Zwischen Lindenstraße und Hollywood

Erstellt: 29. Dezember 2011, 00:30 Uhr
Zwischen Lindenstraße und Hollywood Vielgefragter Mime: Michael Baral beherrscht fast alle Rollen –vom bösen Schurken bis zum netten Jungen von nebenan. Foto: privat

Wiernsheim-Pinache. Erst am 23. Dezember kam Baral direkt von Synchronisations-Tonaufnahmen in Berlin nach Hause. Am familiären Weihnachtsfest im heimischen Pinache rüttelt er keinesfalls. Auch diesmal feierte er gemeinsam mit seinen drei älteren Geschwistern und der Mutter. „Ich freue mich jedes Jahr auf das feine Essen von meiner Mama und das Zusammensein mit der Familie“, sagt der 30-jährige Schauspieler. Auch eine Skat-Runde mit den Brüdern dürfe nicht fehlen. Nur verlieren will der Jüngste keinesfalls, auch wenn er berichtet: „Im Vergleich zu früher bin ich wesentlich gelassener geworden.“

Eine Woche bleibt er in Pinache, bevor es zur Silvester-Party wieder nach Berlin geht. „Es tut gut, einfach mal Zeit zusammen zu verbringen, ohne Angst zu haben, etwas zu verpassen“, genießt Baral die ruhige Zeit zwischen den Jahren. Denn als Selbstständiger müsse er den Markt stets im Auge behalten.

Zu Hause ist Baral immer noch „der Kleine“

Baral kehrt nicht nur an Weihnachten heim. Alle sechs bis acht Wochen stattet er der Familie einen Besuch ab. Und natürlich sind nicht nur die Pinacher sehr interessiert daran, was aus ihm geworden ist. Auch vor einem Klassentreffen hätten sich die ehemaligen Mitschüler gefragt, ob er immer noch der Alte sei, erzählt Baral, der sich über die positiven Antworten auf diese Frage sehr freut. Trotz der Erfolge als Schauspieler und Synchronsprecher hat er nie die Bodenhaftung verloren und wechselt bei Besuchen in der Heimat schnell wieder in den hiesigen Dialekt. Und zu Hause sei er weiterhin „der Kleine“, berichtet Baral mit einem Schmunzeln. Auch wenn seine Mutter stolz sei auf ihren Sohn. Und der Vater habe sich ebenfalls über seinen Erfolg gefreut, auch wenn er es nicht immer gezeigt habe. Baral erzählt jedoch gerührt: „Kurz vor seinem Tod im vergangenen Jahr hat er sich ganz intensiv mit mir über meine neueste Produktion unterhalten. Das bleibt mir sicher im Gedächtnis.“

Aktuell stand Baral für Episoden der „SOKO Stuttgart“ und der „Küstenwache“ vor der Kamera: „In beiden Fällen spiele ich einen Tatverdächtigen, und einmal bin ich tatsächlich der Schuldige“, verrät er. Doch statt Schurken spiele er inzwischen viel lieber sympathische Charaktere. „Anfangs hat es mich gereizt, den Bösen zu spielen, da mir immer nachgesagt wurde, ich würde dafür zu nett aussehen“, erzähl Baral. „Doch das Wichtigste ist eigentlich, dass der Zuschauer die Rollenverteilung nicht sofort erkennt.“ Auf jeden Fall hätten ihm die Dreharbeiten mit Sophia Thomalla und Wayne Carpendale für die 250. Folge der „Küstenwache“ Spaß bereitet. Baral ist aber auch enttäuscht über den deutschen Schauspieler-Markt: „Hier werden Rollen oft nach großen Namen oder Demo-Tapes besetzt, weil Castings häufig zu teuer sind“, bedauert der Wiernsheimer. Dadurch sei man auf einen bestimmten Typ von Rollen festgelegt. Deshalb freut sich Baral über das vermehrte Interesse aus dem Ausland. So hätte er beim Casting für eine russische Produktion überzeugt und stand im Film „Baby-Sitters“ vor der Kamera, zu dessen Premiere er im Mai nach Moskau reist. Darin spielt er einen Tollpatsch, der durch sprachliche Missverständnisse gleich in mehrere Fettnäpfchen tritt.

Rückkehr in die Lindenstraße ist nicht ausgeschlossen

So fällt es nicht auf, dass Baral mit seinen kurzen russischen Textpassagen kleine Probleme hatte. Die hat er im Englischen dagegen überhaupt nicht, wodurch ihm Rollen im Ausland offen stehen. „Ich will gerne neue Sachen ausprobieren und habe mich deshalb auch sehr über das Angebot gefreut, in der russischen Komödie mitzuspielen.“ So hat Baral in den letzten Wochen vor Weihnachten auch seine Kontakte zu früheren Kollegen und Produzenten aufgefrischt. Für den amerikanischen Markt hat Baral seit November einen Manager gefunden, der ihn positioniert. Ob er in Deutschland noch mal für die Lindenstraße vor der Kamera stehen wird, ist noch nicht geklärt. „Beide Seiten haben Interesse an einer erneuten Zusammenarbeit, aber noch gibt es keine spruchreifen Vereinbarungen. Mein Serienvater Jo Bolling würde sich jedenfalls über meine Rückkehr freuen“, macht Baral den Fans der Lindenstraße Hoffnung auf eine Rückkehr in seiner Rolle als Timo Zenker.

Doch zwischen seinen Reisen quer durch die Welt will Baral sich auch weiterhin Zeit für Besuche in Pinache nehmen. „Wenn wir alle gemeinsam kochen und ich die Spätzle durchdrücke, während meine Mutter den Braten macht, dann kann ich am besten entspannen“, erzählt der Schauspieler von den kleinen Ruhepausen in seinem stressigen Alltag.

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