstopp in Sternenfels.

Bereits 1632 hatte das Königreich Frankreich mit seinem Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg eine Phase der offensiven Außenpolitik eröffnet, die die europäische Geschichte prägte. In diesem Zusammenhang strebte der als Sonnenkönig bekannte Ludwig XIV eine Vormachtstellung in Europa an. Ein Ansinnen, das auch zu unruhigen Zeiten für die Region führte. Bereits 1688 führten die Franzosen einen ersten Winterfeldzug durch und stießen bis Franken vor.

Franzosen wüten unter anderem in Ötisheim, Knittlingen, Lienzigen und Illingen

Obwohl sich die französischen Angriffe auf das Kaiserreich über mehrere Jahre bis 1697 hinzogen, erfolgten die Feldzüge, die die Region betrafen, lediglich bis ins Jahr 1693. Allerdings mit gravierenden Folgen: So wurden beispielsweise Ötisheim, Pforzheim, Knittlingen, Bretten, Lienzigen, Kieselbronn und Illingen zerstört. Um Heilbronn, das als Magazinplatz des Kaiserreichs eine wichtige Bedeutung hatte, und den Neckarraum vor weiteren Übergriffen der Franzosen zu schützen, ließ der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, der damals das Oberkommando am Oberrhein inne hatte, zwischen Neckargemünd und Weißenstein bei Pforzheim einen 86 Kilometer langen Verteidigungswall, die Eppinger Linie, bauen. Der Verteidigungswall bestand aus Gräben und Palisaden, die hauptsächlich aus einem zwölf bis 30 Meter breiten Verhack aus Bäumen und Ästen bestand.

Wichtige Abschnitte wurden zusätzlich durch Schanzen verstärkt und von hölzernen Türmen aus, Chartaque genannt, überwacht. Nachbildungen dieser Wachtürme können die Wanderer auf dem Eppinger Linienweg besichtigen, beispielsweise gleich am Startpunkt in Eppingen.

Weitere Beispiele in Sachen Kriegsführung und Verteidigung kann der geschichtsinteressierte Wanderer auf dem Eppinger Linienweg beispielsweise in der Nähe der B35 bei Maulbronn betrachten, wo entlang des Wanderwegs eine nachgebaute Palisadenreihe steht. Oder an der Sternenschanz bei Ötisheim, wo auf einer Schautafel erklärt ist, wie die Verteidigung mittels sternförmiger Erdaufhäufungen, der sogenannten Sternenschanzen, funktioniert hat.

WanderWalter und stilisierte Chartaquen als Wegweiser helfen bei der Orientierung

Damit sich kein Wanderer auf den Spuren der Geschichte verläuft, ist der gesamte Eppinger Linienweg durchgängig beschildert, mit einer stilisierten Chartaque, dem einst so wichtigen hölzernen Wachturm. Außerdem hilft der „WanderWalter“, ein digitaler Tourenbegleiter, der neben dem topografischen Kartenmaterial eine touristische Datenbank bereithält, in der der Wanderer sich über Übernachtungs- oder Einkehrmöglichkeiten entlang des Wanderwegs informieren kann. Und seit kurzem hat der Naturpark Stromberg-Heuchelberg zum Preis von 2,99 Euro für iPhone und iPod-touch auch eine WanderWalter-App zu bieten. An der Android Version wird derzeit noch gearbeitet, so Dietmar Gretter, Geschäftsführer des Naturpark Stromberg-Heuchelberg e.V..

Wer das Menschliche dem Digitalen vorzieht, der kann sich von Naturparkführer Roland Straub über die Eppinger Linie führen lassen. Der bietet für Gruppen und nach Voranmeldung geführte Touren auf der Eppinger Linie, zum Teil historisch gewandet und auf jeden Fall mit jeder Menge Informationen und Geschichten rund um den Pfälzischen Erbfolgekrieg und die Eppinger Linie.

Weitere Informationen:

Naturpark Stromberg-Heuchelberg e.V.

Tel: 07046/8 84 81-5

www.naturpark-stromberg-heuchelberg.de

Roland Straub, Tel: 07041/5521

www.naturparkfuehrer-stromberg-heuchelberg.de

Wanderwalter

http://karte.wanderwalter.de/np-sh/316601_Der-Eppinger-Linienweg.html

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