Zeuge ist sich seiner Sache nicht mehr sicher

Erstellt: 9. Oktober 2008, 00:00 Uhr

Verteidiger fragt vor dem Amtsgericht bohrend nach – Gefährliche Körperverletzung endet mit milden Urteilen

Maulbronn (ra) – Die mangelnde „Aussagekonstanz“ eines Zeugen hat gestern im Amtsgericht Maulbronn dazu geführt, dass einer der Angeklagten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen worden ist. Der Hauptangeklagte indes wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Am 18. August 2007, gegen 21.20 Uhr, soll der damals 20 Jahre alte Mehmet (alle Namen geändert) in der Nähe des Waldenserstegs am Wertle dem gleichaltrigen Sigi eine volle Bierflasche gegen das Kinn geschlagen haben. Er und sein Kumpel Cem hätten danach auf den am Boden Liegenden eingetreten. So hatte es der Zeuge Mike damals bei der Polizei geschildert. „Glaubhaft“, wie der Polizist, der damals die Vernehmung geführt hat, vor Gericht aussagte. In der Hauptverhandlung war sich Mike seiner Sache nicht mehr so sicher.

 „Es war dunkel“ und „Cem ist hingerannt, ich habe aber nicht gesehen, was genau passiert ist“ oder „Weiß nicht, es ging alles so schnell“, wich er den bohrenden Fragen von Verteidiger Christoph Quittnat aus. Selbst bei der unstrittigen Frage, ob Mehmet tatsächlich mit der Flasche ausgeholt und zugeschlagen hat, war er plötzlich unsicher.
 Der Geschädigte hatte den Vorfall so geschildert: „Auf einmal kam die Flasche, dann weiß ich nichts mehr.“ Mit einem blauen Auge, Prellungen, Schürfwunden und einem ausgeschlagenen Zahn kam er ins Krankenhaus.

 Vor der eigentlichen Beweisaufnahme stellte der Verteidiger einen Antrag auf ärztliche Begutachtung seines Mandanten Mehmet. Dieser sei nicht in der Lage, der Verhandlung zu folgen. Es ginge ihm nicht gut, alles sei vernebelt, so Mehmet. Weiter ließ er sich über seine Beschwerden nicht aus. Der Antrag wird abgelehnt, entschied Richter Dietmar Konrad nach kurzer Verhandlungspause und berief sich auf ein ärztliches Attest, das die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten bescheinigt.
 Das Gericht verhandelte im Fall Mehmet einen weiteren Anklagepunkt: Sachbeschädigung. Im Mai 2007 war der junge Mann mit mehreren Kumpanen, die bislang unbekannt geblieben sind, gewaltsam in ein Gartenhaus in der Nähe der Löffelstelz eingedrungen. Dort hinterließen die Vandalen nach einem Saufgelage ein Bild totaler Verwüstung. Eine DNA-Spur führte die Polizei zu Mehmet. Er hatte sich zwar nach der Vernehmung durch die Polizei bei den Geschädigten entschuldigt und eine Schadenswiedergutmachung angeboten. Geld sei allerdings bis zur Verhandlung nicht geflossen, erklärte das ältere Ehepaar.

 Vor Gericht erneuerte Mehmet seine Entschuldigung und sicherte zu, als Wiedergutmachung 1200 Euro zu zahlen. In ähnlicher Höhe liegt die Geldstrafe für seine Taten. 100 Tagessätze zu je zehn Euro verhängte Richter Konrad gegen den inzwischen 22-jährigen Zerspanungsmechaniker. Damit blieb er deutlich unter dem Antrag der Anklagevertretung. Ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe hatte Staatsanwältin Laura Hell gefordert. Zudem äußerte sie Zweifel an der positiven Sozialprognose des Angeklagten Mehmet und ließ folglich in ihrem Antrag die Frage einer Bewährung offen. Im Fall des Angeklagten Cem plädierte sie auf Freispruch wegen fehlender Konstanz in den Aussagen des Zeugen.

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