Wenn der Kontrolleur dauernd klingelt

Erstellt: 26. Juli 2011, 00:00 Uhr
Wenn der Kontrolleur dauernd klingelt Kim Bui spielt bei der Regionalkonferenz Dopingprävention in Pforzheim mit dem Kontrolleur Michael Jablonski eine Dopingkontrolle nach. Foto: Roth

Konferenz des Landessportverbandes in der Hochschule in Pforzheim mit hochkarätigen Fachleuten und der Turnerin Kim Bui

Sie kommen unangemeldet, die Dopingkontrolleure, überraschen Leistungssportler im Training und zu Hause. Im Rahmen der Regionalkonferenz Dopingprävention des Landessportverbandes (LSV) hat National-Turnerin Kim Bui an der Hochschule Pforzheim von ihren Erfahrungen berichtet.

Von Susanne Roth
Pforzheim. Kim Bui kann sich nicht mehr genau an ihre erste Doping-Kontrolle erinnern, nur daran, dass es „schon ein bisschen komisch war“, als unvermittelt ein Mann vor ihr stand und meinte, sie werde jetzt getestet. Von diesem Moment an ließ er sie keine Sekunde lang mehr aus den Augen. Dann warteten beide, und zwar so lange, bis Kim Bui in der Lage war, die für die Kontrolle erforderlichen 90 Milliliter Urin abzugeben, die dann ein anderer Mann testete.

Die aus Tübingen stammende 22-Jährige turnt in der Bundesliga für das KTF Stuttgart, gehört dem B-Kader der Nationalmannschaft an und feierte in diesem Jahr bei den Europameisterschaften in Berlin ihren bisher größten Erfolg, als sie dort Bronze am Stufenbarren holte.

„Technik kann man nicht dopen. Entweder man beherrscht die Felge oder eben nicht“
Kim Bui, Nationalturnerin aus Tübingen

Kim Bui kann die Kontrollen, die sie meistens nach dem Training überraschten – weniger nach Wettkämpfen – nicht mehr zählen. „20 waren es bestimmt“, sagt sie im Interview, als sie am Samstag als „Stargast“ bei der Regionalkonferenz Dopingprävention des LSV Baden-Württemberg in der Hochschule Pforzheim zu Gast ist. Sie hat sich an das Prozedere gewöhnt, das mit der Ausweiskontrolle beginnt und mit der Urinprobe endet.
Bui kann Doping nicht gutheißen. „Ich finde es schrecklich. Das ist doch keine echte Leistung“, sagt die Frau, die bereits vor 16 Jahren ihre sportliche Karriere startete und nun technische Biologie studiert – trotz insgesamt etwa 40 Stunden Training pro Woche am Turnzentrum Stuttgart. Doping sei im Turnen aber eher weniger ein Thema. „Technik kann man nicht dopen“, sagt Bui. Entweder man beherrsche die Felge oder eben nicht.
Kim Bui hat sich am Samstag Zeit genommen, um sich zum einen von Dietmar Günther, dem LSV-Referenten für Leistungssport, interviewen zu lassen und mit Michael Jablonski von Global-Quality-Sports, der ehrenamtlich Doping-Kontrollen macht, eine solche nachzustellen.

Die Doping-Konferenz, von denen etwa vier pro Jahr stattfinden, wurde aufgrund der geografischen Lage und der Schnittstelle der drei Sportbünde Nordbadens, Südbadens und Württembergs im Landessportverband (LSV) nach Pforzheim geholt. Die Veranstaltung richtete sich an Dopingbeauftragte, aber auch Lehr- und Bildungsreferenten der Fachverbände und Lehrkräfte der Partner- und Eliteschulen. Etwa 80 Teilnehmer hörten Fachvorträge von Ärzten, Apothekern, bekamen außerdem einen Einblick in die Perspektive der Verantwortlichen im Sport und aus der Sponsorenwelt. „Best-Practice“-Modelle wie Athleten- und Trainerschulung wurden vorgestellt. Praktische Tipps, wie man mit Kindern und Jugendlichen das Thema besprechen kann. Diese müsse man damit konfrontieren, bevor die Wertevorstellung stattfinde. Und sicherlich sei auch einigen nicht klar, dass man sich bereits mit der Einnahme eines Nasensprays auf gefährliche Pfade begeben kann. Kim Bui dagegen weiß genau Bescheid und kennt die Doping-Liste gut. „Mein Vater ist Apotheker, ihn kann ich dann auch noch fragen.“

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