Wildschweine verwüsten Landschaft

Erstellt: 29. November 2007, 00:00 Uhr
Wildschweine verwüsten Landschaft Echte „Sauerei“: Wildschweine machen aus Wiesen im Enzberger Burgfeld aufgewühlte Äcker. Foto: Sadler

In Enzberg fallen Schwarzkitteln Wiesen und Äcker zum Opfer – Treib- oder Drückjagd nicht überall möglich

Mühlacker-Enzberg – Wildschweine hinterlassen auf der Enzberger Gemarkung eine Spur der Verwüstung. „Sie müssen massiv bejagt werden“, fordert deshalb Theo Bellon, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Enzkreis. Treib- oder Drückjagden sind laut Jagdpächter allerdings nicht auf jedem Gelände durchführbar.

VON THOMAS SADLER

Wo sich Wildschweine tummeln, richten sie – passenderweise – eine echte Sauerei an. Einer der Leidtragenden ist der Enzberger Helmut Henschke. Verärgert deutet er auf sein Grundstück, eine etwa 20 Ar große Fläche mit Obstbäumen im Gewann Burgfeld. Was eigentlich eine Wiese sein sollte, gleicht derzeit einem umgepflügten Acker. Von Gras ist kaum mehr etwas zu erkennen. Ungefähr die Hälfte des Areals sei von Wildschweinen verwüstet worden, schätzt er. Die Nachbargrundstücke sehen nicht anders aus, und auch der Trampelpfad zwischen Teerweg und Wald ist als solcher nicht wiederzuerkennen Überall haben die Schwarzkittel, wie die Tiere in der Jägersprache heißen, bei der Suche nach Würmern, Schnecken und Engerlingen als Nahrungsergänzung zu Eicheln ihre Spuren hinterlassen.

 Seit Jahren tauchten hier Wildsauen im November und Dezember auf, berichtet Helmut Henschke. In diesem Jahr seien sie schon im August gekommen. „Das sind nicht nur ein paar Tiere, das muss eine ganze Horde sein“, vermutet der 68-Jährige. Früher hat er seine aufgewühlte Wiese wieder eingeebnet, doch das hat er inzwischen aufgegeben. Angesichts der extremen Verwüstung sei dies sinnlos. Zwar habe der Jagdpächter alte, mit strengen Geruchsmitteln präparierte Hemden an seinem Grundstück aufgehängt, doch die gewünschte Abschreckung werde offensichtlich nicht erreicht. Henschke möchte den Jägern keinen Vorwurf machen, allerdings appelliert er an die Waidmänner: „Da müssen mal, wie kürzlich in Knittlingen, 30 Wildschweine geschossen werden.“

 Ins gleiche Horn stößt Theo Bellon, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Enzkreis und Ortsobmann in Enzberg. Wegen des immensen Schadens, den die Wildschweine zurücklassen, müssten sie kräftig aufs Korn genommen werden. Damit eine Kontrolle möglich sei, sollten die Jäger Abschusszahlen vorlegen.

 Dahin, wo die Tiere auf der Suche nach Nahrungsmitteln, die ihnen tierisches Eiweiß liefern, fündig würden, kehrten sie immer wieder zurück, weiß Bellon. „Wenn man die Leitbache, die sozusagen die Rottenführerin ist, erwischt, hat man eine Weile Ruhe“, meint er. Noch vor ein paar Jahren seien im Burgfeld keine Wildschweine vorgekommen. Mittlerweile steige ihre Zahl – nicht zuletzt, weil dieser Bereich der Enzberger Gemarkung mit seinen aufgelassenen Wengerten „ein echtes Dorado und Biotop“ für die Sauen sei.

 Wenn die Wildschweine die Sau rauslassen, sind keineswegs nur Wiesen betroffen, sondern auch wertvolle Mais- und Getreideäcker, bedauert Bellon.

 Der Enzberger Jagdpächter Gerhard Ruhl hat durchaus Verständnis für die Anliegen der Grundstückseigentümer. „Einen so großen Wildschaden und so viele Wildschweine wie in diesem Jahr hatten wir in Enzberg noch nie“, sagt der erfahrene Jäger. „Wir bemühen uns“, versichert er. fügt aber hinzu: Gerade im Burgfeld sei eine Treib- oder Drückjagd aufgrund des unwegbaren Geländes nicht durchführbar. Was nicht heißt, dass es den ungebetenen Gästen nicht an den Kragen geht. Zehn Schwarzkittel habe er in Enzberg in diesem Jahr schon geschossen, allein in den letzten Tagen drei im Burgfeld, berichtet Ruhl. Die Wiese von Helmut Henschke habe er in den letzten Monaten zusammen mit einem Jäger schon dreimal hergerichtet. Grundsätzlich gelte, zitiert Ruhl das betreffende Gesetz, dass „bei Streuobstwiesen und Grundstücken, die nur mit dem Rasenmäher gemäht werden, Wildschäden nicht durch den Jagdpächter zu ersetzen seien.

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