Zeit, die Ärmel hochzukrempeln

Erstellt: 9. November 2010, 00:00 Uhr
Zeit, die Ärmel hochzukrempeln Die Defensive des TV Ispringen (weiße Trikots) weiß Mühlackers Jörg Bidlingmaier (2. v. re.) häufig nur mit unfairen Mitteln zu stoppen. Foto: Zschorsch

Blau-Gelb Mühlacker muss die geknickten Handballer-Seelen wieder aufrichten – Jetzt kommen die Schlüsselspiele.

Für gute Leistung allein kann sich Blau-Gelb Mühlacker nichts kaufen. Deshalb lassen die Handballer nach der Beinahe-Sensation im Derby der Landesliga gegen den TV Ispringen die Köpfe hängen. Dabei ist jetzt eigentlich Zeit, die Ärmel hochzukrempeln.

Von Steffen-Michael Eigner
und Dieter Glauner

Mühlacker. „Die Psyche ist zurzeit das Problem. Man weiß zwar, dass man mitgehalten hat. Und trotzdem hat man nach sieben Spielen eben nur zwei Punkte“, beschreibt Blau-Gelb-Präsident Thomas Ufrecht die allgemeine Gefühlslage in der Mannschaft nach der knappen 31:34-Niederlage. „Die Stimmung nach dem Spiel war schlecht. Das ist einfach nichts Zählbares, und von dieser Sorte Spiel hatten wir jetzt schon vier Stück.“

 Der Tabellenzweite TV Ispringen hatte mit den Blau-Gelben wesentlich mehr Probleme als erwartet. Mit ein Grund war wohl die Rote Karte, die sich Ispringens Lukas Kunz nach einem Foul an Jörg Bidlingmaier bereits in der 18. Minute eingehandelt hatte, denn ab diesem Zeitpunkt machten die Senderstädter ihren frühen 4:10-Rückstand bis zum 12:13 fast wieder wett. 15:18 hieß es zur Pause, und auch nach dem Wechsel gaben die Blau-Gelben, bei denen nunmehr auch Trainer Maik Bareis ins Trikot schlüpfte, nicht nach. Beim 27:27 zehn Minuten vor dem Abpfiff lag sogar die Sensation in der Luft, ehe Ispringen dann doch individuelle Fehler der Senderstädter zu drei Treffern in Folge nutzte und den Vorsprung bis zum 31:34-Endstand ins Ziel rettete.

 Klar, dass nach der vergeblichen Aufholjagd keine Jubelstürme ausbrechen. Doch eigentlich gibt das Ispringen-Spiel Anlass zur Zuversicht. Zumal Mühlacker mit jetzt 2:12 Punkten besser dasteht, als der eigene Vereinsboss erwartet hatte. „Ich habe eigentlich mit 0:10 Punkten geplant“, gibt Thomas Ufrecht unumwunden zu. „Als ich vor der Saison den Spielplan gesehen habe, dachte ich schon: ,Oh Gott im Himmel!‘“

In den nächsten sechs Spielen
kommen vier Abstiegskandidaten

 Nacheinander musste Aufsteiger Blau-Gelb Mühlacker bis dato die Spitzenteams der Liga abarbeiten. „Wir haben viele junge Spieler, die noch nie zuvor in der Landesliga gespielt haben. Und wenn es dann eine Niederlage nach der anderen setzt, beginnt natürlich das große Nervenflattern“, fährt Ufrecht fort. „Jeder hat das Gefühl, als wäre die Saison gleich rum. Dabei ist noch eine ganze Menge Zeit, in der viel passieren kann.“

 In der Tat ist gerade einmal die Hälfte der Hinrunde geschafft. Und von den derzeit vorderen sieben Teams der Tabelle, haben die Blau-Gelben schon fünf hinter sich, darunter das momentane Spitzentrio Neuthard, Ispringen, Knielingen. Heißt umgekehrt: In den restlichen sechs Hinrundenspielen, die bis zur Weihnachtspause bevorstehen, geht es viermal gegen einen der Abstiegskandidaten. Es ist also gerade jetzt genau die richtige Zeit, die Ärmel hochzukrempeln.

 Einen davon, die SG Kronau-Östringen, hat Mühlacker bereits mit 26:23 bezwungen – der bisher einzige Saisonsieg. Als Nächstes geht es zum Mitaufsteiger HSG Karlsruhe. „Das ist das Schlüsselspiel. Da müssen wir beweisen, das wir nicht nur mithalten, sondern auch einen packen können. Und dann sieht es auch mit dem Selbstvertrauen gleich wieder viel besser aus“, sagt Thomas Ufrecht mit Blick auf das Auswärtsspiel am kommenden Sonntag (17 Uhr, Sporthalle Otto-Hahn-Gymnasium in Karlsruhe-Waldstadt).

 Zu schaffen macht den Blau-Gelben, dass mit Manuel Freyburger und Michael Dippon zwei bisherige Leistungsträger nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen. Beide haben im Frühjahr ihr Abitur bestanden und nun im Oktober ihr Studium aufgenommen. „Manuel ist in Trier, er fällt eigentlich komplett aus. Michael studiert in Karlsruhe, das ist noch einigermaßen machbar“, erklärt Thomas Ufrecht, der selbst erst am Wochenende von einer Geschäftsreise nach China zurückgekehrt ist und dennoch am Sonntagabend das Spiel seiner Truppe in der Enztalsporthalle verfolgt hat. Da gestern Trainer Maik Bareis beruflich nach Südamerika geflogen ist, muss nun Präsident Ufrecht gemeinsam mit Routinier Christian Jaehdeke die geknickten Handballer-Seelen wieder aufrichten. „Wir werden das schon schaffen“, ist Ufrecht optimistisch.

Sogar der Blick auf die Tabelle
taugt zum Mutmacher

 Mut machen könnte sogar ein Verweis auf die Tabelle, wo der Weg nach vorne gar nicht so weit ist. Mühlacker ist zwar nur auf dem 13. Platz, doch der Rückstand zur HSG Karlsruhe auf Platz zehn beträgt lediglich zwei Punkte. Weitere zwei Zähler fehlen zum TV Büchenau, der als Siebter die vordere Tabellenhälfte abschließt. Schon mit zwei Siegen also sähe die blau-gelbe Welt viel freundlicher aus. Und auch das Spiel vom Sonntag darf ruhig als Muntermacher dienen, sofern man die Minuten eins bis fünf und die Minuten 50 bis 55 mal ausblendet.

Blau-Gelb Mühlacker: Müller, Shakshir – Dippon (3), Elsner (3), Reiss (2), Ufrecht (3), Jaehdeke (4), Bidlingmaier (7), Goll (1), Kusch (1), Haasis (3), Bareis (4).

TV Ispringen: Vogt – Stoll (4/1), J. Schneider (3/2), Müller (9), Kehm (6), Apel (7/1), Bürkle, Schirrmacher, L. Kunz (1), P. Kunz (1), S. Kunz (2).

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