Vieles unklar vor dem ersten Start

Erstellt: 18. April 2012, 23:30 Uhr
Vieles unklar vor dem ersten Start Rennsport verschlingt Tausende von Euros: Dominik und Patrick Vincon lassen sich trotz schmalem Budget nicht entmutigen. Foto: privat

Dominik und Patrick Vincon haben die Hände quasi schon am Gashebel. Am kommenden Wochenende startet das Knittlinger Brüderpaar in die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM), beide treten in der Supersport-Klasse an. Noch aber ist unklar, ob sie die komplette Saison durchfahren können.

Von Steffen-Michael Eigner

Knittlingen. Im Budget der Familie Vincon klafft noch immer eine Loch. „Die Saison ist noch nicht abgesichert“, sagt x Sonja Vincon. Immerhin aber hat sie in den vergangenen Wochen weitere Sponsoren für ihre beiden Söhne gewonnen. Eine Bäckerei und eine Metzgerei aus Knittlingen sind dabei, außerdem Firmen aus Heilbronn und Bauerbach. Wie groß die Deckungslücke ist, mag Sonja Vincon nicht verraten. Nur soviel: „Die Beträge in dieser Sportart sind ganz schön heftig.“ Unschwer, sich vorzustellen, dass für das Instandhalten und Reparieren der Motorräder, die Schutzkleidung, das Equipment und die ständigen Reisen schnell die Tausender zerrinnen. Erst vor kurzem mussten die Vincons eine neue Boxen-Ausrüstung anschaffen.

Normalerweise seien mindestens 80000 bis 100000 Euro Jahresbudget notwendig, um eine Saison in der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) auf Topniveau zu fahren. Die abgelaufene IDM-Saison bestritt Dominik Vincon mit einem Etat von unter 20000 Euro, nicht einmal einem Viertel des Üblichen, und belegte trotzdem den 13. Platz im Gesamtklassement der Supersport-Klasse. Aus dem privaten Geldbeutel jedenfalls lässt sich eine Saison in der IDM Supersport nicht bestreiten, räumt Sonja Vincon ein.

Nach Sturz bei der erstenTrainingsfahrt hilftPatrick Vincon als Mechaniker

Da wäre wünschenswert, wenn wenigstens ein Testwochenende reibungslos verlaufen würde. Doch auch das war Dominik und Patrick Vincon über Ostern nicht vergönnt. Am Mittwoch zuvor waren noch die letzten Teile an den Motorrädern verbaut, Wohnmobil und Anhänger vollgepackt worden. An Gründonnerstag fuhr die Familie zum Lausitzring bei Cottbus, wo am kommenden Wochenende auch das erste Rennen stattfindet. Noch am Donnerstagabend bauten die Vincons ihre Boxeneinrichtung auf und bereiteten die Motorräder für das Training vor.

Doch der Blick aus dem Fenster an Karfreitag war ernüchternd. „Das Wetter war so schlecht, dass man kaum fahren konnte“, berichten sie. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mochten sich die Reifen nicht recht mit dem Asphalt anfreunden. Dies musste Patrick Vincon bitter erfahren, gleich in seiner ersten Trainingsfahrt knickte dem 19-Jährigen beim Anbremsen auf der Geraden vor der Schikane das Vorderrad ein. Bei dem Sturz blieb er zwar unverletzt, doch sein Motorrad war beschädigt und konnte vor Ort nicht wieder fahrbereit gemacht werden. Also arbeitete Patrick Vincon als Mechaniker für seinen 20-jährigen Bruder.

„Dominik spulte zwar einige Testkilometer ab, aber an Rundenzeiten, Fahrwerkseinstellungen und Reifentest war nicht zu denken“, berichtet Sonja Vincon. Die Rundenzeiten seien fast drei Sekunden langsamer gewesen als bei „normalen“ Temperaturen in den Jahren zuvor. „Viel mehr war also bei diesen Bedingungen nicht drin, und Dominik wollte nicht auch noch einen Sturz riskieren.“ Auch an Ostersamstag wurde es nicht besser. Der Regen ging in leichte Schneeschauer über, weshalb fast alle Teams das Training abbrachen.

So sind die Vincon-Brüder derzeit in zweierlei Hinsicht im Unklaren: einerseits, ob die Motorräder konkurrenzfähig sind, und andererseits, ob das Geld für die Saison reichen wird. Noch aber geben sie die Hoffnung nicht auf, weitere Unterstützer zu finden. Auf den Motorrädern ist noch Platz für Aufkleber, ebenso auf dem Anhänger, der meist vor dem Haus der Familie in Knittlingen parkt, und auf den Webseiten der beiden Brüder haben ohnehin beliebig viele Firmenlogos Platz. Auch für Autogrammstunden stünden Patrick und Dominik Vincon den Sponsoren zur Verfügung, macht ihre Mutter deutlich.

„Oft nehmen wir auch Sponsoren mit zu den Rennen. Und wer einmal dabei war, die Atmosphäre in der Boxengasse erlebt hat, der kommt immer wieder“, sagt Dominik Vincon. „Mindestens unter die Top-Ten im Gesamtklassement“, will der 20-Jährige in der IDM Supersport erklärtermaßen fahren, dazu „ein paar Top-Fünf-Ergebnisse sammeln.“ Sein jüngerer Bruder Patrick setzt sich für seine Premieren-Saison in dieser Rennserie bescheidenere Ziele: „Ein paar Punkte will ich sammeln“, erklärt der 18-Jährige.

www.patrickvincon.dewww.dominikvincon.de

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