Zaubergala: Organisator vermisst Körper

Erstellt: 31. Dezember 2010, 00:00 Uhr
Zaubergala: Organisator vermisst Körper Als sprechender Kopf wird Jürgen F. Heinz bei der Magie im Mühlehof sein Publikum begrüßen. Dabei hilft der Zauberapparat eines Freundes. Foto: privat

Jürgen F. Heinz kann trotzdem als sprechender Kopf das Publikum begrüßen – Magier setzt auf Sinnestäuschungen

Der Zauberer Jürgen F. Heinz hat nicht seinen Kopf verloren, dafür ist ihm der Körper abhanden gekommen. Also wird er als sprechender Kopf am 8.Januar die Gäste bei Magie im Mühlehof begrüßen.

Von Frank Goertz

Mühlacker. „Alles eine reine Illusion“, gibt der Organisator der großen Zaubergala bei seinem Besuch in der MT-Redaktion Entwarnung bezüglich der verschwundenen Körperteile. Eine Illusion, die schon im 19. Jahrhundert auf Jahrmärkten sehr populär war und nicht nur als sprechender Kopf ohne Körper, sondern auch als Dame ohne Unterleib bekannt ist.

 Und wie funktioniert der Trick? Jürgen F.Heinz lacht: „Das ist ein Geheimnis!“ Würde er es lüften, käme er auf die Schwarze Liste des Magischen Zirkels, in dem 3000 Zauberer aus ganz Deutschland zusammengeschlossen sind. Auch hartnäckiges Nachfragen bringt Heinz nicht dazu, wenigstens einen Hinweis zu geben, was hinter dem Trick steckt. Dafür verrät er aber, wie Magie im Allgemeinen funktioniert. „Ganz einfach: durch Sinnestäuschung und Manipulation“, sagt Heinz, nimmt in jede Hand eine Kugel, fuchtelt mit der linken plötzlich in der Luft rum, während die rechte verschwindet und der Betrachter sich fragt, wo die Kugel hin ist. Heinz hat sie einfach abgelegt, während der Blick seines Gegenübers abgelenkt war. „Das ist ein ganz simples Beispiel“, erklärt Heinz. „Aber so funktionieren viele Tricks. Sie müssen das Publikum manipulieren.“ Da sich aber bei der Magie im Mühlehof über 600 Zuschauer verzaubern lassen und den Trick nicht durchschauen, scheint das Handwerk der Magie doch nichts für Grobmotoriker zu sein.

 Aber natürlich sei nicht jeder Trick reines Handwerk, räumt Heinz ein. Manchmal würden sich die Zauberer auch technischer Hilfsmittel bedienen, um ihrem Publikum etwas vorzumachen. Wobei sich natürlich nicht die Frage stellt, ob nicht jeder Laie die Technik nutzen kann, die Magie also nur ein fauler Zauber ist. „Jeder kann einen Ball kaufen“, verteidigt Heinz die Magie. „Aber nicht jeder, der einen Ball kauft, spielt damit wie Beckenbauer.“ Es sei auch die Show, die Art der Darbietung, die einen guten Magier von einem faulen Zauberer unterscheide.

 Und manche magischen Konstruktionen üben einen besonderen Reiz aus, der auch Jahrzehnte nach deren Erfindung das Publikum in seinen Bann zieht. Etwa der Zauberapparat für den sprechenden Kopf ohne Körper. „Ein Freund leiht ihn mir, damit ich bei der Zaubergala im Mühlehof das Publikum magisch begrüßen kann“, sagt Heinz. Dieser Freund, Rüdiger Deutsch aus Flein bei Heilbronn, ist weltweit als Sammler von historischen Zauberapparaten bekannt und baut auch Stücke nach, die nicht mehr zu bekommen sind. So hat er den Zauberkasten für den sprechenden Kopf nach Plänen aus dem Jahr 1880 rekonstruiert und ihn mehrere Monate lang der Stadt Linz – Kulturhauptstadt Europas 2009 – für eine Ausstellung über die Zauberkunst vergangener Zeiten ausgeliehen. Nach dem Ende der Ausstellung ging die Illusion wieder in den Besitz von Rüdiger Deutsch über, und jetzt ist sie bei der Magie im Mühlehof zu bewundern.

 Dabei ist der Organisator der Zaubergala, die vom Gewerbe-, Handels- und Verkehrsverein veranstaltet wird, eigentlich ein Vertreter der klassischen Zauberei durch Geschicklichkeit. Als solcher hat er nicht nur einen Vize-Weltmeistertitel eingeheimst, sondern war auch Deutscher Meister in seinem Metier. „Tokio, Paris, New York – ich war auf der ganzen Welt unterwegs, um zu zaubern“, erinnert sich Heinz an seine aktive Zeit. Besonders in Erinnerung ist ihm auch ein Auftritt für König Hussein in der jordanischen Hauptstadt Amman geblieben. „Trotzdem war ich als Zauberer nur Semiprofi“, berichtet Heinz, der zuletzt als Finanzvorstand bei Metzler Optik gearbeitet hat. „Die Zauberei und die Verpflichtungen durch den Beruf ließen sich immer schwerer unter einen Hut bringen“, erklärt Heinz, warum er den Zauberstab aus der Hand gelegt hat. Aber so ganz wollte er seiner Leidenschaft dann doch nicht abschwören. Deshalb tritt der 69-Jährige immer wieder als Veranstalter und Organisator von Zaubergalas in Erscheinung.

 Die alten Tricks beherrscht er trotzdem noch, wie er beim Besuch der MT-Redaktion mit einigen Kartenkunststücken beweist. „Manchmal trete ich auch noch bei Geburtstagen oder Familienfeiern auf“, erzählt Heinz. Die großen Bühnen – wie etwa bei der Zaubergala im Mühlehof – jedoch überlasse er den Profis. Nur die Begrüßung des Publikums in Mühlacker lässt er sich nicht nehmen. Auf jeden Fall ist sein Kopf auf der Bühne. Der Körper ist – weg.

Weiterlesen
Kunst konfrontiert mit Tabuthemen

Kunst konfrontiert mit Tabuthemen

Werke von Chagall, Dali und Kandinsky in der Pauluskirche – Auseinandersetzung mit dem Tod. Mühlacker – Weil Kunst den Betrachter jenseits von Sprache anspricht, kann sie Dinge ausdrücken, die schwer… »