Wölfe ärgern die Bayern

Erstellt: 12. März 2006, 00:00 Uhr
Wölfe ärgern die Bayern Zerreißprobe: Hanno Balitsch (r.) gibt sein letztes Hemd für Hannover 96. Der Duisburger Adam Bodzek wirkt bei seinem Abwehrversuch überaus anhänglich. 0:0 endete diese Partie.

Der FC Bayern München hat keine gute Woche: Aus in der Champions League, kein Sieg in Wolfsburg. Werder Bremen erwischte es gegen Berlin noch schlimmer. Ein Torefestival boten Köln und Nürnberg, Mainz holte Luft im Abstiegskampf.

Hamburg – Die Bayern kamen beim VfL Wolfsburg nicht über ein 0:0 hinaus. Nach der Heimniederlage gegen den Hamburger SV vor einer Woche und dem Aus in der Champions League beim AC Mailand blieb die erhoffte Trotzreaktion des Tabellenführers aus. Während der Vorsprung der Bayern auf die Verfolger im Falle eines HSV-Sieges am Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern somit weiter schrumpfen könnte, blieben die Niedersachsen unter Trainer Klaus Augenthaler zu Hause ungeschlagen und feierten durch das Remis zumindest einen Achtungserfolg.

Bereits nach 57 Sekunden lag der Ball im Wolfsburger Tor. Paolo Guerrero, der den Vorzug vor Roy Makaay erhalten hatte, traf jedoch aus einer Abseitsposition. Der VfL schlug schon eine Minute später zurück. Nach einem Fehler von Lucio zog Rick Hoogendorp, der Diego Klimowicz (Adduktorenprobleme) im Wolfsburger Angriff vertrat, aus 14 Metern ab, verfehlte das Bayern-Tor jedoch knapp. In der Folgezeit gelang es den Münchnern zwar das Spiel über weite Strecken zu kontrollieren, Großchancen blieben allerdings Mangelware.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb der erwartete Offensivwirbel der Münchner weiter aus. Zu oft mangelte es im Aufbau an Ideen und im Angriff an Durchschlagskraft. Der VfL stand weiterhin sicher in der Defensive, brachte im Spiel nach vorne aber noch weniger als der Gegner zustande. „Nach der Niederlage von Mittwoch und der deftigen Kritik war es schwierig. Die vergangenen Tage haben ein bisschen Sicherheit gekostet. Deshalb müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein“, sagte Bayern-Trainer Felix Magath.

Die Überraschung dieses 25. Spieltages schaffte aber Hertha BSC. Der gebeutelte Hauptstadtclub gewann bei Werder Bremen geradezu sensationell nach 13 Pflichtspielniederlagen mit 3:0 Toren. Wieder patzte dabei Tim Wiese. Der Bremer Torwart griff vor dem Kopfballtreffer von Kevin Boateng (53. Minute) am Ball vorbei. Schon vier Tage zuvor in der Champions League hatte ein Fehler des Werder-Keepers die Bremer 1:2-Niederlage bei Juventus Turin besiegelt.

Die letzten Zweifel am Sieg der Berliner beseitigten in der Schlussphase der Brasilianer Marcelinho (76.) und der Türke Yildiray Bastürk (83.). Den Bremern waren die Strapazen des Champions-League-Matches noch deutlich anzumerken. Besonders mental wirkte das Team von Coach Thomas Schaaf überhaupt nicht frisch, daraus resultierten eine Vielzahl von Fehlpässen und eine schwache Leistung.

Hertha zeigte das bessere Kombinationsspiel und erarbeitete sich auch die besseren Tormöglichkeiten. „Diesmal haben wir endlich unser Spielkonzept optimal umgesetzt. In der zweiten Halbzeit haben wir dann auch unsere Chancen genutzt. Ich hatte nie den Glauben an meine Mannschaft verloren“, sagte Herthas Trainer Falko Götz, der nun ein wenig sicherer auf seinem Stuhl sitzt. Werder-Trainer Thomas Schaaf zeigte sich enttäuscht: „Wir haben viel zu harmlos agiert und deshalb verdient verloren.“

Vittek mit Hattrick

Wesentlich torreicher endete die Partie 1. FC Köln gegen den 1. FC Nürnberg: Der „Club“ gewann beim FC 4:3 und verschaffte sich weiter Luft im Abstiegskampf. Mann des Tages war dabei der Nürnberger Robert Vittek. Der Slowake erzielte den ersten Hattrick dieser Saison. Nach einem Foul des Türken Alpay am Nürnberger Markus Schroth verwandelte der Stürmer den Elfmeter sicher. In der 15. Minute war Vittek nach einem Fehler von Boris Zivkovic erneut zur Stelle und nur sieben Minuten später verwandelte er auch seinen zweiten Strafstoß sicher. Damit erzielte der Angreifer in 105 Bundesligaminuten sechs Treffer und erhöhte sein Torkonto auf acht.

Trotz Vitteks Toren wurde es in der zweiten Halbzeit aber spannend. Nachdem Zivkovic in der ersten Hälfte (28.) für Köln auf 1:3 verkürzte, aber der Nürnberger Iwan Sajenko den alten Drei-Tore-Rückstand wiederhergestellt hatte (58.), drehte der FC richtig auf. Marvin Matip (61.) und Nationalspieler Lukas Podolski (63.) brachten mit einem Doppelschlag den FC zurück ins Spiel.

Allerdings mussten die Gastgeber ab der 82. Minute mit zehn Spielern auskommen, nachdem Christian Lell wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. „Um den Unterhaltungswert des deutschen Fußballs kann es nicht schlecht bestellt sein, wenn zwei Abstiegskandidaten so ein interessantes Spiel abliefern. Nach dieser Partie möchte ich nicht über die Fehler diskutieren“, sagte Nürnbergs Trainer Hans Meyer. Kölns hans-Peter Latour haderte mit seiner Mannschaft: „Mit unseren eigenen Fehlern haben wir uns das Leben wieder schwer gemacht.“

Mainz lacht wieder

Zu einem sicheren 3:0-Sieg kam der FSV Mainz 05 über Borussia Mönchengladbach. Nach zuvor sechs Spielen ohne Sieg ist dem Abstiegskandidaten Mainz damit ein Befreiungsschlag geglückt. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp bezwang Mönchengladbach verdient. Michael Thurk (62., 89.) mit seinen Saisontreffern neun und zehn und Mohamed Zidan (68.) besiegelten für die Mainzer den ersten „Dreier“ nach einer sechswöchigen Durststrecke. „Wir wollten Tempo, Power und Leidenschaft zeigen, das haben wir beherzigt“, so Mainz-Trainer Jürgen Klopp.

Die Borussen indes dokumentierten durch ihre 300. Auswärtsniederlage in der Bundesliga erneut ihre frappierende Schwäche auf des Gegners Platz. Der letzte und bislang in der laufenden Saison einzige Auswärtssieg (2:0 bei Arminia Bielefeld) liegt fast ein halbes Jahr zurück – es war auch der einzige in den vergangenen 31 Partien in der Fremde.

Arminia Bielefeld hat Bayer Leverkusen im Kampf um einen Uefa-Cup-Platz einen Dämpfer versetzt und sich selbst wohl der gröbsten Abstiegssorgen entledigt. Die Ostwestfalen besiegten Leverkusen 1:0 (1:0) und rückten durch den dritten Heimsieg in Serie bis auf zwei Punkte an die Rheinländer heran. Bayer musste eine verdiente Niederlage hinnehmen. Das Bayer-Team von Trainer Michael Skibbe, das in den fünf Bundesliga-Spielen zuvor insgesamt 15 Tore erzielt hatte, enttäuschte diesmal auf der ganzen Linie.

Matchwinner war ausgerechnet Radomir Dalovic. Der 22 Jahre alte Serbe hatte schon im Vorjahr mit seinem Treffer die 0:1-Niederlage von Leverkusen in Bielefeld besiegelt, kam erstmals in dieser Saison von Beginn an zum Einsatz und erzielte mit seinem zweiten Bundesliga-Treffer überhaupt erneut das „Goldene Tor“. Von dem Treffer, der bereits in der fünften Minute fiel, erholten sich die Gäste während der gesamten Partie nicht richtig.

Duisburg tritt auf der Stelle

Aufsteiger MSV Duisburg hat im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga erneut einen Rückschlag erlitten. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Kohler kam gegen Hannover 96 nicht über ein 0:0 hinaus und hat damit weiter drei Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Hannover ist nun seit vier Begegnungen sieglos und verpasste die Gelegenheit, sich näher an die Uefa-Cup-Ränge heranzuschieben. Die besten Chancen für den MSV hatten Abdelaziz Ahanfouf (3., 24.) und Razundara Tjikuzu (41.). Michael Tarnat (23.) und  Jiri Stajner (61. und 64.) vergaben für Hannover, Thomas Brdaric scheiterte kurz vor Ende (81.) freistehend am Duisburger Torwart Georg Koch.

Torlos endete auch das Spiel VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund. Damit treten beide Clubs im Kampf um einen Uefa-Cup-Platz weiter auf der Stelle. Die Westfalen kamen wie im Hinspiel nicht über ein 0:0 hinaus, der VfB blieb immerhin auch im vierten Liga-Spiel in Folge unter dem neuen Trainer Armin Veh ohne Niederlage.

Bei Stuttgart verpasste der Däne Jon Dahl Tomasson nach einem kapitalen Fehler von BVB-Verteidiger Christian Wörns freistehend aus fünf Metern das 1:0. Nur wenige Minuten später scheiterten VfB-Kapitän Zvonimir Soldo und der ehemalige Nationalspieler Markus Babbel aus aussichtsreicher Position. Ohne den erneut auf die Bank verbannten Nationalspieler Christoph Metzelder hinterließ die Defensive der Dortmunder oftmals keinen guten Eindruck.

Nach einer ansehnlichen Viertelstunde im Duell der beiden Europapokal-Aspiranten verflachte die Partie. Allein Angreifer David Odonkor hatte nach einem sehenswerten Sololauf die Chance zur Dortmunder Halbzeitführung, doch Nationalkeeper Timo Hildebrand parierte glänzend (37.).

Nach dem Seitenwechsel korrigierte VfB-Coach Veh seine Aufstellung und versuchte mit Mario Gomez und Mittelfeldspieler Heiko Gerber das Angriffsspiel zu forcieren. Doch ausgerechnet Gomez setzte 13 Minuten nach seiner Einwechslung den Ball aus fünf Metern links neben das Gehäuse von Dortmunds Ersatzkeeper Dennis Gentenaar. Zudem versagten dem insgesamt schwachen Tomasson nach einer hervorragenden Gomez-Flanke drei Meter vor dem leeren Tor die Nerven (72.). Vier Minuten hatte der Dortmunder Verteidiger Christian Wörns die Führung auf dem Fuß, traf jedoch nur die Latte.

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