Vorfreude auf die besten Musketiere

Erstellt: 28. Dezember 2010, 00:00 Uhr
Vorfreude auf die besten Musketiere Degenfechten der Spitzenklasse, beispielsweise mit dem ehemaligen Junioren-Weltmeister Steffen Launer (re., beim Challenge-Turnier „Allstar Cup“ in Reutlingen 2010), gibt es in anderthalb Wochen in der Illinger Strombergsporthalle zu sehen. Foto: Eigner

Der SV Illingen will als Ausrichter der Degen-Landesmeisterschaften den Fechtsport in der Region populärer machen

Einige der besten Degenfechter Deutschlands treten am 8. Januar bei den Württembergischen Meisterschaften in der Illinger Strombergsporthalle an. Vergeben werden die Einzel- und Mannschafts-Titel bei Damen und Herren. Die Fechter des SV Illingen fiebern dem Ereignis bereits entgegen.

Von Steffen-Michael Eigner

Illingen. Insgeheim hatten die Illinger zwar gehofft, die beiden frisch gebackenen Vize-Weltmeisterinnen Monika Sozanska und Ricarda Multerer vom Heidenheimer SB in der Stromberghalle fechten zu sehen. Jedoch: „Schade, dass die beiden nicht starten“, sagt Gerhard Maulick, der Leiter der Fechtabteilung beim SV Illingen, und fügt hinzu: „Ich habe das WM-Finale von Paris live auf Eurosport gesehen.“ Im November scheiterte die deutsche Degen-Equipe mit Multerer und Sozanska sowie Europameisterin Imke Duplitzer und Olympiasiegerin Britta Heidemann im Kampf um WM-Gold an Rumänien.
 Stattdessen schickt der Heidenheimer Sportbund bei den Damen zwar nun seinen „Perspektivkader“ nach Illingen. Aber auch der ist hochklassig besetzt.

 Die erfahrenste unter den 14 Teilnehmerinnen vom Bundesstützpunkt auf der Schwäbischen Alb ist Melinda Kövecs. Die jetzt 21-Jährige war 2008 Vierte der U20-Europameisterschaften und stand 2009 beim U20-Weltcupturnier in Dijon im Finalkampf. Nun kämpft Kövecs bei den Aktiven um den Anschluss an die internationale Spitze. Im Moment liegt sie auf Platz 13 der deutschen Rangliste.

 Erst 17 Jahre alt ist Stephanie Kohel. Sie war bereits Deutsche Meisterin in der U14 und der U17. In der abgelaufenen Saison wurde sie Fünfte bei den U17-Europameisterschaften. Zu Beginn der laufenden Saison durchlitt Kohel ein kleines Formtief. Bei den Landesmeisterschaften in Illingen will sie nun neuen Anlauf nehmen.

Eine gerade 15-Jährige gilt als Geheimfavoritin

 Für Hubert Gentner, den Pressesprecher des Heidenheimer Leistungszentrums, zählt jedoch eine ganz junge Athletin zu den Geheimfavoriten: Kristin Werner feiert exakt heute ihren 15. Geburtstag und hat vor anderthalb Wochen bereits zum ersten Mal den Einzug ins Achtelfinale eines U20-Weltcupturniers geschafft. „Kristin ist mit ganz viel Herzblut dabei und kämpft immer bis zum letzten Treffer. Die könnte bei den Württembergischen Meisterschaften ganz vorne dabei sein“, hält Gentner große Stücke auf die 15-Jährige.

 Aus der näheren Umgebung hat vermutlich Melanie Auracher die größten Chancen auf eine vordere Platzierung. Die 35-Jährige aus Hochdorf/Enz ficht für die TSF Ditzingen, belegte bei den Landesmeisterschaften der vergangenen Saison den fünften Platz und führte die Ditzinger Damen zu Platz zwei im Mannschaftswettbewerb. Das Finale gegen Heidenheim verlor das TSF-Quartett nur um einen Treffer.

 Bei den Herren ist Titelverteidiger Stephan Rein erneut der Topfavorit auf die Meisterschaft. Der 22-Jährige Heidenheimer hat in der laufenden Saison bereits einen Podestplatz auf einem Weltcupturnier gefeiert, als er bei der „Trophy of Belgrad“ Platz zwei belegte.

 Unter jenen, die Stephan Rein den Titel abnehmen wollen, ist der 24 Jahre alte Steffen Launer von der SV Böblingen. Der Junioren-Weltmeister von 2006 gewann dieses Jahr EM-Bronze mit der deutschen Mannschaft. Beim Heidenheimer Pokal, dem „Wimbledon der Degenfechter“ kam Launer 2009 bis ins Achtelfinale.

 Aufpassen müssen die jungen Titelanwärter aber auf einen erfahrenen Lokalmatador: „So nah hatte ich noch nie zu einer Landesmeisterschaft“, frohlockt Igor Borrmann aus Nussdorf. Der mittlerweile 53-Jährige nahm 1981 und 1982 an den Weltmeisterschaften teil und gehörte 1980 zum bundesdeutschen Olympiateam, das wegen des Boykotts der Nato-Staaten nicht nach Moskau fahren durfte. Aber noch immer ist der Ex-Tauberbischofsheimer auf der Fechtbahn ein echter Spitzbube, der gerne mit technischen Kabinettstückchen die junge Garde narrt – so bei den Landesmeisterschaften vor einem Jahr, als er für die TSF Ditzingen bis auf Platz fünf nach vorne kam.

 Für den gastgebenden Verein hofft derzeit noch Dominik Bolter auf einen Startplatz in eigener Halle. Der 17-Jährige hat die Bezirksmeisterschaften wegen einer Verletzung verpasst, ist daher nicht für die Württembergischen Meisterschaften qualifiziert. Der Illinger könnte aber als Nachrücker noch ins Feld rutschen, das auf 42 Starter begrenzt ist. Für eine vordere Platzierung kommt Bolter jedoch nicht infrage.

 Aber auch ohne Aussicht auf Titel und Medaillen für seinen SV Illingen setzt Gerhard Maulick große Hoffnungen in die Landesmeisterschaften. „Wir wollen den Fechtsport in der Umgebung ein bissle populärer machen“, sagt der Ehrenvorsitzende des Vereins. Nicht zuletzt sollen die Wettkämpfe der Spitzenfechter auch als Anschauungsunterricht für die eigenen Nachwuchsfechter dienen.

Einen Tag später darf der Nachwuchs auf die Planche

 Die dürfen gleich am folgenden Tag ausprobieren, was sie sich abgeschaut haben. Denn für den 9. Januar hat der SV Illingen Vereine aus Württemberg und Nordbaden zum Strombergturnier für Schüler (U9 bis U12), B-Jugend (U14) und A-Jugend (U17) eingeladen. „Der TV Mühlacker hat bereits zehn Fechter gemeldet. Und auch der TV Pforzheim hat schon zugesagt“, freut sich Gerhard Maulick.

 Die Württembergischen Meisterschaften der Aktiven am Samstag, 8. Januar, beginnen um 9 Uhr mit dem Einzelwettbewerb der Herren, um 10 Uhr starten die Damen. Die Mannschaftswettbewerbe finden direkt im Anschluss statt und beginnen voraussichtlich zwischen 14 und 15 Uhr.

 Das Illinger Strombergturnier für Florett- und Degenfechter der Altersklassen U9 bis U17 startet am 9. Januar um 10.30 Uhr. Beide Veranstaltungen sind bewirtet.

Weiterlesen
Handel: Öffnung gäbe einen Schub

Handel: Öffnung gäbe einen Schub

Geschäftsinhaber unterstützen Forderung des Mühlehof-Investors nach Abschied von der Fußgängerzone. Mühlacker – Mit seiner kritischen Haltung zur Mühlacker Fußgängerzone steht Frank Witte nicht allein. Der Einzelhandel und weite Teile des Gemeinderats… »