Weltstar begeistert im Kloster

Erstellt: 27. Juli 2010, 00:00 Uhr
Weltstar begeistert im Kloster Berühmter Gast: Die Geigerin Midori gestaltet, begleitet vom Pianisten Özgür Aydin, ein spannendes Konzert im Laienrefektorium des Maulbronner Klosters. Foto: Tilo Keller

Die Geigerin Midori und der Pianist Özgür Aydin bereichern das Maulbronner Klassikfestival um einen glanzvollen Auftritt

Filigraner Violinklang und ein wohl temperiertes Klavier – so ließe sich der glanzvolle Auftritt der Geigerin Midori und des Pianisten im Kloster Maulbronn kurz zusammenfassen.

Von Rudolf Wesner

Maulbronn. Wer jemals ein Konzert mit der japanischen Geigerin Midori erlebt hat, dem wird noch für lange Zeit jener unvergleichlich zarte Violinenklang, den diese Ausnahmekünstlerin ihrem Instrument zu entlocken versteht, im Gehör haften bleiben. Am Sonntagabend trat die Musikerin zusammen mit dem Pianisten Özgür Aydin, gleichfalls ein herausragender Virtuose auf den weißen und schwarzen Tasten, im Laienrefektorium des Klosters Maulbronn auf und beglückte ihre Zuhörer.
 An den Klosterkonzerten Maulbronn wirkte Midori nicht zum ersten Mal mit. Am Sonntag überraschte sie mit einem Programm, in dem sie einen weiten Bogen von der großen Wiener Klassik über die Spätromantik bis in das frühe 20. Jahrhundert spannte. Takt für Takt führte dieses ideale Duo Midori/Aydin Werksgestaltungen aus, die feinstimmiger, inniger und doch zugleich auch erfüllter von vitaler Spannung sonst kaum zu hören waren. Bei der Interpretation der im Jahr 1801 von Ludwig van Beethoven komponierten Sonate in a-moll fiel auf, dass die beiden Interpreten die Satzbezeichnung „Presto“ außerordentlich wörtlich nahmen, indem sie die ineinander eng verwobenen Themen mit Rasanz spielten. Doch bei allem faszinierte Midoris Bogenstrich, der in seiner Zartheit und Leichtigkeit einzigartig ist.

Über allem lässt Midori
ihre duftig zarten Geigentöne schweben

 Dazu spielte Özgür Aydin ein im besten Sinne wohl temperiertes Klavier, denn er entfaltete zwar mit weichem Anschlag einen samtigen, warmen Klang, bewahrte als Begleiter der Violin-Virtuosin angemessene Zurückhaltung, brachte sich dennoch mit markanter Ausführung seines Parts als gleichwertiger Dialogpartner ein. Doch über allem schwebten die duftig zarten Geigentöne, die Midori in filigraner Feinheit fast nur ahnen ließ , die aber gleichwohl in ihrer silbrigen Klarheit den Gehörnerven schmeichelten.

 In der einsätzigen Sonate Nummer zwei von Ernest Bloch, der von 1880 bis 1959 lebte, gestaltete Midori ihr unvergleichliches Spiel in einer Weise hauchzart, wie dies kaum noch vorstellbar erschien. Das Werk trägt den Titel „Poème mystique“ und basiert auf Quellen, die Bloch in traditionellen Chorälen und geistlichen Gesängen, auch in der jüdischen Musik, fand. Eine sanft schimmernde, zutiefst ruhevolle Komposition hatte er damit geschaffen. Die darin lebende Mystik und meditative Stille loteten Midori und Özgür Aydin in ihrer Interpretation sensibel aus, ließen auch gelegentlich auftretende Kontraste impulsiv aufleuchten, und interpretierten die Sonate unirdisch schön in ihrem lyrischen Charakter.

 In die griechische Mythologie entführte der ukrainische Komponist Karol Szymanowsky (1882 bis 1937) die Besucher, als Midori und ihr Begleiter am Flügel Özgür Aydin dessen mit „Mythen“ betiteltes Werk darboten. Das farbenreiche Stück gestalte das Duo in seiner reichen Fülle an Klangnuancen und vitalen Kontrasten zu einem musikalischen Traum, der eine mystische Klangwelt erlebbar machte.
 Wieder war es der seidig zarte Violinenklang, mit dem Midori ihre Zuhörer geradezu betörte, wobei sich auch hier der Pianist als ebenbürtiger Partner einbrachte.
 Von den drei Sonaten für Violine und Klavier, die Johannes Brahms hinterließ, ist die dritte in d-moll, komponiert im Jahr 1887, in ihrer weit ausholenden Klangfülle ein Werk, das jedem Violinvirtuosen ein immenses Maß an Virtuosität abverlangt.

Künstler präsentieren ein Feuerwerk
der virtuosen Klänge

 Midori verstand es, in den vier Sätzen mit ihrem erneut atemberaubend feinem Spiel eine außerordentliche Spannung zu erzeugen. Doch sie interpretierte die Komposition in der wiederum maßvoll vitalen Begleitung am Flügel durch Özgür Aydin zugleich auch überaus sensibel, nachdenklich und grüblerisch, dabei die empfindungsreiche Melodik des Adagios beglückend ausbreitend.

 Im Finalsatz „Presto agitato“ entfachte das Duo mit drängenden Tempi zusätzlich ein kraftvoll glitzerndes Brillantfeuerwerk, der tosenden Schlussbeifall auslöste und für den sich Midori und Özgür Aydin mit Zugaben bedankte.

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