Weißstorch soll auf Ötisheim fliegen

Erstellt: 28. Januar 2010, 00:00 Uhr
Weißstorch soll auf Ötisheim fliegen Damit sich wie auf diesem Bild unseres Lesers Wolfgang Kroh Störche häuslich einrichten können, hat die Gemeinde Ötisheim auf dem Kelterdach eine Nisthilfe installiert.

Diplomarbeit über Ansiedlung des „positiven Imageträgers“ dem Gemeinderat vorgestellt – Nisthilfe auf dem Kelterdach

Die Chance, dass der Storch in der Region wieder heimisch wird, ist durchaus gegeben. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Diplom-Ingenieurin für Naturschutz und Landschaftsplanung Barbara Haas.

Von Rainer Appich

Ötisheim. Welche Perspektiven gibt es für eine Wiederbesiedelung der Erlenbach-, Mettenbach- und Gründelbachniederung durch den Weißstorch? Antworten erhielten die Mitglieder des Ötisheimer Gemeinderats am Dienstagabend, als die aus Karlsruhe stammende Mitarbeiterin des Regierungspräsidiums Stuttgart ihre Diplomarbeit als Fachhochschulabsolventin vorstellte. Zusammen mit Frank Hemsing und Fritz-Gerhard Link vom Naturschutzamt des Enzkreises erforschte sie in den Jahren 2005 bis 2007 die Voraussetzungen für eine Spontanbesiedelung des Gebiets durch den Weißstorch.

 Außer in den Hochlagen und in geschlossenen Waldgebieten war der Storch früher in ganz Baden-Württemberg heimisch. Seine Population nahm ab den 60er Jahren rapide ab, bis zum Tiefstand von landesweit 15 Brutpaaren im Jahr 1975. Als Gründe für den Rückgang nannte Haas tödliche Stromunfälle, eine intensivierte Landwirtschaft und die Trockenlegung ehemaliger Feuchtgebiete. Langsam, aber stetig wuchs der Bestand wieder an. Im Jahr 2009 waren landesweit 450 Horste besetzt. Damit steigt auch der Bedarf an Lebensraum.

 Auch in Ötisheim wurden in den vergangenen Jahren regelmäßig durchziehende Störche gesehen. „Der Storch ist ein positiver Imageträger“, sagte Haas. Er symbolisiert eine intakte Landschaft und steigert den Bekanntheitsgrad einer Gemeinde. Um den Großvogel jedoch heimisch werden zu lassen, müssten einige seiner Ansprüche erfüllt werden.

 Mit der Nisthilfe auf dem Kelterdach hat die Gemeinde Ötisheim die erste wichtige Voraussetzung geschaffen, um überfliegende Störche zum Landen zu animieren. Der Weißstorch bevorzugt nahrungsreiche, feuchte Wiesen mit einer Fläche von 500 Hektar in der Nähe von Kleingewässern und mit direkter Sicht auf seinen Horst. Diese Sichtverbindung behindere derzeit ein Gehölzstreifen, der entfernt werden sollte. Eine Sache, die den Forst betrifft. Tödlichen Stromunfällen durch die Freileitungen könne mit längeren Isolatoren, einem ausreichenden Abstand der Leiterseile oder speziellen Sitzbrettern begegnet werden. Eine Angelegenheit, die es mit dem Netzbetreiber zu klären gilt.

 Die primären Nahrungsflächen auf der Ötisheimer Gemarkung sah die 28-Jährige in den Wiesen entlang der Bachläufe. Diese extensiv genutzten Gründlandflächen wurden in der Vergangenheit trockengelegt. Es sei anzustreben, so Haas, zur Steigerung der Nahrungsflächenqualität die Wiesen zu vernässen. Ein Problem für die Bauern.

 Die Landwirte im Gemeinderat, Jürgen Halbich und Ulrich Jaggy, betonten ausdrücklich ihre positive Haltung gegenüber dem Storchenprojekt, machten aber auch deutlich, welche Schwierigkeiten feuchte Wiesen im Ernteeinsatz bereiten. „Wir werden keine Maßnahmen gegen jemanden durchsetzen“, sicherte der Erste Landesbeamte des Enzkreises, Wolfgang Herz, in der Sitzung zu. Er kündigte an, im Landratsamt ein interdisziplinäres Team mit Vertretern des Forsts, der Wasserwirtschaft und der Landwirtschaft zu installieren, das ein Konzept für das langfristig angelegte Projekt erstellen soll. Das Potenzial für die Wiederbesiedelung sei jedenfalls da, so Herz, und die Maßnahmen seien „mit überschaubarem Aufwand machbar“.

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