Wie viel Leben ist zumutbar?

Erstellt: 29. Juni 2007, 00:00 Uhr
Wie viel Leben ist zumutbar? Der Startschuss als Lärmquelle. Foto: p

Konfliktträchtig: Sport-Spektakel im Käppele-Stadion und geplante Seniorenwohnungen

Die Zeiten, in denen Senioren in scheinbar idyllische, in erster Linie aber weit vom Schuss liegende Gegenden abgeschoben wurden, womöglich gleich mit Blick auf den ebenso idyllischen Friedhof, sind zum Glück offenbar vorbei. Gerade ältere Menschen, zitiert der Mühlacker Bau- und Planungsamtsleiter den Chef des Wohnungsbauunternehmens Konzok, hätten gerne das Gefühl, nicht außerhalb, sondern „mittendrin“ zu sein.

 Deshalb würde die Gaggenauer Firma auch gerne einen mit ungefähr 40 betreuten Seniorenwohnungen samt Tiefgarage im Käppele hochziehen – also just auf der Nachbarschaft des Stadions.

 Fragt sich nur, ob das nicht nur sportliche, sondern manchmal auch lautstarke Leben den betagten Mietern der geplanten Wohnanlage nicht ein bisschen zu lebhaft wäre und es zu Konflikten käme.

 Die rechtlichen Vorschriften dazu, was zumutbar ist und was als nicht gestattete Belästigung gilt, muten nicht ganz einfach an. Keine Probleme gibt es, wenn die Sportanlage nachts nicht genutzt wird oder die Kicker nicht zwischen 6 und 8 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr hinter dem Ball herjagen. Indes: Wenn an Sonntagen zwei oder mehr Fußballspiele stattfinden, „darf in der Zeit von 13 bis 15 Uhr kein Spielbetrieb erfolgen“, so das von der Stadt mit einer schalltechnischen Voruntersuchung beauftragte Büro. Fast schon kurios, aber dennoch ebenfalls ein Dorn im Auge beziehungsweise Ohr des Gesetzgebers und potenzieller Anwohner: „Startgeräusche – Schießen mit Starterpistole oder Schlagen von Startklappen – am Ende der nördlichen Geraden der Laufbahn sind nicht möglich.“ Was bedeute, dass nur auf der südlichen Geraden Sprints gestartet werden können, es sei denn die Geräusche in Richtung Altenwohnungen würden durch eine Wand abgeschirmt.

 Andererseits, so Abichts Hinweis, ist nicht immer alles verboten. Insgesamt 18-mal im Jahr – warum gerade genau so oft, weiß vermutlich nur der Gesetzgeber – dürften Anwohnern sowohl Anfeuerungsrufe bei Leichtathletikveranstaltungen als auch die unter Umständen als störend empfundenen Fußball-Matches zur Unzeit einschließlich geräuschvoller Sympathie- oder Unmutsbekundungen von Fans und Akteuren zugemutet werden. Und der Schulsport sei ohnehin nicht von den einschlägigen Vorschriften betroffen, da diese als „sozial adäquat“ eingestuft würden.

 Was die ominöse Zahl 18 angeht, so werde diese derzeit im Käppele noch unterschritten. „Alles ist im grünen Bereich. Die heutige Nutzung des Stadions lässt ein hochwertiges Wohnen zu“, so Abicht. Würden im Käppele jedoch künftig mehr Sportspektakel durchgeführt, sei Ärger mit den Nachbarn nicht auszuschließen. Dann gingen womöglich auch die rüstigen Rentner in den vorgesehenen betreuten Wohnungen auf die Barrikaden.

 Was tun also? „Wir hätten die Senioren gerne da“, macht Winfried Abicht klar. Doch falls das Stadion in absehbarer Zeit noch häufiger Schauplatz von Wettkämpfen und Spielen werden sollte, wäre es seiner Meinung nach ratsam, einen Bebauungsplan aufzustellen. Dann könnte in einem Verfahren geklärt werden, wie die freie Fläche beim Stadion sinnvoll zu nutzen ist. Die Bauvoranfrage der Firma Konzok würde dann indes vielleicht erst mal zurückgestellt.Thomas Sadler

Weiterlesen
Jetzt steht Kassensturz an

Jetzt steht Kassensturz an

Mühlacker muss wohl Projekte verschieben – FDP-Chef kritisiert Beschluss Mühlacker – Nach dem Knall der Haushaltssperre durch Oberbürgermeister Arno Schütterle müssen Ausgaben gestrichen oder zumindest verschoben werden. Fragt sich nur:… »