Wiege der Landes-SPD steht in Knittlingen

Erstellt: 29. November 2010, 00:00 Uhr
Wiege der Landes-SPD steht in Knittlingen SPD-Ortvorsitzender Martin Blanc, Timo Steinhilper, Peter Friedrich, Thomas Knapp. Foto: Appich

Vor 65 Jahren ist der Landesverband Baden-Württemberg in der Fauststadt gegründet worden – Feier zum Jubiläum.

Von Rainer Appich

Knittlingen. An die Wiederauferstehung der baden-württembergischen Sozialdemokratie nach dem Zweiten Weltkrieg ist am Freitag im evangelischen Gemeindehaus erinnert worden. Auf den Tag genau vor 65 Jahre ist der SPD-Landesverband Württemberg-Baden in der Kanne-Post in Knittlingen gegründet worden. Aus diesem Anlass luden Ortsverein und Kreisverband zu einer kleinen Feier ein, um an die Männer und Frauen der ersten Stunde zu erinnern, um die politische Gegenwart zu beleuchten und den Blick in Zukunft zu richten.

 Warum sich die Sozialdemokraten ausgerechnet ein Lokal in der Kleinstadt Knittlingen für ihre Neugründung aussuchten, ergründeten Kreisvorsitzender Timo Steinhilper und der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Knapp. Die Großstädte lagen 1945 in Schutt und Asche und die Lebensmittelversorgung war mehr als ärmlich. „Auf dem Land dagegen war die Infrastruktur noch halbwegs erhalten“, sagte Steinhilper, dessen Großvater als „junger Spund“ die SPD-Gründung in der Kanne-Post miterlebte. Ein weiterer Grund war wohl auch die Lage von Knittlingen an der „Schweißnaht“ der beiden Landesteile. Überliefert sei, so Knapp, dass der frühere SPD-Reichstagsabgeordnete und spätere Innenminister Fritz Ulrich zu den Gründerväter gehörte. Ulrich war es auch, der die Willkürherrschaft des NS-Regimes gegenüber dem politischen Gegner am eigenen Leib zu spüren bekam. Thomas Knapp: „Er wurde 1933 aus einer Sitzung des Reichstags heraus verhaftet“. Der energiepolitische Sprecher der SPD im Landtag erinnerte an Ulrichs Leistungen in dessen Amtszeit als Innenminister von Baden-Württemberg.

  Es gelte, die historischen Leistungen der SPD für die Demokratie hochzuhalten und daran zu erinnern, sagte der Gastredner des Abends, Peter Friedrich. Energisch widersprach er Aussagen, wonach lange Entscheidungsprozesse die Entwicklung hemmten und das Ringen um Mehrheiten wachstumsfeindlich sei. Dagegen forderte der Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär der Landes-SPD mehr Transparenz, mehr Bürgerbeteiligung. Die Menschen seien die „entleerte Demokratie“ von oben herab leid. „Eine Regelung des Kapitalismus“, so Friedrich, war die Aufgabe der SPD bei ihrer Gründung im 19. Jahrhundert. „Heute sind wir in einer ähnlichen Situation wie damals.“

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