WM-Spektakel in der Stadtmitte

Erstellt: 29. Januar 2010, 00:00 Uhr
WM-Spektakel in der Stadtmitte Endspielstimmung auf dem Kelterplatz: Deutsche Fans bangen 2008 bei einer Veranstaltung der MGV-Chöre mit der Nationalmannschaft im EM-Finale gegen Spanien. Archivfoto: Tilo Keller

Attraktion an 22 Tagen: Jürgen F. Heinz und Bernd Huber planen Übertragung unter freiem Himmel.

Wenn die deutsche Elf bei der Fußball-WM in Südafrika auf Torejagd geht, sollen die Fans in der Mühlacker Innenstadt live mitfiebern: Ein Veranstalter-Duo plant die Übertragung von 39 Spielen auf dem Kelterplatz.

Von Thomas Sadler

Mühlacker. Die Knittlinger Firma PJH Veranstaltungen von Jürgen F. Heinz hat bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor vier Jahren einen Teil der Spiele übertragen, damals allerdings nicht im Freien, sondern im Mühlehof. Während der WM in Südafrika soll das anders werden.

 Übertragungen unter freiem Himmel ziehen mehr Menschen an. Deshalb möchten PJH und die Illinger Firma fresh events von Bernd Huber, Betreiber der Kloinen Kelter, vom 11. Juni bis zum 11. Juli die spannenden Begegnungen auf einer Leinwand vor dem Mühlehof zeigen. „Es werden ausreichend Sitz- und Stehplätze zur Verfügung stehen, sodass wir speziell bei den Deutschland-Spielen auch für einen größeren Andrang gewappnet sind“, versprechen Heinz und Huber. Sie wollen aber nicht nur sämtliche Spiele mit deutscher Beteiligung präsentieren, sondern auch alle italienischen und spanischen Vorrundenspiele. Ab dem Achtelfinale werden alle Matches gezeigt – an 22 Tagen sollen die Fußballanhänger bei Party-Atmosphäre in den Genuss von 39 der 64 Spiele kommen.

 Für die Bewirtung des Publikums sorgen Bernd Huber und sein Team. Auch an Unterhaltung am Rande der WM-Spiele ist gedacht: „Wir machen Torwand- und Kickerspiele, dazu gibt es Stände für Fanartikel“, kündigt Jürgen F. Heinz an. Der Wochenmarkt könne dennoch stattfinden.

 „Wir wollen ein Event bieten,
das es in Mühlacker
noch nicht gegeben hat“
Veranstalter Jürgen F. Heinz

 „Ein Ereignis für Mühlacker“ möchte Heinz zusammen mit Bernd Huber auf die Beine stellen. „Wir wollen ein Event bieten, das es in Mühlacker noch nicht gegeben hat.“ Wenn das Spektakel, bei dem ein privater Sicherheitsdienst für Ordnung sorgen soll, Fußballfreunde aus dem Umland anziehe, profitiere davon die örtliche Gastronomie, meint Initiator Heinz. Mit dem Ziel, dass die Zuschauer ihre Autos gratis abstellen können, verhandeln die Organisatoren mit der Firma Echo über ein kostenfreies Parken in der Tiefgarage.

 Das Public Viewing, für das kein Eintritt verlangt wird, hat seinen Preis: Mit Gesamtkosten von knapp 51891 Euro rechnet Heinz. Geht es nach Heinz und Huber, sollte die Stadt Leistungen mit einem Aufwand von knapp 12000 Euro übernehmen.

 Doch so großzügig will sich die finanziell klamme Kommune nicht zeigen. Oberbürgermeister Frank Schneider und Wirtschaftsbeauftragte Anette Leitner empfehlen zwar dem zuständigen Gemeinderatsausschuss, die attraktive Veranstaltung zu genehmigen, doch solle die Stadt als Sponsor außen vor bleiben. Auch Gebührenbefreiungen möchte Schneider „aus Gründen der Gleichbehandlung“ nicht gewähren.

 Der Vorschlag der Rathausspitze: Sofern die Veranstaltung auf ein Defizit zusteuere, biete die Stadt Infrastrukturleistungen des Bauhofs mit einem geschätzten Aufwand von 5500 Euro an. Dazu zählen der Auf- und Abbau des städtischen Toilettenwagens, die Reinigung des Platzes und die Leerung der Papierkörbe sowie der Auf- und Abbau von sechs Markthütten und Absperrgittern. Im Gegenzug spricht sich die Verwaltung jedoch dagegen aus, dass die Kommune die Müllentsorgung, die Reinigung des Toilettenwagens und die Anmietung der Absperrgitter übernimmt.

 Gesetzt den Fall, die Stadträte gäben dem Einsatz des Bauhofs grünes Licht, blieben immer noch mehr als 46000 Euro an Kosten übrig, rechnet Heinz vor. Die Veranstalter selbst seien bereit, „mit 5000 Euro ins Risiko zu gegen“ – blieben also noch etwas mehr als 41000 Euro. Würde die Stadt Heinz’ Wunsch erfüllen, unentgeltlich einen Toilettenwagen zur Verfügung zu stellen, blieben noch ungefähr 39000 Euro, die über Sponsorengelder finanziert werden müssten. Die Suche nach Unterstützern ist bereits angelaufen: „Im Moment haben wir Zusagen in Höhe von rund 18000 Euro“, bilanziert Heinz.

 Die Veranstalter hoffen nun auf das Wohlwollen der Stadt. Komme nicht genug Geld zusammen, kündigt Heinz offen an, könnten die Pläne für eine wochenlange Fußball-Freiluftgaudi in der Stadtmitte noch platzen. Um die Gunst der Entscheidungsträger zu gewinnen, führt er derzeit Gespräche mit den Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen.

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