Wir haben uns in eine Euphorie gespielt

Erstellt: 30. Juni 2006, 00:00 Uhr
Wir haben uns in eine Euphorie gespielt Wird es heute in der Bahnhofstraße wieder einen deutschen Autokorso geben? Die Zuversicht der regionalen Fußballexperten ist jedenfalls groß. Foto: Keller

Stürmer, Torhüter, Trainer und Schiedsrichter jubeln: In der Region ist die Begeisterung über die Klinsmänner groß

Bisher läuft die Weltmeisterschaft für die deutsche Nationalelf rund. Klose ist eine feste Bank, Poldi trifft auch wieder und Ballack sorgt für Ordnung im Spiel der Mannschaft. Kein Wunder, dass in Deutschland der Ausnahmezustand herrscht. Der kollektiven Jubelstimmung kann und will sich keiner entziehen. Auch die Fußballer in der Region sind im WM-Rausch. Wie beurteilen sie die bisherige Leistung der Klinsmänner? Und wie wird das Hammerspiel gegen Argentinien ausgehen?

VON MAIK DISSELHOFF

Daniel Fuchs, Stürmer beim Kreisligisten TSV Maulbronn, ist begeistert vom deutschen Sturm. „Die spielen zurzeit beide hervorragend. Und Podolski ist jetzt auch aufgewacht.“ Michael Ballack werde heute gegen die Argentinier sein erstes Tor schießen. Davon ist Fuchs überzeugt. „Der hätte es auch verdient, denn er hat bis jetzt viel organisiert und geleistet.“ Das Eröffnungsspiel hat Fuchs in Hamburg miterlebt. So schnell wird er das Fanfest nicht vergessen. „Da waren ungefähr 80000 Leute – das war wirklich genial“ Heute wird er die Deutschen zusammen mit seinem ehemaligen Maulbronner Trainer Uli Stengel anfeuern. „Einige Spiele habe ich aber auch daheim in der Garage mit dem Videobeamer und der Familie gesehen.“ Vergleichen könne man sich natürlich nicht mit den nationalen Sturmgrößen, aber: „Wenn ich in der nächsten Saison so drauf wäre wie der Klose, das wäre schon nicht schlecht“, sagt Fuchs mit einem Lachen.

„Klinsmann puscht die Mannschaft richtig“

„Ich war schon immer überzeugt, dass diese Nationalmannschaft was bewegt“, betont Eckhart Streckfuß. Zurzeit ist der Sternenfelser hauptberuflicher WM-Fan. Im normalen Leben teilt er für die Schiedsrichtergruppe Vaihingen die Unparteiischen ein. Streckfuß ist sehr angetan davon, wie sich die Deutschen beim Turnier präsentieren. Und dabei spart er nicht mit Lob für den Bundestrainer, der allein schon deswegen gut sei, „weil er ein Schwabe ist“. Klinsmann habe die Mannschaft richtig gepuscht.

 Wenn Ballack und sein Team am Ball sind, taucht Streckfuß in den Untergrund ab – „zu meinen Schwiegersohn, der unter mir wohnt“. Der hat nämlich eine Großbildleinwand. Da wird dann mit der Familie geschaut. „Für Jubelstimmung ist also auf jeden Fall gesorgt“, so Streckfuß. Und der bisherige Turnierverlauf gibt schließlich auch Anlass, zu feiern. „Von Lahm und Frings, das waren schon Traumtore“, meint der Sternenfelser und fügt hinzu: „Was jetzt abgeht in Deutschland, das ist hervorragend.“ Endlich zeige die Nation, dass sie aus sich herausgehen und feiern könne.

 Und was den Schiedsrichter noch freut: „Die WM ist bis auf zwei, drei Ausrutscher bis jetzt fair verlaufen.“ Und von den Schiedsrichterleistungen sei er angetan. Lediglich im Spiel Portugal gegen die Niederlande hätte eine Rote Karte beim Foul gegen Ronaldo gut getan. „Dann hätte er vielleicht eher seine Ruhe gehabt.“ Gegen Argentinien gewinne man heute mit 3:2, tippt Streckfuß. „Die Besserwisser können übrigens daheim bleiben, auch wenn wir ausscheiden.“

 Martin Weeber, Trainer des TSV Großglattbach, hat sich von der euphorischen Stimmung im Land anstecken lassen. Er hat auch keine Wahl, schließlich hat er drei fußballverrückte Kinder, die bei jedem Spiel der deutschen Elf vor dem Fernseher mitfiebern – natürlich ausgestattet mit Fahne und Trikot. Zur Begeisterung der Deutschen meint er: „Endlich zeigen wir mal ein bisschen Nationalstolz. Wir sollten öfter dazu stehen und stolz auf unser freies Land sein.“ Hinsichtlich des Teams stellt der Großglattbacher fest: „Wir haben uns in eine Euphorie gespielt – das ist super. Und die Mannschaft ist intakt.“ Der 41-Jährige gibt allerdings zu bedenken, dass die Gegner der Vorrunde auch nicht gerade stark gewesen seien.

 Das Duo Klinsmann-Löw gefällt dem Großglattbacher Trainer. „Ich fände es schade, wenn Klinsmann nach der WM wieder aufhört, denn schließlich hat er den richtigen Weg eingeschlagen.“ Heute setzt der 41-Jährige auf Michael Ballack. Der Grund: „Der ist jetzt richtig heiß auf sein erstes WM-Tor.“ Weeber schätzt, dass die Partie mit 2:1 für Deutschland endet.

„Heute kriegt Lehmann einen“

Michael Griesinger, der seit einer Saison beim TSV Ötisheim im Tor steht, schaut bei der WM natürlich besonders den Männern im Tor auf die Finger. Der größte Patzer, den ein Tormann bisher zugelassen habe, gehe auf das Konto des ecuadorianischen Keepers: „Beckhams Freistoß war wirklich haltbar.“ Griesinger macht keinen Hehl daraus, dass er ein Lehmann-Befürworter ist. „Er spielt besser mit und unterstützt die Abwehr mehr.“

 Der Ötisheimer Torwart hofft, dass sich Lehmann gegen die Argentinier heute bezahlt macht. Obwohl er an den Keeper glaubt, schätzt Griesinger, dass der Nationaltorwart heute „einen kriegt“. Trotzdem: „Deutschland gewinnt 3:1.“

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