Vorhand statt Vesperpause

Erstellt: 31. Dezember 2010, 00:00 Uhr
Vorhand statt Vesperpause 200 Jahre Tischtennis-Erfahrung: Am liebsten spielt Fritz Theuer (Mitte) mit Roland Liefke (li.) und Herbert Mahler für die Ötisheimer Senioren 60. Foto: Stahlfeld

In mehr als 1000 Tischtennis-Einsätzen hat Fritz Theuer einige kuriose Anekdoten erlebt

Unter normalen Umständen ist das kaum möglich. Doch Fritz Theuer hat es geschafft. Im September dieses Jahres absolvierte der Ötisheimer sein 1000. Verbandsspiel für die Tischtennisfreunde Ötisheim-Erlenbach.

Mühlacker. „In einer Runde sind wir zehn Mannschaften. Pro Jahr sind das 18 Spiele, rechnet Fritz Theuer das Spielaufkommen in der C-Kreisklasse hoch. Hinzu kommen die Pokalspiele und bei ihm seit einigen Jahren auch die Seniorenspiele. Auch als Ersatzmann ist der 68-Jährige gefragt, so dass er teilweise auf bis zu vier Begegnungen pro Woche kommt. Das summiert sich. Gemeint sind wohlgemerkt Einsätze, nicht Matches.

Von Ulrike Stahfeld

 Die Ehefrau sieht ihren Mann nur noch viel zu selten. Bei der Feier anlässlich seines 1000 Spiels hat er ihr eigentlich versprochen in Zukunft, kürzer zu treten. Fragt sich nur, wann diese Zukunft beginnt. Denn auch nach 54 Jahren hat Fritz Theuer noch viel Spaß an dem Sport, der ihn und seine Kameraden jung hält.

 Vor 50 Jahren, da gehörte er selbst noch zu den Jungen, die von den erfahrenen Spielern ausgefuchst wurden. „Die hatten alle möglichen Tricks auf Lager, vor allem die Spieler aus Mühlacker waren solche Spezialisten“, erinnert sich der Erlenbacher an die Zeit, als die Schläger noch mit Kork, Schmirgelpapier oder Schaumgummi bezogen wurden, um den Gegner auszutricksen.

 Auch die Räumlichkeiten waren zu Beginn seiner Karriere eher bescheiden. Fritz Theuer gehörte zur Firmenmannschaft der Firma Walter in Erlenbach. Dort wurde in der Kantine gespielt. „Da hat man dann öfters das Vesper ausfallen lassen“, erzählt der gelernte Mechaniker und spätere Konstrukteur. Bei Verbandsspielen sei dann die Kantine ausgeräumt worden, damit man zwei Platten stellen konnte.

Bei Punktspielen in der Mühle kullerte der Ball bisweilen
mehrere Stockwerke nach unten

 Doch auch bei den Gegnern sah es in den fünfziger und sechziger Jahren nicht viel besser aus. In Wiernsheim wurde in der Mühle gespielt. Wehe, ein Spieler erwischte den Ball nicht, dann kullerte der gleich mehrere Stockwerke nach unten. Bei Schnee und Eis ging es nach Ottenbronn. Als der Bus ausfiel, hieß es für Theuer und seine Mannschaftkollegen schieben.

 Neben solcherlei Anekdoten hat Theuer in den letzten fünf Jahrzenten aber auch jede Menge sportliche Routine gesammelt. Und die zahlt sich jetzt gegen jüngere Gegner aus. „Mit Erfahrung kann man viel machen“, stellt er fest. Seit er 2007 Probleme mit der Schulter bekam, spielt Theuer in der dritten Mannschaft in der Kreisklasse C. Als es kürzlich im Kreisliga-Pokalspiel gegen Münchingen ging, da bestritt Theuer Matches gegen drei Gegenspieler: „Die waren zusammen nicht so alt wie ich“.

 Gemeinsam mit seinem 69-jährigen Kameraden Roland Liefke – er knackte die Tausender-Marke schon Mitte 2009 – und dem 70-jährigen Herbert Mahler vom Seniorenteam bringt Fritz Theuer mehr als 200 Jahre geballte Tischtennis-Erfahrung an die Platte. Sie spielen in der Senioren-60-Bezirksliga. „Es ist ein schneller Sport, man muss sich konzentrieren“, erklärt der Routinier, für den neben der sportlichen Betätigung auch die Kameradschaft ganz wichtig ist: „Da geht man abends nach dem Spiel noch ein Bierchen trinken.“

 Stellt sich die Frage, woher Fritz Theuer so genau weiß, dass er im September gegen Zaisersweiher sein 1000 Verbandsspiel bestritt. „Das ist wohl einmalig im ganzen Kreis“, erklärt er die Praxis bei den TTF Ötisheim-Erlenbach. Tatsächlich begann schon der erste Vorsitzende Ulrich Knöller, die Spiele zu zählen. Später wurde dies von seiner Tochter Katrin Karner fortgesetzt. Theuer: „Sie führt Buch.“ Und so wissen die Tischtennisfreunde, dass im kommenden Jahr ein weiterer Tausender ansteht: Denn auch Herbert Mahler hat schon weit mehr als 900 Einsätze hinter sich.

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