Wiernsheim will Bürgerbus einführen

Erstellt: 29. August 2008, 00:00 Uhr
Wiernsheim will Bürgerbus einführen Vorreiter: Salach war die erste Gemeinde im Land, die einen Bürgerbus einsetzt. Foto: p

Alternative ist ein Bürgertaxi – Delegation der Plattengemeinde informiert sich in Vorreiter-Kommune Salach.

Wiernsheim – Wiernsheim möchte in der Verkehrspolitik einen im Enzkreis neuen Weg beschreiten und in Zukunft innerhalb der Gemeinde einen Bürgerbus oder ein Bürgertaxi einsetzen. Das hat Bürgermeister Karlheinz Oehler bei der Vorstellung des Mobilitätskonzepts im Gemeinderat angekündigt. Die Vorbereitungen des Vorhabens laufen bereits auf Hochtouren.

VON THOMAS SADLER

Verkehrsexperte Dr. Ralf Determeyer präsentierte im Rathaus ein „Grobkonzept für stadt- und umweltfreundliche Mobilität in Wiernsheim“. Einer seiner zahlreichen Vorschläge zielt auf die Einführung von Bürgerbussen, mit denen vor allem ältere Einwohner zum Einkaufen fahren können, die aber auch sämtliche Teilorte an die Gewerbegebiete von Wiernsheim und Pinache anbinden und als „Firmen-Shuttle“ fungieren könnten.

 Für Bürgermeister Karlheinz Oehler ist dieser Vorschlag nichts Neues; er beschäftige sich, wie er in der Gemeinderatssitzung sagte, schon seit Längerem mit dieser Idee. „Allerdings müssen wir überlegen, wo wir Fahrer und Fahrzeuge herkriegen“, meinte er. Anregungen holten er, sein Hauptamtsleiter Markus Motschenbacher und eine Delegation des Rates sich gestern bei einem längeren Informationsbesuch in Salach im Kreis Göppingen.

 Diese rund 8000 Einwohner zählende Kommune führte vor fünf Jahren als erste Gemeinde in Baden-Württemberg einen Bürgerbus ein, wie Dr. Harry Dobeschinsky, Geschäftsführer des Bürgerbusvereins, im Gespräch mit dem Mühlacker Tagblatt sagt. „Wir betreiben öffentlichen Personennahverkehr innerhalb der Gemeinde und haben eine Konzession“, umreißt er die Tätigkeit des Vereins. Circa 30 Männer und Frauen, die alle im Besitz des Personenbeförderungsscheins seien, arbeiteten ehrenamtlich als Chauffeure. „Da sind Rentner und Studenten ebenso darunter wie Hausfrauen und eine Schulrektorin.“ Die Fahrer sind, abhängig davon, ob sie berufstätig sind, unterschiedlich häufig im Einsatz. Für ein umfassendes Fahrplanangebot ist auf jeden Fall gesorgt: Der Bürgerbus, ein umgebauter Fiat-Kleinbus mit Automatiktür, ist montags bis samstags im Stundentakt unterwegs.

 Das Angebot, sagt Dobeschinsky, nutzten gerade Senioren, die dank des zusätzlichen konzessionierten Linienverkehrs in Salach problemlos zu Geschäften oder zum Arzt kommen – mittels eines bequemen Transportes in einem Bus, der Platz für acht Fahrgäste bietet. „Wir können in Wohngebieten auch in kleinere Sträßchen reinfahren, in die ein normaler Bus nicht reinkommt, weil es zu eng ist“, bemerkt der Geschäftsführer des Vereins.

 40 Haltestellen fährt der Bürgerbus an, dessen Fahrgastzahl sich mittlerweile bei etwa 7000 pro Jahr eingependelt hat. „Das entwickelt sich wirklich gut. Wir sind sehr zufrieden.“

 Als Pionier kam die Gemeinde Salach auch noch in den Genuss einer großzügigen Förderung. Weil das Vorhaben bei seinem Start ein Modellprojekt gewesen sei, freut sich Harry Dobeschinsky noch heute, habe das Land den damals rund 46000 Euro teuren Kleinbus voll bezahlt.

 So viel Glück dürfte Wiernsheim wohl nicht beschieden sein. Inzwischen übernehme das Land lediglich ein Drittel der Anschaffungskosten, teilt der Vereinsmanager im Gespräch mit dem MT mit.

 Gestern Nachmittag informierte er die Gäste der Plattengemeinde über die Erfahrungen mit dem Bürgerbus. Allerdings hat sich die Wiernsheimer Verwaltung, die derzeit im Gespräch mit VPE und Landratsamt Enzkreis ist, noch nicht entschieden, ob es auf einen Bus oder ein Taxi hinauslaufen wird. „Wir haben mehrere Modelle im Auge“, sagte Hauptamtsleiter Motschenbacher, der mit seinem Chef Oehler federführend in der Sache tätig ist.

 Auf jeden Fall solle das ins Auge gefasste Angebot „keine Konkurrenz zum öffentlichen Personennahverkehr sein, sondern eine Ergänzung“ und ein „Service für die Bürger“ mit Fahrt- und Halteangeboten innerhalb des Kernorts und der verschiedenen Teilorte. Möglicherweise werde dadurch überdies das Verkehrsaufkommen in den Straßen etwas reduziert, weist der Amtsleiter auf einen weiteren Vorteil hin.

 Bevor die Weichen gestellt werden könnten, seien noch etliche Fragen zu klären – zum Beispiel, ob die Gemeinde oder ein Bus- beziehungsweise Taxiunternehmen das Bürgerfahrzeug anschaffen wird. „Konkret ist noch gar nichts“, stellt Markus Motschenbacher fest. Bis Bus oder Taxi – als Novum im Enzkreis – auch auf der Platte eingeführt werde, würden voraussichtlich noch „Monate“ vergehen.

 Klar sei indes schon heute: Wiernsheim strebe ein eigenes, seinen Bedürfnissen entsprechendes Modell an und nicht eine Kopie des Salacher Projekts.

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