Vom Schneebesen bis zur Unterwäsche

Erstellt: 26. Januar 2012, 00:30 Uhr
Vom Schneebesen bis zur Unterwäsche Auf dem Krämermarkt ist allerhand geboten. Mit geputzten Schuhen marschiert es sich noch eleganter zu den Ständen, an denen unter anderem Haushaltsgeräte angeboten werden.

Mühlacker. Rund 20 Händler haben am Mittwochmorgen ihre Stände auf dem Konrad-Adenauer-Platz aufgebaut. Von 10 bis 18 Uhr bieten sie ihre Waren feil. Bei perfektem Marktwetter, wie Harald Hepp, der hier Unterwäsche verkauft, zufrieden bemerkt: „Es ist trocken, die Sonne scheint, und es ist nicht zu kalt“, findet der Händler, der seit rund vier Jahren regelmäßig auf den Mühlacker Krämermarkt kommt. An seinem Stand könnten die Kunden die Unterhemden und Unterhosen anfassen und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Qualitäten fühlen, bevor sie sich zum Kauf entscheiden, erklärt der Wäschehändler und betont, dass dies heute, wo nicht mehr jedes Unterhemd einfach aus Baumwolle sei, aus seiner Sicht schon notwendig sei.

Ein paar Stände weiter ist Fred Schwind davon überzeugt, dass die Kunden die Auswahl an Gewürzen, die sie an seinem Stand fänden, in einem Geschäft nicht anträfen. Von Anis über verschiedene Fleischgewürze bis hin zum Tee reiche sein Angebot, das übrigens ständig erweitert werde, weil viele neue ausländische Gewürze dazukämen. Die Kunden scheinen das zu schätzen, rund 90 Prozent Stammkunden kämen hier in Mühlacker an seinen Stand und wüssten immer genau, was sie kaufen wollten. Daher beunruhigt es den Gewürzhändler auch nicht, dass der Krämermarkt am Mittwochvormittag noch recht gering besucht ist und dass die Geschäfte allgemein schlechter laufen. Die Stammkunden kämen bestimmt. Auch Dieter Ziesel, der den Spezialschneebesen zum Milch aufschäumen oder Vinaigrette machen anpreist, stellt fest, dass das Internet und die Shoppingsendungen im Fernsehen eine Konkurrenz für die reisenden Händler seien. Doch auch wenn die Geschäfte schlechter laufen, einfach aufzugeben kommt für Dieter Ziesel nicht infrage. „Einmal Markt, immer Markt“, findet er und erklärt, die Händler bräuchten die Kommunikation mit den Menschen. Genau darin liege auch der Vorteil der Krämermärkte: „Bei uns läuft keiner weg, bevor er’s nicht begriffen hat.“

Und schon erklärt er zwei älteren Damen, die interessiert vor seinem Stand stehengeblieben sind, wie das funktioniert mit dem Aufschäumen der Milch. „Immer rauf und runter mit dem Schneebesen im Milchgefäß, und schon ist der Superschaum fertig.“ Der bleibt sogar im Becher, wenn Dieter Ziesel das Gefäß umdreht. Na ja, zumindest für einige Zeit, dann folgt auch der Superschaum dem Gesetz der Schwerkraft.

Viele Besucher sind gezielt auf den Krämermarkt gekommen, so auch Elvira Rischar aus Ölbronn, die gemeinsam mit ihrer Mutter und der Tante unterwegs ist. Ihr gefällt vor allem, dass man „schön mit den Leuten reden kann“ und dass sich die Händler viel Mühe mit ihren Ständen machen würden. Ein anderer Marktbesucher erzählt, dass er immer hierherkomme, um sich Socken zu kaufen.

Auch wenn die Händler angesichts der geringen Zahl an Marktbesuchern sicherlich keinen riesengroßen Umsatz machen, der Termin für den nächsten Krämermarkt steht bereits: Am letzten Mittwoch im April wird er stattfinden. Das ist genauso Tradition wie der Winterkrämermarkt, der immer am letzten Mittwoch im Januar in die Stadtmitte lockt, oder wie der Herbstkrämermarkt, der immer auf den ersten Mittwoch im September fällt.

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