Wächter-Hornisse passt aufs Nest auf

Erstellt: 31. August 2011, 00:00 Uhr
Wächter-Hornisse passt aufs Nest auf Der Enzberger Hartmut Zoller mit dem Hornissennest in seiner Gerätehütte. Foto: Sadler

Insekten haben sich eine „phänomenale“ Behausung in Enzberger Schuppen gebaut

Von Thomas Sadler

Mühlacker-Enzberg. Hartmut Zollers Obstbaumstück liegt idyllisch und ruhig im Enzberger Gewann Burgfeld. Doch allein ist er hier nicht. Kaum öffnet er die Tür seines Geräteschuppens fliegen ihm gelb-schwarze Hüttenbewohner entgegen: Hornissen, die an der Decke des Holzgebäudes ein großes Nest gebaut haben und darin bis zum Beginn der kalten Jahreszeit wohnen.

„Als ich im Mai meinen Balkenmäher holen wollte, habe ich die Hornissen zum ersten Mal gesehen“, erzählt Zoller. „Das sind Hunderte Tiere“, schätzt er. Unternehmen will er gegen die ungebetenen Gäste nichts. Schon deshalb, weil er das kunstvoll gefertigte Nest bewundert. „Die Struktur ist phänomenal“, anerkennt er die Arbeit der tierischen Baumeister. Angst hat er nicht vor ihnen. „Solange man keine hektischen Bewegungen macht und nicht nach ihnen schlägt, passiert nichts“, meint er, zieht aber vorsichtshalber den Kopf ein, als zwei stachelbewehrte Insekten um ihn herumschwirren.

In gewisser Weise sieht der Enzberger seine dickleibigen Dauerbesucher, die immer an derselben Stelle des Spalts unter dem Schuppendach ins Innere fliegen beziehungsweise krabbeln, sogar als nützliche Verbündete, schließlich vertilgten sie auch Schädlinge wie Blattläuse.

Eine übertriebene Furcht vor den Hornissen hält auch Klemens Köberle vom Verein für Umweltbildung und Naturerfahrung Araneus nicht für angebracht. Zwar sei ein Stich schmerzhaft, doch normalerweise nicht schlimm. „Die Hornissen sind relativ harmlos.“ Was freilich nicht für die Insekten gilt, die auf ihrem Speiseplan stehen. Fliegen und Falter gehören ebenso dazu wie Wespen – und dies, obwohl die Hornisse selbst zur Familie der Wespen zählt. Auch Obst schmecke ihnen, so Köberle, während Kuchen zum Glück der Menschen nicht zu ihren Lieblingsgerichten gehöre. Unangenehm werden kann es indes dann, wenn die unter Naturschutz stehenden nachtaktiven Tiere im Sommer zu später Stunde durch offene Fenster Ausflüge in Wohnungen unternehmen.
Was ihr eigenes Domizil angeht, so passe ein „Wächter“ am Eingang des Nestes auf, dass sich ihm keine unerwünschten Eindringlinge nähern. Fühle sich jemand durch ein Hornissennest gestört, könne er sich an den BUND wenden, der dazu berechtigte Fachleute mit der Umsiedlung des Unterschlupfes beauftrage. Auch die Feuerwehr werde gelegentlich zurate gezogen, sagt Klemens Köberle.

Bald sind die Tage der Hornissen ohnehin gezählt. Kommen erst mal wieder frostige Nächte, stirbt das Volk – zum einen wegen der Kälte, zum anderen, weil sie dann nicht mehr genügend Nahrung finden. Einzige Ausnahme: die Königin. Sie überlebt in Winterstarre in einem Erdloch oder einem Baumstumpf.

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