Zwischen Papst und Pauluskirche

Erstellt: 1. Oktober 2010, 00:00 Uhr
Zwischen Papst und Pauluskirche Zwischen Papst und Pauluskirche

Redaktionsgespräch: Star-Tenor Alexander Pfitzenmeier alias Jay Alexander über Erfolg, Fans und sein Heimspiel in Mühlacker

Die älteste Anhängerin ist 106, die jüngsten gehen noch zur Schule: Jay Alexander hat sich eine riesige Fangemeinde erobert. Ein Konzert in der Heimat, wie er es am 8. Dezember auf Einladung unserer Zeitung in der Pauluskirche gibt, sei trotz aller Erfolge aber immer noch etwas Besonderes, betont er im Redaktionsgespräch.

Von Carolin Becker

Mühlacker. Jay Alexander kommt gleich nach dem Papst. Was zunächst gewagt klingt, stimmt mit Blick auf das Fernsehprogramm an Weihnachten durchaus: Vom Petersplatz schaltet das ZDF direkt zum aus Bauschlott stammenden Sänger, seinem Duopartner Marc Marshall und ihren „Top 10 des Himmels“. Himmlisch mögen es seine Fans auch finden, dass er wenige Tage zuvor beim traditionellen Adventskonzert unserer Zeitung in Mühlacker auftritt. In der Pauluskirche präsentiert der Sänger, zwar ohne die andere Hälfte des Duos „Marshall & Alexander“, dafür aber begleitet von einem Streichensemble und seiner aus Moskau stammenden Pianistin Juna Tcherevatskaja, ein exklusives Programm, das sowohl vorweihnachtliche Literatur als auch traditionelle Volks- und Heimatlieder umfassen wird. „Ich freue mich sehr auf das Konzert“, blickt Jay Alexander, mit bürgerlichem Namen Alexander Pfitzenmeier, auf den Abend voraus. Auftritte in Fernsehshows hin oder her, er liebe die Live-Atmosphäre, genieße es, das Publikum zu spüren, möchte „so dicht wie möglich dran sein“ an den Fans.

 Fans? Den Begriff schätzt der 39-Jährige eigentlich gar nicht. „Ich nenne sie lieber Freunde unserer Musik“, betont der Tenor, den die Kritik für seine ebenso lyrische wie warme Stimme und seine klugen Interpretationen feiert. Die Post seiner Bewunderer, erzählt Alexander, umfasse mitunter „eindeutige Angebote“, wesentlich häufiger aber anrührende, oft seitenlange Briefe. „Die Leute schenken mir ihre private Zeit, da kann ich Autogrammwünsche nicht per Stempeldruck erledigen.“

 Dass er einmal beim Einkaufen auf sein nächstes Konzert angesprochen werden würde, mit Sänger- und Schauspielergrößen wie Placido Domingo, José Carreras Harry Belafonte, Johannes Heesters oder Michael Douglas zusammentreffen und Auftrittstermine bis ins übernächste Jahr planen würde, wurde dem gelernten Offsetdrucker freilich nicht an der Wiege gesungen. „Viele Arbeitskollegen haben mich gefragt: ,Bist du verrückt?‘“, erinnert er sich an die Zeit, als er den sicheren Beruf zugunsten des Musikstudiums und einer „brotlosen Kunst“ an den Nagel hängte.

Förderer von Heck bis Frick

 Doch brotlos sollte der eingeschlagene Weg nicht bleiben. Ein Gottesgeschenk sei seine Stimme, sagt Alexander, doch das Talent allein entscheide nicht über den Erfolg, den er sich „Schritt für Schritt, nicht himmelhoch jauchzend“ erarbeitet habe. „Ich hatte wichtige Förderer“, nennt er unter anderem den Chefredakteur der „Opernwelt“, außerdem TV-Urgestein Dieter Thomas Heck und den Ölbronner Bassisten Gottlob Frick, der ihm viel über den Sängerberuf erzählt habe. Mittlerweile habe er sich mit seinem Partner Marc Marshall eine Art Monopolstellung im Bereich Gesangsduo/Crossover erarbeitet. „Ich empfinde es als unheimliches Freiheitsgefühl, alles ausprobieren zu dürfen“, antwortet der verheiratete Vater zweier Kinder auf die ewig gleiche Frage nach der Zugehörigkeit zum U- oder E-Bereich der Musik. Diese solle, betont Alexander, in erster Linie das Publikum unterhalten.

 Gewisse Anforderungen der TV-Branche schmecken dem klassisch ausgebildeten Sänger dennoch nicht. „Schrecklich“ sei das aus technischen Gründen notwendige Playback; wie ein Fisch fühle er sich, wenn die Musik bei einer TV-Produktion vom Band zugespielt werde und er dazu die Lippen bewege. Dabei sei er weit davon entfernt, das Medium zu verdammen, das ihm, angefangen bei seinem „Haussender“ MDR, zu enormer Popularität verholfen habe. Die Musiksendungen, bedauert Jay Alexander, würden freilich immer weniger.

 Rar ist auch die Zeit, die dem vielbeschäftigten Sänger zwischen Tourplanung und Konzerten bleibt. Gerne würde er in Schulen gehen, Kindern in Zeiten, da das traditionelle Liedgut ebenso wie der klassische Männergesangverein immer weniger Zuspruch finden, mit den Schätzen von Silcher, Schubert und anderen bekannt machen. Doch bisher habe der dicht gedrängte Terminkalender solchen Überlegungen keine Chance gelassen.

 Die Chance, ihren Star ohne weiten Anfahrtsweg zu erleben, werden dagegen viele Musikfreunde aus der Region am 8. Dezember nutzen. „In der Heimat steht man noch stärker im Fokus“, schildert Jay Alexander seine Empfindungen vor dem Auftritt in Mühlacker – der Stadt, die ihn schon als Jugendlichen angezogen hat. Auf seinem Moped steuerte er damals das Shamanna und in regelmäßigen Abständen auch das Kino an, erinnert er sich an Episoden aus den 80er Jahren. „Danach gab’s bei Johann eine Wurst. Das war ein Ritual.“

 Vieles hat sich seither verändert, und es ist nicht mehr der junge Alexander Pfitzenmeier, der zu den Stars auf der Leinwand aufschaut. Er selbst steht als Jay Alexander im Mittelpunkt. Gleich ob direkt im Anschluss an den Papst oder in der Pauluskirche in Mühlacker.

Vorverkaufskarten für das Konzert am Mittwoch, 8. Dezember, um 19.30 Uhr in der Pauluskirche – Einlass ist um 18.30 Uhr – sind ab sofort bei Buch-Elser in der Bahnhofstraße und im Verlagshaus des Mühlacker Tagblatt im Kißlingweg 35 erhältlich. Gegen Vorlage des Coupons, der in dieser Ausgabe auf Seite 13 abgedruckt ist, gibt es dort für den Kartenkäufer und eine Begleitperson eine Ermäßigung von jeweils zwei Euro.

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