Wandern macht den Kopf frei

Erstellt: 29. Mai 2010, 00:00 Uhr
Wandern macht den Kopf frei Martin Kuhnle mit Wanderführer: Bis zur Veröffentlichung war es im Wortsinn ein weiter Weg. Foto: Disselhoff

Martin Kuhnle aus Ötisheim schreibt ein Buch über drei Fernwanderwege von Pforzheim in Richtung Schweizer Grenze

Martin Kuhnle ist leidenschaftlicher Wanderer – nicht erst seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“. Der Musiklehrer hat im April einen Wanderführer über drei reizvolle Touren im Schwarzwald vorgelegt.

Von Maik Disselhoff

Ötisheim. Martin Kuhnle war schon lange vor dem Wander-Boom mit dem Rucksack in der Natur unterwegs. Im April hat der Ötisheimer im Bergverlag Rother einen Führer veröffentlicht, der die drei bekanntesten und längsten Fernwanderwege im Schwarzwald,  West-, Mittel- und Ostweg, auf 191 Seiten in handlichem Format detailliert beschreibt.

 „Ich wandere, um Kraft zu schöpfen, neue Ideen zu bekommen und mich von der Natur inspirieren zu lassen“, beschreibt der 41-Jährige seine Leidenschaft, die ihn schon von Kindesbeinen an auf seinem Lebensweg begleitet. Vor zehn Jahren hat Kuhnle damit begonnen, sich auf Touren erste Notizen zu machen. Wenig später erfolgte die erste Veröffentlichung eines Artikels in einem Wandermagazin. Vor zwei Jahren ging der Ötisheimer Musiklehrer dann auf den Bergverlag Rother zu, mit dem Vorschlag, die drei Fernwanderwege, die in Pforzheim beginnen und über den Schwarzwald in Richtung Schweizer Grenze führen, in einem Buch komprimiert und etappenweise vorzustellen. „Die Idee wurde mit Freude angenommen.“

 In dem Führer steckt jede Menge Arbeit. Rund 1000 Kilometer hat Kuhnle zusammen mit seiner Frau Heidi Maria zurückgelegt, um dem Leser die einzelnen Etappen im Wanderführer genau beschreiben zu können. „Den Großteil der Touren sind wir im Spätherbst 2008 gelaufen“, erinnert sich der Autor. „Immer bei schönem Wetter, damit die Fotos im Buch gut zur Geltung kommen.“ Die meisten Bilder habe seine Frau beigesteuert, so Kuhnle, der die zweijährige Recherche vom ersten Kontakt mit dem Verlag bis zum fertigen Wanderführer als „die interessanteste und erlebnisreichste Zeit“ seines Lebens beschreibt.

 Bei den Wanderungen hatte Kuhnle stets ein Diktiergerät bei sich. 30 Kilometer zu Fuß haben 30 Minuten Wegbeschreibung auf dem Tonband ergeben. Abends wurden die besten Fotos ausgewählt, und die Feinarbeit am Text dauerte oft bis in die Nacht hinein.

 Nicht zuletzt seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ ist Wandern in Deutschland wieder zu einem Trendsport geworden. Insofern trifft auch Kuhnles Buch den Nerv der Zeit. Den Wander-Boom findet der Ötisheimer gut. „Die Menschen haben heute mehr Stress im Beruf als früher, und in Zeiten von E-Mail-Flut und ständiger Erreichbarkeit per Handy gibt es den Drang, nach draußen in die Natur zu gehen, um mal was anderes zu sehen und den Kopf frei zu bekommen“, erklärt sich der Musikpädagoge die Entwicklung der vergangenen Jahre.

 Auch wenn der Westweg zu den bekannten Routen gehört, bewegt sich der Wanderer dort keinesfalls auf ausgetretenen Pfaden. „Es gibt genug Nebenwege und Ausweichstrecken, und auch wenn man immer wieder Leute trifft, findet man auf der Strecke sehr viel Ruhe“, sagt Kuhnle. Und auf allen drei Strecken nach Süden böten sich dem Wanderer herrliche Aussichtspunkte, verträumte Wald- und Wiesenpfade und reizvolle mittelalterliche Städte. Ohne eine gründliche Vorbereitung läuft auf den drei Wegen nach Süden nichts – das wird im Gespräch mit dem schlanken Musiklehrer schnell klar. „Teilweise haben die Routen einen alpinen Charakter und gehen mächtig in die Beine“, weiß Kuhnle und fügt hinzu: „Immerhin sind die Etappen im Schnitt 25 Kilometer lang. Bei einer der Strecken müssen auf dieser Distanz zusätzlich 1000 Höhenmeter überwunden werden.“ Im Führer hat der Inhaber einer Ötisheimer Musikschule deshalb auch genaue Angaben zum Streckenprofil der Etappen untergebracht.

 Anfänger sollten acht Stunden für eine Etappe einplanen, sagt der erfahrene Wanderer, der zugibt, sich selbst einmal leicht überschätzt zu haben. „Meine Frau und ich haben zwei Etappen mit jeweils 16 Kilometern optimistisch zusammengelegt und dabei den heißesten Tag des Jahres erwischt“, erinnert sich Kuhnle an die größte Strapaze seiner Recherche-Zeit. Neben zahlreichen Karten und vielen Tipps zu den jeweiligen Wanderabschnitten gibt der Autor zusätzlich wertvolle Ratschläge für eine angemessene Wanderausrüstung. Auf die Frage, was neben Wanderschuhen der wichtigste Reisebegleiter sei, hat Kuhnle sofort eine Antwort parat: „Wasser – mindestens zwei Liter pro Etappe.“ Der 41-Jährige hat schon eine vage Idee für sein nächstes Projekt. „Ich will eine Brücke zwischen Musik und Wandern schlagen.“

Der Wanderführer „Schwarzwald – Fernwanderwege: Westweg, Mittelweg, Ostweg“ erschien im Bergverlag Rother und ist unter anderem bei Buch-Elser in Mühlacker erhältlich.

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