Zum Schluss umsonst arbeiten?

Erstellt: 17. Juni 2006, 00:00 Uhr
Zum Schluss umsonst arbeiten? Blick ins Klassenbuch: Bald ist Schulleiter Kugler Pensionär. Foto: Sadler

Pensionierte Lehrer unterrichten (freiwillig) zwei Tage ohne Gehalt – Ausnahme auf Antrag

Ein altgedienter Lehrer steht vor seiner Klasse und versucht, dem PISA-geschädigten Nachwuchs Lesen und Schreiben beizubringen. Zwei Tage lang macht er dies allerdings unentgeltlich. Unterrichten ohne Lohn ? Ja, das könnte demnächst, am Schuljahresende, hie und da durchaus vorkommen. Grund ist eine kuriose Panne, die 2006 durch einen außergewöhnlichen Zusammenstoß gesetzlicher Regelungen und spät beginnender Sommerferien in Baden-Württemberg zustande kommt.

 Betroffen sind Pädagogen, die altershalber aus dem Dienst ausscheiden. Wie zum Beispiel Manfred Kugler, der Leiter der Lienzinger Grundschule. 42 Schuljahre hat er demnächst hinter sich, wenn er Ende Juli offiziell verabschiedet wird, 27 Jahre als pflichtbewusster Rektor in Lienzingen. Seine Bilanz fällt schwäbisch-bescheiden aus: „Es hat solche und solche Zeiten gegeben“, fasst er zusammen. Zurzeit sei er „zufrieden“; weder mit dem Kollegium noch mit den Schülern gebe es Probleme.

 Doch ausgerechnet auf den allerletzten Metern seiner Laufbahn, so schien es zunächst, sollten unvorhergesehene Stolpersteine liegen. „Das Schuljahr ist ein Geschäftsjahr, das am 31. Juli endet“, erläutert Konrad Weber, Pressesprecher des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe, das auch für schulische Fragen zuständig ist. Folglich ende laut Gesetz am 31. Juli der Dienst von Lehrern, die im abgelaufenen Schuljahr 64 Jahre alt geworden sind. So weit, so klar. Aber in diesem Jahr ist die Sache komplizierter. Denn: Die Schulferien beginnen im Ländle erst am 3. August. Was passiert also am 1. und 2. August, einem Montag und einem Dienstag? Werden die kurz zuvor pensionierten Pädagogen dann noch einmal reaktiviert? Hängen die frisch gebackenen Ruheständler noch zwei Arbeitstage dran?  Antwort: Sie dürfen schaffen, müssen aber nicht. Das Ärgerliche an dieser Kann-Regelung: Weil das Arbeiten an diesen zwei Tagen freiwillig ist, sollten diese Tüchtigen eigentlich kein Gehalt vom finanziell gebeutelten Land erhalten.

 Doch immerhin tut sich ein Schlupfloch aus dem Dilemma auf: Auf Antrag des betroffenen Pädagogen, sei es möglich, „die gesetzliche Zurruhesetzung um zwei Tage zu verlängern“, tröstet Konrad Weber. Und für die werde auch das Salär gezahlt.
 Indes: Die Lösung mit dem befreienden Antrag sei zunächst nicht bekannt gewesen, meint Manfred Kugler. Erst mal habe es nur zwei Möglichkeiten gegeben: entweder nach dem 31. Juli die Pension genießen und zuhause bleiben oder bis zum Ferienbeginn zwei Tage lang aus eigenem Wunsch und unentgeltlich unterrichten. Dies habe ihn schon etwas „befremdet“, gibt er zu. Inzwischen sei glücklicherweise „nachgebessert“ worden. „Mit der jetzigen Lösung kann man leben.“ Juristisch sei ohnehin alles einwandfrei, es sei halt Pech, dass die großen Ferien erst später anfangen, zeigt er Verständnis. Er selbst hat den rettenden Antrag gestellt. Einen Bescheid hat er zwar noch nicht erhalten, „aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er abgelehnt wird“. Auf jeden Fall wolle er bis einschließlich 2. August arbeiten. „Bei 42 Dienstjahren kommt es auf zwei Tage nicht mehr an“, sagt er schmunzelnd.

 Wie viele seiner ebenfalls vor dem Abschied stehenden Kollegen es ihm gleichtun, ist nicht klar. Es gebe keine Statistik darüber, bemerkt RP-Sprecher Konrad Weber. Manche würden wohl einen Antrag auf Verlängerung ihrer Dienstzeit stellen, „andere machen ohne Gehalt weiter“, vermutet er.

 Schwierigkeiten sieht Weber jedenfalls nicht. Zumal kurz vor der Urlaubszeit an den Schulen sowieso schon Ferienstimmung herrscht.

 Notfalls müssten Lehrer, die am 1. und 2. August nicht mehr in der Schule auftauchen, vertreten werden. „Oder die sitzen gelassenen Schüler machen einen Ausflug gemeinsam mit einer anderen Klasse“, schlägt Weber vor.Thomas Sadler

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