Vorfall schockt Freudensteiner Camper

Erstellt: 31. August 2007, 00:00 Uhr
Vorfall schockt Freudensteiner Camper Kinder werden oft zur Zielscheibe von Straftaten. Foto: Hansen

Mann soll Zehnjährige in Wohnwagen gebracht haben – Verdächtiger in Untersuchungshaft – Polizei ermittelt

Knittlingen-Freudenstein – Der Campingplatz bei Freudenstein ist Schauplatz eines Besorgnis erregenden Vorfalls geworden: Ein älterer Mann soll ein zehnjähriges Mädchen in seinen Wohnwagen mitgenommen haben.

VON THOMAS SADLER
UND MAIK DISSELHOFF

Freiheitsberaubung – diesen Vorwurf erhebt die Staatsanwaltschaft Pforzheim gegen den 70 Jahre alten Mann, wie Oberstaatsanwalt Hans-Werner Schwierk auf Nachfrage unserer Zeitung sagt.

 Der Campingplatz des Knittlinger Stadtteils Freudenstein ist ein beliebter Erholungsort, wo sich Familien vom Alltagsstress erholen. Doch der Vorfall vom vergangenen Wochenende versetzte die Campingplatzgemeinde in einen Schockzustand. Zunächst, so Oberstaatsanwalt Schwierk, habe es nach sexuellem Missbrauch ausgesehen. Doch habe sich diese Befürchtung bisher nicht als erwiesen herausgestellt.

 Beunruhigend ist der Vorfall dennoch, obwohl zunächst alles vermeintlich harmlos anfing: Die Zehnjährige, die mit ihren Eltern auf dem Campingplatz Ferien machte, habe in der Nacht auf Sonntag auf die Toilette gemusst, berichtet Schwierk. Auf dem Weg dorthin hat sie der 70-Jährige, der ebenfalls in Freudenstein campierte, angeblich angehalten, auf den Arm genommen und in seinen Wohnwagen gebracht.

 Dort, teilt Schwierk mit, sei sie ungefähr acht Stunden lang gewesen. Als das Mädchen vermisst wurde, lief eine Suchaktion an. Dies bestätigt Campingplatzbesitzer Frank Herm. Doch zunächst sei die Suche erfolglos verlaufen, sodass man zusätzlich die Polizei eingeschaltet habe, so Herm.

 Wie die Suche nach der Vermissten auf dem Campingplatz ausging, erzählt der Oberstaatsanwalt: Als die Zehnjährige gehört habe, wie jemand ihren Namen rief, sei sie aus dem Wohnwagen weggelaufen. Der festgenommene Mann selbst behaupte, das Kind sei ohne sein Zutun in seinen Wagen gekommen. Die Zehnjährige sei äußerlich unversehrt, sagt Schwierk.

 Die Staatsanwaltschaft handelte angesichts der Umstände rasch. Sie beantragte wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung einen Haftbefehl, der unverzüglich erlassen wurde. „Seit Montag sitzt der Mann in Untersuchungshaft“, teilt Schwierk mit. Unterdessen ermittle die Kriminalpolizei Mühlacker „in alle Richtungen“ – also auch hinsichtlich eines möglichen Sexualdelikts.

 Nach dem Vorfall sei zwar niemand abgereist, doch „die Aufregung war schon groߓ, sagt Campingchef Herm. Besonders geschockt war Herm selbst, denn er habe den 70-Jährigen gekannt. „Er war Dauercamper.“ Die Zehnjährige sei mit ihren Eltern und einer Gruppe auf Kurzurlaub auf dem Freudensteiner Platz gewesen, um einen anderen Dauercamper zu besuchen, berichtet Herm. Die Gruppe habe drei Einheiten auf dem Areal gemietet.

 Normalerweise sei es eher unwahrscheinlich, dass ein Mädchen freiwillig in den Wohnwagen eines Mannes gehe, den sie nicht vorher schon gekannt habe, so die Einschätzung von Angela Blonski, Leiterin von Lilith, einer Fachberatungsstelle für von sexuellem Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche in Pforzheim.

 Nachts seien Kinder für gewöhnlich auch eher ängstlich. Eine wichtige Frage im Zusammenhang mit dem Vorfall auf dem Campingplatz sei auch, wie das Mädchen angetroffen worden sei, als es schließlich gefunden wurde: „War es verstört? Hat es geweint? Normalerweise müsste dies der Fall gewesen sein, wenn ein zehnjähriges Mädchen gegen den eigenen Willen festgehalten wird“, macht Blonski deutlich.

 Ob eine Freiheitsberaubung allein schon traumatische Folgen haben könne, darüber will Blonski angesichts der vielen Unbekannten keine Mutmaßungen anstellen. „Das kann nicht generell gesagt werden. Das hängt von den Umständen und vom Kind ab.“ Eine mehrstündige Freiheitsberaubung könne traumatische Folgen bewirken, „je nach dem, was passiert ist, und wie viel Angst das Mädchen hatte“.

 Doch für Schlussfolgerungen dieser Art müsse man mehr zu dem Vorfall wissen, stellt die Leiterin der Pforzheimer Fachberatungsstelle fest.

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