Wenn Weinkenner Rot sehen

Erstellt: 27. Februar 2007, 00:00 Uhr
Wenn Weinkenner Rot sehen Wengerter aus Baden und Württemberg haben 153 Rotweine für den „Lemberger Löwen“ eingereicht.

Verkostung für den „Lemberger Löwen“: Schlürfen und spucken im Dienst des guten Geschmacks

Schauen, riechen, schlürfen, schmecken, spucken – während Partylöwen am Montagmorgen noch ihren Kater pflegen, genießt die sechsköpfige Jury in der Alten Kelter in Roßwag Weine im Akkord, um die Sieger für die Auszeichnung „Lemberger Löwen“ zu küren, die am Sonntag in Vaihingen vergeben wird. 153 Rotweine in drei Kategorien müssen auf Farbe, Klarheit, Geruch und Geschmack bewertet werden.

 „Er schmeckt“, antwortet Manfred Arnold, Mitorganisator der Vaihinger Weinmesse, auf die Frage, was denn einen guten Lemberger ausmache. Da hat die Jury es schon schwerer, ein Urteil zu fällen. Jedes Mitglied muss für jeden Tropfen eine Gesamtpunktzahl zwischen 1 und 20 nennen. Bleistift, Radiergummi und Bewertungsbögen liegen auf den Tischen bereit. In den Spalten können Einzelnoten in Farbe, Klarheit, Geruch und Geschmack aufgelistet werden.

 Für Profi Dr. Gerhard Götz, Direktor i. R. der staatlichen Lehranstalt, ist Wein Nummer 103 eine glatte „15“, im Gaumen von Christina Hengerer-Müller hat der Wein sich sogar eine „15,5“ verdient, bei Andreas Braun, Chefredakteur der Zeitung Sonntag Aktuell, reicht es für eine „13“, Weinfachberater Thomas Schuster ruft Probenleiter Martin Wertwein eine magere „12“ zu. „Damit hat dieser Wein sicher keine Chance mehr auf den Sieg“, ist Arnold sicher.

 Aus welcher der teilnehmenden 60 Genossenschaften und Privatbetriebe der durchgefallene Rote stammt, weiß er dagegen nicht. Die Flaschenbatterien reihen durchnummeriert – vor den Augen der Weinkenner verborgen – im Hinterzimmer aneinander. Zutritt haben hier nur die beiden Helfer, die den Wein einschenken. Allerdings nicht, bevor das Etikett sorgfältig hinter einer Tülle verborgen wurde. Es gilt die höchste Geheimhaltungsstufe. „Die Mitglieder sollen nicht beeinflusst werden“, betont Arnold.

 Das gilt für den äußeren Schein ebenso wie für angeregtes Fachsimpeln. Niemand berät sich mit dem Nachbarn, während der Testphase ist nur Gurgeln und Spucken zu hören. Die Notenvergabe ist eine einsame Entscheidung. Trotzdem sind sich die Mitglieder der Jury bis auf kleine Punktdifferenzen stillschweigen einig. Es sind schließlich keine Anfänger. „Alle sind Stammtester bei uns und seit Jahren dabei. So gewährleisten wir beim Lemberger Löwen Kontinuität. Dabei haben wir Weinliebhaber und Profis gemischt“, erklärt Arnold die Zusammensetzung.

 Zum 15. Mal wird der Lemberger Löwen am kommenden Sonntag verliehen. In der Kategorie „Lemberger trocken“ ist die Konkurrenz am härtesten. Allein 75 Weine aus den Jahrgängen 2002 bis 2006 kämpfen hier um den ersten Platz, denn nur der Sieger erhält die begehrte Auszeichnung.

 In der Wertung für „Lemberger mit höherer Restsüße als gesetzlich vorgeschrieben“ sind es 34 Tropfen, für die Kategorie Barrique-Lemberger wurde 44 Weine angemeldet.
 Nicht immer ist die Zuordnung einfach. „Diesen Wein werte ich ab, das ist eindeutig ein Barrique“, glaubt Weinfachberater Schuster, dass ein Winzer der Jury in der Kategorie „Lemberger trocken“ einen im Eichenfass gereiften Wein unterjubeln will. „Das ist nicht fair, dagegen haben die anderen Lemberger keine Chance“, ärgert er sich. „Alle Weine mit deutlicher Holznote sollen in der Kategorie Barrique gemeldet werden“, erklärt Arnold, dass die Einteilung manchmal Geschmacksache ist.

„Erfolg hat die Badener offensichtlich motiviert“

Bei der Herkunft dagegen werden klare Grenzen gezogen. Sieben Betriebe präsentieren Wein aus Baden, die anderen 53 stammen aus Württemberg. „Mehr als zehn Prozent Badener – das ist erstaunlich“, findet Albrecht Fischer vom Weingut Sonnenhof aus Vaihingen. „Die haben das letzte Mal zwei Löwen abgeräumt, das hat offensichtlich motiviert“, vermutet er.

 Wer sich selber von der richtigen Wahl der Jury überzeugen will, der kann sich bei der Vaihinger Weinmesse am 4. März zwischen 11 und 18 Uhr in der Aula des CJD Jugenddorfes Schloss Kaltenstein selbst durch die Sieger probieren. Der Lemberger Löwe wird hier überreicht. Nach der Preisverleihung können weitere 85 Spitzenweine aus der Region gerochen, geschlürft und genossen werden. Isabel Hansen

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