Wir müssen unsere Kraft bündeln

Erstellt: 11. Oktober 2010, 00:00 Uhr
Wir müssen unsere Kraft bündeln AbL-Geschäftsführer Jochen Fritz, Wolfram Golderer, Wilfried Förster, Herbert Ernst und Matthias John (v. li.) engagieren sich in der Regionalgruppe für die Interessen der Landwirte. Foto: Hansen

Landwirte der neu gegründeten AbL-Regionalgruppe werben für faire Preise

Von Isabel Hansen

Maulbronn-Zaisersweiher. Die EU-Agrarpolitik ist mitverantwortlich für das Höfesterben in Deutschland – findet zumindest Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, der von 1984 bis 1987 und 1989 bis 2009 für die Grünen im EU-Parlament saß. „Seit 1984 sind zwei Drittel aller Milcherzeuger verschwunden“, berichtete der gelernte Landwirtschaftsmeister beim ersten agrarpolitischen Frühschoppen des neu gegründeten regionalen Ablegers Kraichgau-Nordschwarzwald der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) auf dem Schülenswaldhof.

 Subventionen hätten nur Rationalisierung, Technisierung und damit die industrielle Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse gefördert, nicht aber die bäuerlichen Betriebe, kritisierte zu Baringdorf als Bundesvorsitzender der bäuerlichen Arbeitsgemeinschaft das Interventionsinstrument von Butterbergen und Milchseen, das eine Preisspirale nach unten in Gang gesetzt hätte. „Erst wurden Überproduktionen von Milch und Butter zu immer niedrigeren Preisen aufgekauft. Sobald sich eine Preiserholung abzeichnete, wurde der Markt mit Milch und Butter überschwemmt, und die Preise gingen wieder in den Keller. Bei uns im Norden waren das zuletzt für die Milchbauern 18 Cent pro Liter“, berichtete der Bauer aus Spenge. Preise, bei denen der Wegfall der Milchquote dazu führen könnte, dass Milch knapp wird. „Dann geht das Futter nicht erst durch die Kuh und dann in die Biogasanlage, sondern die Biogasanlage wird direkt gefüttert, weil sich das Melken nicht mehr lohnt.“ Aussichten, die den Milchbauern gleichzeitig eine Chance böten, ihre Marktmacht auszubauen. „Dass 40 Cent ein angemessener Preis sind, da sind wir uns einig. Um wahrgenommen zu werden, müssen wir unsere Kraft bündeln und gemeinsam als Erzeuger auftreten“, appellierte zu Baringdorf an über 50 Zuhörer.

 Ein Rat, den Wilfried Förster vom Schülenswaldhof bereits beherzigt hat. Der von Politik und Bauernverband enttäuschte Landwirt hat gemeinsam mit Herbert Ernst aus Kraichtal-Gochsheim, Matthias John aus Bauschlott und Uta und Wolfram Golderer von der gleichnamigen Pforzheimer Schäferei die AbL-Regionalgruppe Nordschwarzwald-Kraichgau mit derzeit rund 30 Mitgliedern ins Leben gerufen. „Wir hoffen natürlich auf weitere Mitglieder“, hatte Förster nicht nur Landwirte im Blick. Anliegen wie faire Preise, der nachhaltige Umgang mit der Fläche statt Mono-Kulturen sowie ein Nein zur Gentechnik oder zu Patenten auf Lebensmittel seien schließlich auch gesellschaftliche Themen.

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