Voll auf allerhöchste Qualität gesetzt

Erstellt: 29. September 2006, 00:00 Uhr
Voll auf allerhöchste Qualität gesetzt Beim Sternenfelser Gespräch: Intendant Andreas Mölich-Zebhauser, Moderator Dr. Stephan Mohren und Festspielhaus-Geschäftsführer Michael Drautz (v.l.).

Sternenfelser Gespräche: Wie das Festspielhaus Baden-Baden eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat.

Sternenfels – Andreas Mölich-Zebhauser und Michael Drautz haben bei den Sternenfelser Gesprächen über die Entwicklung des Baden-Badener Festspielhauses vom Sanierungsfall zum ersten privat finanzierten Opernbetrieb in Europa berichtet. Etwa 150 geladene Gäste in der Diefenbacher Gießbachhalle zeigten sich tief beeindruckt.

VON ANDREA GARHÖFER

Als Andreas Mölich-Zebhauser als Intendant und Geschäftsführer sowie Michael Drautz als kaufmännischer Geschäftsführer im Jahr 1998 im übertragenen Sinn die Bühne des Baden-Badener Festspielhauses betraten, schien es aller Welt, als übernähmen sie ein bereits rettungslos gescheitertes Unternehmen: Nur drei Monate nach seiner Eröffnung hatte das ambitionierte Projekt vor der Insolvenz gestanden. Was die beiden Geschäftsführer anschließend bewirkt haben, wurde in einem „Spiegel“-Artikel mit der Überschrift: „Walkürenritt über den Schuldenberg“ beschrieben. „Wir haben uns das Ziel gesteckt, das Festspielhaus zu einem neuen Fixstern am europäischen Kulturhimmel zu entwickeln, und das ist uns gelungen“, bilanzierte Michael Drautz selbstbewusst. Seit vier Jahren ist das Festspielhaus der erste rein privat finanzierte Konzert- und Opernbetrieb in Europa.

 Doch wie gelang diese Wende? Anstatt in der verfahrenen Situation zunächst kleinere Brötchen zu backen, steckte sich die neue Geschäftsführung gleich große Ziele: „Wir haben am Opernhaus festgehalten und dabei voll auf allerhöchste Qualität gesetzt. Für uns kam nur ein künstlerisches Programm der Weltklasse in Frage.“

 Dazu wurde in den vermeintlichen Sanierungsfall zunächst noch einmal kräftig investiert: Auf 6,5 Millionen Euro belief sich die dreijährige „Anschubfinanzierung“. Die Mitarbeiterstrukturen wurden verändert, eine private Trägerstiftung wurde gegründet, und der Bereich Spenden und Sponsoring erhielt hohe Priorität. „Am Anfang der Überlegungen muss die Idee stehen, nicht das Budget. Für starke Ideen finden Sie immer auch Spender und Sponsoren“, fasste Andreas Mölich-Zebhauser zusammen. Und das Wichtigste bei der Umstrukturierung: „Wir haben die Marke ,Festspielhaus Baden-Baden‘ aufgebaut, und die steht für ein Premiumprogramm in einem Premiumhaus“, erklärten Drautz und Mölich-Zebhauser.

 Kern dieser Marke seien die Bereiche Kunstkompetenz und Gastfreundschaft. „Wir wollen perfekte Gastgeber sein und den Besuchern unseres Hauses ein sehr hochwertiges, rundum gelungenes und unvergessliches Kunsterlebnis ermöglichen – auf der Bühne, aber auch generell in unserem Haus. Das beginnt bei der Ticketbestellung und dem Empfang im Haus und geht weiter bis zum Bereich Gastronomie.“

 Das Festspielhaus Baden-Baden habe sich zu einem der angesehensten Opernhäuser in Europa entwickelt. „Eine komfortable Ausgangssituation, aber es gibt auch noch jede Menge Potential, sich weiter zu entwickeln“, betonte Intendant Andreas Mölich-Zebhauser.

 Groß war die Bandbreite an Themen, die bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum aufgeworfen wurden. Natürlich war die Berliner Idomeneo-Absetzung ein Thema. „Kunst verlangt auch Gespür, Verantwortung und Geschmack. Manchmal muss man sich einfach überlegen, ob man unter aktuellen Gesichtspunkten nicht einen Schritt zu weit gegangen ist“, so Mölich-Zebhauser dazu. Gefragt wurde der Intendant auch nach dem Einfluss der Stifter und Sponsoren auf die Programmgestaltung. „Sie geben Anregungen, die uns sehr wichtig sind und für die wir uns interessieren, aber sie reden uns nicht rein. Wenn es so weit käme, wäre das im Übrigen mein letzter Tag in Baden-Baden.“

 Und wie sieht es mit dem Bereich Entertainment in Baden-Baden aus? „Wir haben den Traum, auch im Entertainment-Bereich höchste Qualitätsmarken zu setzen. Aber das Angebot muss in der Qualität zur ,Marke Festspielhaus‘ passen“, unterstrich Michael Drautz. „Mit allem anderen täten wir uns langfristig keinen Gefallen.“

 Nach der Diskussionsrunde wurden die Gäste von der Weingärtnergenossenschaft Diefenbach, der Arbeitsgemeinschaft Sandbauern und den Sternenfelser Landfrauen bewirtet. Bei einem Glas Diefenbacher Wein und einem schwäbischen Imbiss war der richtige Rahmen für anregende Gespräche und Diskussionen gegeben.

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