Weichen für Gewerbeansiedlung gestellt

Erstellt: 30. Juni 2006, 00:00 Uhr
Weichen für Gewerbeansiedlung gestellt Die Ackerfläche nördlich der Gustav-Freytag-Straße ist jetzt als Misch- und Gewerbegebiet ausgewiesen. Foto: Goertz

Gemeinderat Illingen ändert Flächennutzungsplan – Anwohner der Gustav-Freytag-Straße erheben Einspruch

Illingen – Auf zahlreiche Einsprüche von Anwohnern der Gustav-Freytag-Straße sind die Pläne der Gemeinde gestoßen, den Flächennutzungsplan in ihrer Nachbarschaft so zu ändern, dass dort Gewerbeansiedlungen möglich sind. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend ungeachtet der Anwohnerproteste den Entwurf bei vier Gegenstimmen abgesegnet.

VON FRANK GOERTZ

Ziel des Flächennutzungsplan ist es, ansässigen Betrieben am Illinger Eck Flächen zur Verfügung zu stellen, um sich vergrößern zu können. Offensichtlich hat ein Unternehmen in der Vergangenheit schon einmal ganz konkret Bedarf angemeldet. Dennoch ist Ingeborg Beller (UBL) skeptisch: „Ich habe kein Interesse daran, eine Planung für die Schublade zu machen. Der jetzige Plan ist spezifisch für ein Unternehmen gemacht worden, und das hat abgewunken.“ Dennoch wollte sich die Mehrheit im Gemeinderat für den Fall wappnen, dass doch Gewerbeflächen benötigt werden. „Ich sehe den Flächennutzungsplan als Vorkehrung für den Fall, dass der Tag X eintritt“, erklärte Winfried Scheuermann und warnte: „Wenn ein Betrieb mangels Fläche Illingen verlässt, ist der Schaden viel größer, als wenn ein Plan erst einmal für die Schublade gemacht wird.“

 Konkret sieht der Plan vor, die etwa 1,4 Hektar große Fläche nördlich der Gustav-Freytag-Straße, die bislang für eine Schulerweiterung vorgesehen war, zu gleichen Teilen als Misch- und Gewerbegebiet auszuweisen.
 Diese Pläne stoßen bei den Anliegern der Gustav-Freytag-Straße auf wenig Gegenliebe. Sie befürchten nicht nur eine Zunahme von Verkehr und Lärm in ihrem Wohngebiet, sondern auch eine Wertminderung ihrer Grundstücke.
 Außerdem, so führen sie in ihrem gemeinsamen Einspruch ins Feld, sei den Familien, bevor sie sich dort niedergelassen haben, eine ruhige Wohnlage zugesichert worden, „von welcher sich man hier aber zusehends distanziert“.

 Auch Hans M. Hellmann vom Büro Planwerk aus Stuttgart, das den Plan gemacht hat, räumt ein: „Sicher steigen die Belastungen, wenn es zu einer gewerblichen Nutzung kommt.“ Sie einzuschätzen, sei derzeit aber nicht möglich. Hellmann stellt aber auch klar: „Die vorhandene Wohnbebauung hat ein Recht auf Schutz.“ Allerdings hätte eine Schulerweiterung auch Belastungen mit sich gebracht.

 Gemeinderat Winfried Scheuermann wird deutlicher: „Wir haben die Fläche, über die wir jetzt reden, ursprünglich für ein Stadion Typ C freigehalten. Wenn dort Trainingsbetrieb bis in die Abendstunden geherrscht hätte, wäre das auch eine Belastung für die Anwohner gewesen.“

 „Wir führen hier doch Scheingefechte“, versuchte CDU-Sprecher Eric Schach der sich anbahnenden Grundsatz-Diskussion einen Riegel vorzuschieben. „Mit der Zustimmung zu dem geänderten Flächennutzungsplan vergeben wir uns nichts. Wenn es dann zum konkreten Bebauungsplan kommt, sind wir immer noch Herr des Verfahrens.“ Auch Bürgermeister Harald Eiberger betonte, dass der Flächennutzungsplan nur eine „vorbereitende Planung“ ist, um sich alle Optionen offen zu halten, wenn Gewerbebetriebe Bedarf anmelden – und das könne schnell gehen.

 Planer Hellmann stellte noch einmal klar, dass mit dem Flächennutzungsplan nur die Weichen gestellt, aber keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden. Dies sei erst bei dem Bebauungsplan der Fall. Und hier würde die vorhandene Wohnbebauung unter besonderem Schutz stehen. Deshalb sieht der Plan auch ein Mischgebiet zwischen Gustav-Freytag-Straße und dem ausgewiesenen Gewerbegebiet vor, um einen Puffer zu schaffen. Und im Bebauungsplanverfahren würden dann die Anregungen und Einsprüche der Anwohner berücksichtigt werden müssen.
 Letzten Endes votierte der Gemeinderat mehrheitlich für den vorgeschlagenen Flächennutzungsplan. Die Bedenken und Einwände der Anwohner stehen allerdings vorerst immer noch im Raum.

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