Zitterpartie im Hockenheimer Regen

Erstellt: 28. Oktober 2010, 00:00 Uhr
Zitterpartie im Hockenheimer Regen Champagner-Dusche: Lars Kern (re.) begießt mit seinen Kollegen den Gesamtsieg im Porsche Super Sports Cup. Foto: Gruppe C

Lars Kern behält beim Saisonfinale die Kühlerhaube vorn – Swen Dolenc landet im Gesamtklassement auf Rang zwei

Doppelsieg für die Region Mühlacker beim Porsche Super Sports Cup: Lars Kern hat im Saisonfinale seinen knappen Vorsprung verteidigt und die Gesamtwertung gewonnen. Hinter dem Wiernsheimer wurde Swen Dolenc aus Maulbronn Zweiter. Eine Revanche wird es 2011 (vermutlich) nicht geben.

Von Steffen-Michael Eigner

Hockenheim. Die letzten beiden Saisonläufe des Porsche Super Sports Cups führten die Teilnehmer zum zweiten Mal an den Hockenheimring. Schon der Punktestand versprach Spannung. Lars Kern lag nach zehn von zwölf Rennen mit 130 Punkten an der Spitze, Swen Dolenc hatte nur einen Zähler weniger auf dem Konto.

 Im Qualifying fuhr Lars Kern, der im Frühjahr gemeinsam mit seinem Ingenieur Joschi Hildenbrand einen eigenen Rennstall „Jola Competition“ gegründet hat, mit einer sensationellen Runde auf Rang eins, Swen Dolenc wurde Vierter. „Ich hatte kein gutes Qualifying. Und dann kam im Rennen auch noch eine längere Safety-Car-Phase. Da bleibt dann nicht viel Zeit zum Überholen“, sagte Swen Dolenc nach dem Rennen, das er auf dem vierten Platz beendete. Lars Kern hingegen wurde Zweiter und baute seine Gesamtführung weiter aus. Die Entscheidung war aber auf das zweite Rennen tags darauf vertagt.

 Vor dem letzten Lauf verdüsterten graue Wolken den Himmel, somit stellte sich die Frage nach den richtigen Reifen. Die meisten der 47 Piloten im Feld zogen profillose Slicks auf und hofften auf 30 trockene Rennminuten. Nach einem starken Start lag Kern auf Rang drei und damit auf Meisterschaftskurs. Doch schon wenige Minuten später setzte heftiger Regen ein. Alle Fahrzeuge waren zu diesem Zeitpunkt auf Trockenreifen unterwegs, und so wurde der weitere Verlauf des Rennens für alle zu einer wahren Zitterpartie.

 In der fünften Runde verlor Kern bei knapp 200 Stundenkilometern die Kontrolle über seinen 420-PS-Porsche und rutschte von der Strecke. Swen Dolenc und ein weiterer Konkurrent fuhren vorbei. Kern konnte das Rennen jedoch fortsetzen und pirschte sich wieder an Swen Dolenc heran. „Es war super-super-spannend, bis endlich feststand, dass ich vorne bleibe“, so Kern, der mittlerweile zum Nürburgring weitergereist ist, um dort Privatkunden beizubringen, wie man ein Rennauto fährt. „Als ich von der Strecke flog, haben einige schon angefangen zu rechnen. Aber ich wusste, wenn ich bis ins Ziel direkt hinter Swen bleibe, bin ich trotzdem Meister.“

 Als sich nur zwei Runden später Swen Dolenc bei immer stärker werdendem Regen von der Fahrbahn drehte, war die Meisterschaft so gut wie entschieden. Kern lag mittlerweile an Position drei und entschied sich für einen Wechsel auf Regenreifen. Gerade als er die Box ansteuerte, gab die Rennleitung den Abbruch des Rennens bekannt. Der Stand der letzten gafahrenen Runde wurde als Endklassement gewertet, und der Jubel beim Newcomer-Team aus Wimsheim über den Meistertitel gleich in der ersten Saison kannte keine Grenzen. Da gratulierte auch der Unterlegene.

 „Lars hat es absolut verdient. Er ist ein sympathischer Typ und ein klasse Fahrer“, so Swen Dolenc. „Ich hatte in dieser Saison einfach nicht viel Rennglück. Der Speed war da, aber andere Faktoren spielen eben auch eine Rolle“, resümiert Dolenc. „Ich bin aber zufrieden, es war eine gute Saison. Auch wenn ich natürlich lieber Meister geworden wäre.“ Aus einem neuerlichen Lokalduell des Maulbronners mit dem Wiernsheimer in der kommenden Saison wird jedoch nichts werden. Zumindest nicht im Porsche Super Sports Cup, dem beide den Rücken kehren.

Neues Duell zwischen Kern und Dolenc live im Fernsehen?

 „Ich wechsle das Team und die Serie“, teilt Swen Dolenc mit. „Ein ausländisches Team und eine deutsche Rennserie“, fügt er hinzu . Ansonsten hält sich der Maulbronner bedeckt, verrät nur noch schmunzelnd: „Die Rennen werden live im Fernsehen übertragen.“ In der Rennszene allerdings wird gemunkelt, dass Dolenc im kommenden Jahr im ADAC GT Masters unterwegs sei – eine Serie, mit der auch Lars Kern ein wenig liebäugelt.

 „Für mich hat jetzt erst einmal Vorrang, meine Firma aufzubauen. Ich möchte mich um meine Leute und die Kunden kümmern“, sagt der Wiernsheimer zwar und schließt aus, sich wieder selbst ins Porsche-Cockpit seines Teams Jola Competition zu setzen. Die Option „für ein fremdes Team, wo ich mit dem organisatorischen Drumherum nichts zu tun habe, im GT Masters zu starten“, hält sich Kern jedoch offen.

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