Von der Sonne entwöhnt

Erstellt: 31. August 2006, 00:00 Uhr
Von der Sonne entwöhnt Die Silhouette Mühlackers durch einen Regenschleier gesehen: im August 2006 beileibe kein seltenes Bild. Foto: Eier

Mühlacker Wetter-Bilanz für August fällt ernüchternd aus – Fast so viel Regen wie im November 2005.

Mühlacker – Das Faxgerät, das der Betreuer der Wetterstation bei den Mühlacker Stadtwerken gefüttert hat, spuckt Seite um Seite eine lange Kolonne von Zahlen aus. Zahlen, die belegen, dass der August 2006 überall im Land, auch im Raum Mühlacker, mit Extremen aufwartet konnte. August 2006: eine ziemlich feuchte Bilanz.

VON CAROLIN BECKER

Die Mitarbeiterin blickt an ihrem klatschnassen Anorak hinunter und stöhnt. Eben hat sie sich die wenigen Meter vom Parkplatz ins trockene Büro gerettet. „Und dann noch ein Lied über den Sommer im Radio…“ Als Sommermonat hat den heute zu Ende gehenden August wohl kaum jemand in der Region empfunden. Und das individuelle Erleben lässt sich mit den Mühlacker Messergebnissen untermauern.

 Noch am wenigsten weichen die Durchschnittstemperaturen von denen des Jahres 2005 ab. Brachte es der August vor einem Jahr in Mühlacker auf einen Durchschnittswert von 17,4 Grad Celsius, so lagen die auf der August-Zielgeraden 2006 ermittelten durchschnittlichen gut 16 Grad nicht allzu weit darunter, bewegten sich allerdings in den Regionen des September 2005. Der brachte mit 30,5 Grad auch eine höhere Spitzentemperatur als der diesjährige August zustande. Die am Samstag, 19. August 2006, gemessenen 28,1 Grad bedeuteten für Mühlacker das Höchste der August-Gefühle. Beschrieb die Temperaturkurve im August 2005 nach wechselvollem Beginn zum Monatsende einen kontinuierlichen Aufwärtstrend, so ging dem Sommer dieses Jahr im selben Zeitraum scheinbar die Puste aus – mit einem vorläufigen Tiefpunkt vergangenen Dienstag, als kaum die 15-Grad-Marke geknackt wurde.

 Ähnlich wie im Vorjahr spielte sich die heißeste Phase des Jahres früher ab. Schweißtreibende Werte von bis zu 36,5 Grad wurden in der zweiten Junihälfte und im Juli erreicht. Zum Vergleich: Der Rekordsommer 2003 bescherte Mühlacker bis Mitte August konstant einen Anstieg der Quecksilbersäule auf 34 bis 38 Grad. Es folgten Sommertage, an denen es durchschnittlich 28 Grad war wurde. Ein deutlicher Einbruch der Temperaturen vollzog sich zum Monatsende.

 Verursachte der heiße Sommer 2003 vor allem durch seine extreme Trockenheit Probleme in Land- und Forstwirtschaft, so wartete der August dieses Jahres mit deutlich mehr Regen auf. Ganze viermal konnte es sich der Einwohner von Mühlacker leisten, ohne Schirm aus dem Haus zu gehen. Die übrigen Tage brachten Niederschlag, der allerdings häufig nur in geringen Mengen fiel. Anders am Montag, 28. August. Die Daten des Internet-Wetterdienstes wetter-online.de bescheinigen dem Raum Mühlacker eine Niederschlagsmenge von rund 25 Litern pro Quadratmeter. Dies bedeutet nicht nur den Spitzenwert im August 2006, sondern auch eine Regenmenge, die nur geringfügig unter dem Wert für den gesamten Monat November des vergangenen Jahres und deutlich über dem Januar-Wert 2006 liegt.

 Im langjährigen Vergleich gilt der August allgemein als regenreicher Monat, doch übertraf der August 2006 den Vergleichszeitraum 2005 um mehr als 100 Prozent. Bis zum regenreichsten Tag am vergangenen Montag waren im August 2006 in Mühlacker bereits 133,1 Liter pro Quadratmeter gefallen – mehr als im Juni und Juli zusammen.

2005 schien die Sonne täglich drei Stunden länger

Zeigte sich Petrus, was die Niederschläge angeht, von seiner großzügigen Seite, ließ sich dafür die Sonne nicht allzu häufig ohne Wolkenschleier sehen – kaum häufiger als in den Monaten Januar und März. Die Mühlacker Wetterstation registriert die Sonnenscheindauer in Minuten. Dennoch bewegt sich die für den August errechnete Summe nur im vierstelligen Bereich. Sonnenstrahlen gab es innerhalb von vier Wochen nur etwa 7200 Minuten oder 120 Stunden lang zu genießen. Dies entsprach einem Durchschnittswert von etwa vier Stunden pro Tag. Fast sieben Stunden täglich hatte die Sonne dagegen im August vor einem Jahr vom Himmel gelacht.

 Damals leiteten die recht warmen und trockenen letzten Augusttage einen goldenen Spätsommer mit September-Höchstwerten von über 30 Grad und kaum weniger Sonnenstunden als im August ein. Vielleicht spart sich ja auch der Sommer 2006 seine besten Tage bis zum Schluss auf.

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