Wir schauen hinter die Zeugnisnoten

Erstellt: 30. August 2007, 00:00 Uhr
Wir schauen hinter die Zeugnisnoten Ausbildungsleiter Francisco Hidalgo schaut Daniel Graf über die Schulter. Fotos: Goertz

Fachkräftemangel ist für MDS Abele kein Thema – Ausbilden statt Wehklagen – Chance für schwächere Schüler

Mühlacker – Während viele mittelständische Unternehmen über Fachkräftemangel und die Qualität der Bewerber für Lehrstellen klagen, geht MDS Abele andere Wege. „Das Zeugnis bei Bewerbungen ist nicht alles. Wir schauen auch hinter die Noten“, sagt Werner Abele von der Geschäftsleitung.

VON FRANK GOERTZ

Werner Abele kennt die Sorgen seiner Kollegen: „Viele Gießereien haben zu spät auf den sich anbahnenden Fachkräftemangel reagiert. Die wenigsten wollten ausbilden und Verantwortung übernehmen.“ MDS Abele hingegen bilde in Mühlacker seit vielen Jahren selbst aus und fahre gut damit. „Viele Jugendliche engagieren sich unwahrscheinlich“, berichtet der Unternehmer, dass seine Auszubildenden oft eine Entwicklung durchmachen, die andere Betriebe den Jugendlichen vielleicht nicht zugetraut haben.

 „Bei vielen größeren Betrieben gibt es ein Raster. Alles mit einem Notenschnitt über 2,0 wird aussortiert. Das sind 90 Prozent“, weiß Werner Abele. Natürlich würde bei MDS Abele auch auf die Noten geschaut, aber mindestens genauso sehr auf die Persönlichkeit. Wobei diese Motivation nicht selbstlos ist. „Wir sind keine Sozialauffangstation“, betont Abele. „Auch wir wollen vorankommen.“ Das gehe auch, indem man junge Menschen fördert und fordert, statt sie durchs Bewerbungsraster fallen zu lassen. So mancher eher schwache Schüler hat sich bei MDS Abele schon zum ganz starken Mitarbeiter entwickelt.

 Ein Beispiel ist Daniel Graf, der über seinen Abschluss auf der Mörike-Realschule nur soviel verrät: „Ich war nicht der Klassenbeste.“ Jetzt hat er auf der Berufsschule einen Notenschnitt von 1,6. Das ist auch ein Verdienst von Ausbildungsleiter Francisco Hidalgo. Vor Berufsschulprüfungen setzt er sich mit den Azubis zusammen und lernt mit ihnen gemeinsam. Das schweißt zusammen. „Die Jungs haben ein tolles Sozialverhalten“, schwärmt Hidalgo. „Viele hatten in der Schule Probleme, machen in der Ausbildung aber Riesensprünge, weil sie kapieren, dass sie hier eine echte Chance bekommen.“ Von seinem Engagement bekommt Hidalgo auch einiges zurück. „Das Betriebsklima ist sehr gut“, freut sich Daniel Graf. In seiner Berufsschulklasse würden auch Auzubildende sitzen, die bei Großkonzernen lernen. „Die berichten immer wieder von Problemen im zwischenmenschlichen Bereich“, so Graf. Da habe er es besser. Und: „Meine Ausbildung steht der bei großen Unternehmen in nichts nach.“

 Noch ein Vorteil hat der angehende Gießereimechaniker: Er steht nach der Ausbildung nicht auf der Straße. „Wir haben bis jetzt alle unsere Auszubildenden übernommen“, so Werner Abele. „Unser Umsatz wächst und damit auch unser Personalbedarf.“

 Roland Zimmermann allerdings wird MDS Abele bald verlassen. Der 23-Jährige hat seine kaufmännische Ausbildung als Jahrgangsbester abgeschlossen und will nach einem Auslandsaufenthalt ein Studium starten: Wirtschaftsingenieurwesen, die Schnittstelle zwischen dem kaufmännischen und dem gewerblichen Bereich. Dass bei Zimmermann dieses Interesse geweckt wurde, ist MDS Abele zu verdanken. Die Lehrlinge dürfen nicht nur, sie sollen auch in andere Abteilungen schnuppern. So hat der kaufmännische Auszubildende auch schon in der Stanzerei sowie in der Bearbeitung seinen Mann gestanden. „Hier habe ich Kenntnisse bekommen, die über den kaufmännischen Bereich hinausgehen. Danach sieht man die Dinge etwas anders“, so Zimmermann, der angehende Wirtschaftsingenieur.

 Auf interdisziplinäre Ausbildung legt Werner Abele großen Wert. Er schickt seine Auszubildenden unter anderem nach Homburg zu einem Sozial- und Präsentationstraining. Hinzu kommen Abstecher zur Weiterbildung bei Gießmaschinenherstellern. Eine Investition, die sich auszahlt.

 Zu den rund 180 Mitarbeitern gehören derzeit 17 Auszubildende. Damit erfüllt das mittelständische Mühlacker Unternehmen jede geforderte Ausbildungsquote locker. Dem Fachkräftemangel wird durch eigene Ausbildung entgegengewirkt. Auch über die Nachfrage nach Ausbildungsstellen muss sich Abele nicht beklagen: „Wir bekommen pro Ausbildungsplatz im Schnitt zwischen 80 und 120 Bewerbungen.“ Hinzu kämen immer wieder Nachfragen von Schulen oder dem Arbeitsamt, ob der eine oder andere auf dem (Zeugnis-)Papier schwächere Schüler nicht eine Chance bekommen könnte. Er bekommt zumindest die Chance, dass die Geschäftsführung sich die Bewerbung genau ansieht und auch auf die Persönlichkeit hinter den Noten achtet.

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