Volleyball ade! Verena Veh hört auf

Erstellt: 9. Juni 2006, 00:00 Uhr
Volleyball ade!  Verena Veh hört auf Die 28-Jährige Ausnahmespielerin aus Mühlacker legt den bunten Ball auf die Seite.

 Ausnahmespielerin aus Mühlacker beendet ihre Karriere – 28-Jährige konzentriert sich auf die berufliche Laufbahn:

Verena Veh beendet ihre Karriere: Die Volleyball-Ausnahmespielerin aus der Senderstadt hat das Vertragsangebot der Roten Raben aus Vilsbiburg abgelehnt und wird sich nun ganz auf ihren beruflichen Weg konzentrieren. „Es wird Zeit, etwas Neues zu tun“, macht die 28-Jährige deutlich. Mit dem SSV Ulm Aluid Pharma holte sich die Mittelblockerin 2003 das Double. Außerdem kann „Vivi“ auf 45 Einsätze im Nationaltrikot zurückblicken.

VON MIRKO BÄHR

Es war eine erfolgreiche Laufbahn: Ihr Debüt in der Ersten Volleyball-Bundesliga feierte die 28-Jährige mit Schwerte im Jahr 1997. Nach zwei Spielzeiten wechselte Veh zum USC Münster, der Adresse im deutschen Damen-Volleyball. Im Jahr 2000 ging es für vier Jahre nach Ulm, wo sie dann die größten Erfolge bejubeln durfte. Nachdem die Mannschaft dort auseinanderfiel, unterschrieb Verena Veh in Vilsbiburg, bei den Roten Raben.

 Drei Pokalsiege (1998, 2000 und 2003), ein Deutscher Meistertitel (2003), der zweite Platz beim Top-Teams-Cup im Jahr 2004, zwei Vizetitel mit den Bayern und die Teilnahmen an den Europameisterschaften (1997) und 2002 bei den Weltmeisterschaften pflastern den Weg der Mühlackerin, die beim Turnverein Lienzingen den Volleyballsport erlernte. Von Lienzingen aus ging es dann zum TV Creglingen, dem TSV Schmiden und zum SV Sinsheim, bevor Verena Veh der Sprung in die höchste deutsche Spielklasse glückte.

 Wehmut kommt trotzdem nicht auf. Das hat auch einen ganz bestimmten Grund: „Für mich ist es wichtig, aus freien Stücken zu entscheiden“, lässt Veh wissen. Das habe sie nun auch getan. „Es war ein reifender Prozess“, erklärt sie. Es sei an der Zeit, etwas Neues zu tun. „Ich möchte in einen Beruf einsteigen“, sagt Veh, die zur Zeit ein Praktikum beim Flughafen München absolviert. „Ich kann da in verschiedene Bereiche hineinblicken, am liebsten wäre mir aber der Werbung- und Marketingbereich.“
 Bisher sei sie zudem von größeren Verletzungen verschont geblieben. Allerdings das eine oder andere „Zipperlein“ habe sie in der vergangenen Saison schon gespürt. „Bin ja auch nicht mehr die Jüngste“, meint sie auf den Volleyballsport bezogen. Die Roten Raben aus Vilsbiburg hätten es trotzdem gerne gesehen, wenn ihre Spielerin mit der Nummer drei noch eine weitere Saison dran gehängt und im August das Training wieder aufgenommen hätte.

 Die Senderstädterin hat sich aber anders entschieden. Bereut sie es schon? „Nein, das tut mir nicht leid, ich informiere mich ja noch und habe immer noch Kontakt zu den Spielerinnen“, erklärt die Diplom-Sportwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Management. Zusammen mit Freund Christian Knötzele wohnt die 28-Jährige noch in Vilsbiburg, allerdings sind die Beiden derzeit auf Wohnungssuche. Nicht in Mühlacker, in den Münchener Norden zieht es das Paar. „Uns gefällt es hier, wir fühlen uns wohl. Es passt gerade, wollen momentan nicht zurück.“

 Auf „viele schöne Momente“ kann Verena Veh zurückblicken. Einen besonderen herauszupicken, das fällt ihr jedoch schwer. Es gibt einige: Etwa die WM im eigenen Land, die Länderspiele beim Grand Prix in Asien, als Veh & Co. gleich zweimal die Brasilianerinnen schlagen konnten, oder der „Top-Teams-Cup“, als die Ulmerinnen am Ende in der Türkei auf den zweiten Platz kamen. Die schönste und gleichzeitig auch die erfolgreichste Zeit seien natürlich die beiden letzten Spielzeiten in Ulm gewesen. „Da ist ein Team zusammengewachsen“, blickt Verena Veh gerne zurück. „Die beste Zeit.“ Kein Wunder, schließlich durfte das Double, nämlich Pokalsieg und Deutsche Meisterschaft bejubelt werden.

 45 Partien absolvierte die Mittelblockerin für die deutsche Nationalmannschaft. Sie mischte bei Europa- und Weltmeisterschaften mit, nur die Teilnahme bei den Olympischen Spielen blieb ihr verwehrt. Erst war es eine Verletzung, die ihr einen Strich durch die Rechnung machte, dann fuhr der Olympiazug erneut ohne sie ab. Diesmal war es die „freie Entscheidung“ von Verena Veh, die ihrer Abschlussprüfung eine größere Priorität einräumte. Außerdem bedeutete die Doppelbelastung einen „mords Stress“ für Verena Veh. „Ich war immer auf Achse, das war einfach zu viel, das wollte ich nicht. 365 Tage im Jahr Leistung bringen, immer Vollgas und dann kamen noch die Prüfungen dazu.“

 Langweilig wird es der Apfelschorle-Liebhaberin allerdings jetzt nicht werden. Das Praktikum am Flughafen geht über drei Monate, daneben hält sie sich mit Radfahren, Inlinern, Schwimmen und Wandern fit. Außerdem braucht sie den Sport als Ausgleich. Und wenn es sich mit dem Beruf vereinbaren lassen würde, dann könnt es sogar sein, dass Verena Veh mit der Vilsbiburger Reserve in der Zweiten Liga an den Start geht. „Ich habe diese Option zwar nicht ausgeschlagen, aber zuerst kommt ganz klar der Beruf. Die Chancen liegen bei zwei Prozent.“

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