Zielstrebigkeit liegt in der Familie

Erstellt: 28. November 2009, 00:00 Uhr
Zielstrebigkeit liegt in der Familie Maylin Künzlers Ehrgeiz bekommt im Training auch der Sandsack zu spüren. Vor großen Meisterschaften trainiert die 15-Jährige täglich zwei Stunden lang. Fotos: Keller

Kickboxerin Maylin Künzler tritt in die Fußstapfen ihres Vaters

Beim Training in Niefern ist Maylin Künzler diejenige, die am meisten
Gas gibt. Außerhalb des Kickboxrings wirkt die 15-Jährige hingegen eher still. „Das täuscht. Sie hat auch sonst viel Power“, sagt ihr Vater und Trainer Alexander Künzler. Vor allem aber Ehrgeiz und Zielstrebigkeit.

Von Claudia Keller

Niefern-Öschelbronn. Mit einem hochgesteckten Ziel war Maylin Künzler Ende Oktober zu den Kickbox-Weltmeisterschaften nach Spanien gefahren: Sie wollte eine Medaille, am liebsten natürlich den Titel. Und sie hat es tatsächlich geschafft – die 15-jährige Schülerin aus Niefern-Öschelbronn hat sich den Weltmeistertitel im Leichtkontakt in der Gewichtsklasse bis 50 Kilogramm gesichert. „Ich habe mir das große Ziel gesetzt, so weit zu kommen und ich habe es auch geschafft“, ist Maylin Künzler mit sich zufrieden. Dabei hatte die in der Jugendklasse der 13- bis 17-jährigen startende Kickboxerin überwiegend gegen ältere Gegnerinnen anzutreten.

 Auf dem Weg ins Finale besiegte sie die Teilnehmerinnen aus Kanada, England und Schottland jeweils deutlich. „Im Finale war es schwer zu kämpfen“, erinnert sich Maylin an ihre einen Kopf größere Finalgegnerin aus Irland. „Da habe ich zunächst doch einige Schläge einstecken müssen.“ Hinzu kam, dass es einige kurzfristige Verschiebungen im Zeitplan des Finaltages gegeben hatte.

 „Ich bin ohne mich vorher aufzuwärmen in diesen Kampf gegangen“, erklärt Maylin. Ihre Gegnerin hingegen hatte sich da schon aufgewärmt. Doch so kurz vor dem großen Ziel hat die junge Kickboxerin nochmal richtig Gas gegeben und diesen entscheidenden Kampf gewonnen. Dazu hat sicherlich ihre Einstellung beigetragen, mit der sie die Weltmeisterschaften angegangen war.

 „Ich habe es genommen wie jedes andere Turnier“, sagt Maylin. „Ich sah es ganz locker, zumindest am Anfang.“ Außerdem hatte sich Maylin intensiv auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Einen Monat lang hatte sie täglich zwei Stunden lang trainiert. Joggen, Sprints, Krafttraining, Pratzenarbeit standen auf dem Programm. „Vor allem Kondition und Technik“, fasst Maylin das zielgerichtete Training zusammen. Trainingseinheiten in Karlsruhe bei Klaus Nonnenmacher, mehrmaliger Weltmeister in verschiedenen Kampfsportdisziplinen, gehörten ebenfalls dazu.

 Kampferfahrung hat die junge Sportlerin vor allem bei verschiedenen Turnieren in Deutschland gesammelt. Eine Weltmeisterschaft hat sie allerdings zum ersten Mal bestritten und dabei gleich gesiegt. „Ohne die Unterstützung von meinem Vater hätte das nicht geklappt“, stellt Maylin fest, die die achte Klasse der Realschule in Niefern besucht. Sport und Englisch seien ihre Lieblingsfächer.

 Seit ihrem sechsten Lebensjahr wird sie von ihrem Vater Alexander Künzler trainiert, der selbst zahlreiche Erfolge im Boxsport gefeiert hat. Er war in den 80er Jahren mehrere Male Deutscher Meister bei den Amateurboxern und nahm an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul teil, wo er jeweils im Weltergewicht Platz fünf belegte. Nach dem Ende seiner aktiven sportlichen Karriere eröffnete er in Niefern das Fitness-Studio Künzler Athletics. Die Zielstrebigkeit liegt also in der Familie.

Zwei weitere Künzler-Schüler bringen WM-Medaillen mit

 Entsprechend hält Alexander Künzler nichts davon, wenn Jugendliche gleich mehrere Sportarten parallel betreiben. Dann könne man keine davon richtig gut und sei überall nur das fünfte Rad am Wagen, sagt er sinngemäß. „Und demenstprechend entwickeln sich diese Kinder dann später meist auch“, findet Künzler und fügt hinzu. „Man sollte als Kind das ein oder andere ausprobieren, sich aber spätestens mit elf oder zwölf Jahren entscheiden: So, das ist jetzt meine Sportart. Dabei bleibe ich.“ Nur so, davon ist Künzler überzeugt, stellen sich langfristig Erfolgserlebnisse ein – seien es nun kleine oder große.

 Maylin Künzler trägt derzeit im Kickboxen den blauen Gürtel, im kommenden Jahr will sie die Prüfung für den braunen ablegen. Drei Jahre später soll dann der schwarze Gürtel folgen. Und auf dem Weg dahin vielleicht noch ein paar Medaillen und der ein oder andere Titel.

 Zur Weltmeisterschaft in Spanien hatte Künzler zwei weitere Teilnehmer aus seiner Sportlerschmiede angemeldet. Manuela Brenner aus Eutingen brachte die Silbermedaille in der Gewichtsklasse ab 65 Kilogramm mit. Brenner arbeitet bei einer Spedition in Mühlacker, die ihre sportlichen Ambitionen auch finanziell unterstützt. Außerdem gewann der zwölfjährige Marco Schleibaum die Bronzemedaille in seiner Gewichts- und Altersklasse.

 Besonders stolz ist Künzler natürlich auf seine Tochter. „Der Weltmeistertitel bleibt“, freut er sich über Maylins Erfolg. „Egal was sie später einmal machen wird.“

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