Wiener Klänge und Wiener Charme

Erstellt: 20. Oktober 2008, 00:00 Uhr
Wiener Klänge und Wiener Charme Kammersänger Heinz Holecek.

Festkonzert anlässlich der Jahresveranstaltung der Gottlob-Frick-Gesellschaft – Kammersänger setzen Glanzpunkte

Wien zu Gast“ lautete das Motto des Festkonzerts anlässlich der Jahresveranstaltung der Gottlob-Frick-Gesellschaft, das am Samstagnachmittag im Mühlehof zu hören war. Der aus Wien angereiste Moderator des Programms, Professor Dr. Peter Dusek, der im vorausgegangenen Festakt mit der Gottlob-Frick-Medaille in Gold ausgezeichnet worden war, hatte das abwechslungsreiche Programm selbst zusammengestellt.

 Auszüge aus den Mozart-Opern „Figaros Hochzeit“, „Don Giovanni“ und „Die Zauberflöte“ wurden im ersten Teil dargeboten. Unter der Leitung von Peter Braschkat musizierte das Heilbronner Sinfonieorchester die Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“ lebendig und spritzig elegant.

 Zwei Gesangssolisten von der Wiener Staatsoper hatte Peter Dusek ebenfalls mitgebracht, die junge dänische Sopranistin Lisa Tjalve sowie den ebenfalls noch jungen Bariton Erwin Belakowitsch, der kurzfristig für den ursprünglich vorgesehenen, plötzlich erkrankten Bassbariton Thomas Tatzl eingesprungen war. Lisa Tjalve erfreute die Besucher des Konzerts im voll besetzten Gottlob-Frick-Saal des Mühlehofes mit ihrem sehr hellen, überaus geschmeidigen Sopran, während die Stimme von Erwin Belakowitsch eher etwas schlank zu vernehmen war. Der warme Grundton eines Bariton kam nicht zur Geltung, als er die Arie des Figaro „Nun vergiss leises Flehen“ ausführte. Im Duett „Reich mir die Hand zum Leben“ aus „Don Giovanni“ mit Lisa Tjalve klang der junge Bariton dagegen überzeugender. Im Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus „Die Zauberflöte“ war dies ähnlich. Die Sopranistin gestaltete die Arien aus den drei Mozartopern einfühlsam, wobei eins ums andere Mal die Schwerelosigkeit ihrer Stimmenführung beglückend zum Ausdruck kam.

 In die bunte Welt der Wiener Operette wurden die Besucher des Konzerts im zweiten Teil entführt. Mit der melodienreichen Ouvertüre „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“ von Franz von Suppé profilierte sich erneut das Heilbronner Sinfonieorchester unter der Leitung von Peter Braschkat, das, wie Peter Dusek hervor hob, im nächsten Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiern kann, mit leichtem aber akzentreichen Spiel. Geboten wurden von Lisa Tjalve und Erwin Belakowitsch bekannte Lieder und Duette aus „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár, „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß und „Frühjahrsparade“ von Robert Stolz.

 Doch die herausragenden Glanzpunkte in diesem Teil des Festkonzerts der Frick-Gesellschaft waren die Auftritte sowohl der Kammersängerin Renate Holm (Sopran) als auch ihres Kollegen Heinz Holecek (Bariton), der wie sie viele Jahrzehnte dem Ensemble der Wiener Staatsoper angehörte. Der Sopran von Renate Holm hat noch immer diese geschmeidigen Höhen und die brillante Leichtigkeit. Sie sang das Lied „Oft genügt ein Gläschen Sekt“ von Robert Stolz. Das launig-besinnliche „Fiakerlied“ von Gustav Pick trug Heinz Holecek mit Eleganz und Charme vor. Sie erhielten von den Zuhörern im Saal begeisterten, lang anhaltenden Applaus.

 Mit feinsinnigem Wiener Humor würzte Peter Dusek seine Moderation des Konzertprogramms. Er beschränkte sich nicht einfach nur darauf, die Titel anzusagen, er wusste auch manches Schmankerl aus dem Wiener Opernleben zu berichten. Vor allem aber konnte er aus jedem Jahr, in dem eines der im Programm angekündigten Werke uraufgeführt wurde, eine fast schon tröstliche Botschaft übermitteln: Bankpleiten, Zusammenbrüche von Firmen und Institutionen gab es auch damals im 18. und 19. Jahrhundert, erst recht im frühen 20. Jahrhundert. Hinzu kam in den früheren Jahrhunderten noch die Sorge vor dem Ausbruch eines Krieges zwischen den von selbstherrlichen gekrönten Häuptern beherrschten Ländern in Europa. Doch die Potentaten sind längst vergessen, die Musik, die in jenen Zeiten entstand, lebt noch heute, wie das Festkonzert am Samstagabend bewies.

Rudolf Wesner

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