Viele Jugendliche laufen in die Handy-Falle

Erstellt: 29. November 2006, 00:00 Uhr
Viele Jugendliche laufen in die Handy-Falle Handy und Geldprobleme: Da besteht oft ein direkter Zusammenhang. Foto: Stierle

Volksbank-Experten warnen Knittlinger Faust-Schüler vor Tricks von Anbietern und akuter Schuldengefahr

Knittlingen – Viele Jugendliche können kaum über ihren Schuldenberg hinaussehen. Grund: ihr Handy. Um gegenzusteuern, haben an der Dr. Johannes-Faust-Schule in Knittlingen zwei Experten der Volksbank Achtklässler über die Gefahren des Umgangs mit Mobiltelefon und Internet aufgeklärt.

VON CHRISTIAN STIERLE

Rektor Roland Evers freute sich, Andreas Bickel und Josef Polzer von der Volksbank Maulbronn/Oberderdingen begrüßen zu dürfen, zumal Bickel von 1972 bis 1982 die Fauststädter Realschule besuchte.

 Zum Einstieg in das Thema wurde eine aufgezeichnete Reportage aus der ZDF-Reihe „37 Grad“, die sich mit dem Handy-Problem auseinandersetzt, gezeigt. Die Fakten, die darin dargelegt wurden, sind ebenso erschütternd wie erschreckend.
 In Deutschland beträgt die Verschuldung bei Jugendlichen 3,5 Milliarden Euro, das bedeutet konkret, zehn Prozent der Jugendlichen sind hochgradig verschuldet, Tendenz steigend.

 Andreas Bickel fasste am Ende der Fernsehreportage das Wesentliche noch einmal kurz zusammen und berichtete aus seinem Arbeitsleben. „Solche Dinge kommen täglich vor, sodass wir als Bank für Kinder und Erwachsene erzieherische Maßnahmen ergreifen müssen.“

 Bickel zeigte die fragwürdigen Aktivitäten mancher Unternehmen über das Internet auf. So gebe es Internetseiten, bei denen man sich durch das Einloggen automatisch vertraglich binde. Viele Jugendliche klicken ahnungslos, ohne das Kleingedruckte zu lesen. Und kaum haben sie sich versehen, befinden sie sich im Teufelskreis der Verschuldung.

 Das Ausmaß ist ausgesprochen alarmierend: Sechs von 100 Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren haben Schulden von 370 Euro, 18- bis 20-Jährige in Höhe von 1430 Euro. Doch wer denke, ihm könne nichts passieren, weil er noch minderjährig ist, der täusche sich, warnte Bickel.

 Ein weitere Art, durch die Jugendliche Geld verlieren, sind die so genannten „Premium SMS“. Man schickt eine SMS an eine fünfstellige Telefonnummer und kann sich dann einen Klingelton oder ein Spiel aufs Handy herunterladen. Bickel berichtete, wie eine Kollegin von ihm dieses Angebot einmalig angenommen und damit unbewusst einen Vertrag abgeschlossen habe. Nun müsse sie monatlich 2,58 Euro an Jamba zahlen, bis der Vertrag ausläuft, obwohl sie dessen Angebote nicht in Anspruch nehme.

 Josef Polzer rechnete den Schülern hoch, wie teuer eine Handyrechnung werden kann. Ausgehend von einem Rechnungsbetrag von 160 Euro, können sich im schlimmsten Fall hunderte von Euro an Verbindlichkeiten anhäufen, und am Schluss kann eine Pfändung drohen. Weitere Folgen können ein Eintrag in das SCHUFA-Register oder ein Verbraucherinsolvenzverfahren sein. Dies wirkt sich nicht nur auf die Liquiditätsrechnung bei der Kreditberechnung aus, sondern kann auch bei möglichen Bewerbungen im Berufsleben der Grund für eine Absage sein.

 Deswegen fordert der Fachmann von der Volksbank: „Eltern sind dafür verantwortlich, Kindern zu zeigen, wie man richtig mit Geld umgeht. Das A und O ist das Elternhaus“, so Polzer, Vater zweier erwachsener Töchter, im Gespräch mit dem Mühlacker Tagblatt.
 Doch wie kann man nun sich und seine Kinder vor den Gefahren schützen? Andreas Bickel meint: „Man muss ein setzbares Limit haben.“ Die Prepaid-Karten seien eine ideale Lösung, bei diesem System zahlt man im Voraus den Betrag, den man abtelefonieren möchte. So kann man den Kindern beibringen, vernünftig mit Geld umzugehen, und zudem bleibt dann das böse Erwachen am Monatsende aus.

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