Viel Lärm um ein stilles Örtchen

Erstellt: 31. Juli 2008, 00:00 Uhr
Viel Lärm um ein stilles Örtchen Kanu-Gruppe mit Jugendlichen am Mühlacker Hallenbad. Foto: Sadler

Das WC im Mühlacker Hallenbad ist Anlaufpunkt zahlreicher Erleichterung suchender Kanufahrer

Mühlacker – Bäderbetriebsleiter Pfisterer ist genervt. Seit Wochen ist das Mühlacker Hallenbad gefragte Anlaufstelle von Kanufahrern, die auf ihren Touren eine Toilette suchen und zu Dutzenden im Bad anklopfen. Im Rathaus wird bereits überlegt, in Mühlhausen eine WC-Anlage aufzustellen.

VON THOMAS SADLER

Offiziell ist das Hallenbad zurzeit geschlossen. Weil die Tür aber wegen der gerade laufenden Sanierungsarbeiten offen steht, hat es eine Gruppe Jugendlicher, darunter ein Mädchen, doch in die Eingangshalle geschafft. Die Besucher wollen allerdings nicht schwimmen und haben sich auch nicht verlaufen. Alle machen einen angespannten Eindruck. Das typische Treten von einem Bein aufs andere legt den Schluss nahe, dass die jungen Herrschaften ein drängendes Bedürfnis verspüren. So ist es auch: Höflich fragen sie Bäderbetriebsleiter Rudi Pfisterer, ob sie mal die Toilette benutzen dürften.

 Der Angesprochene schnauft erst mal durch, ehe er sich aus Gutmütigkeit einen Ruck und die erbetene Erlaubnis gibt. Die Besucher dürfen sich in dem WC neben der Cafeteria erleichtern. Eine Szene, die in der jetzigen Jahreszeit eher die Regel als die Ausnahme ist. Meistens, weiß Rudi Pfisterer, handle es sich um Teilnehmer von Kanuausflügen auf der Enz. „Das fängt so zwei Wochen vor der Urlaubszeit an und geht etwa vier Wochen in die Sommerferien rein.“ Mal paddeln Mitglieder von Vereinen oder Firmenangehörige, die einen sportlichen Betriebsausflug unternehmen, mal sind es Jugendliche wie in dieser Woche eine auswärtige CVJM-Gruppe, die die Enz zwischen Mühlacker und Mühlhausen erkunden möchten.

 An sich eine schöne und sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Rudi Pfisterers Problem dabei: Immer wenn die Kanuten mal „müssen“, stranden sie bei ihm im Hallenbad – mit suchendem Blick in Richtung Toilette. „Das waren schon bis zu etwa 75 Personen an einem Tag“, sagt er. Ganze Schulklassen. Wobei das Bad nicht nur als Anlaufstelle für Bootsfahrer mit Druck auf der Blase dient. „Bei schlechtem Wetter ziehen sich manche hier im Eingangsbereich um.“

 Das größere Dilemma sei freilich jenes rund um das stark nachgefragte stille Örtchen. Auf das WC des benachbarten Freibads will er keine Scharen nicht zahlender Gäste schicken. Auch den Zugang verwehren möchte er nicht. „Da habe ich Mitleid mit den jungen Leuten.“ Beseitigt werden könnte das Ärgernis seiner Meinung nach allenfalls durch das Aufstellen eines öffentlichen Klos an der Enz. „Aber: Wer zahlt das?“, stellt er sogleich selbst die entscheidende Frage.

 Die Rathausspitze macht sich bereits Gedanken darüber, was getan werden könnte. Vorstellbar sei, so Bürgermeister Winfried Abicht, am Bootsausstiegspunkt bei Mühlhausen eine gebührenpflichtige WC-Anlage zu erstellen, die Kanu-Fahrer, Wanderer und Radler nutzen könnten. Fragt sich nur, was für eines. „Die Kosten schrecken ab“, so Abicht. Ein Klo wie jenes beim Bahnhof koste rund 100000 Euro – ohne Reinigungs- und Wartungskosten. Ein Dixie-Häuschen wäre auf Dauer nicht tauglich und erfahrungsgemäß rasch verdreckt. „Wir müssen zusammen mit dem Gemeinderat überlegen, wie viel uns das wert ist“, sagt der Bürgermeister. Abgesehen davon gebe es entlang der Ausflugsstrecke Gaststätten, in denen jemand, der etwas trinkt, auch aufs WC dürfe.

 Indes: Wenn es nach Thomas Wörn, Tourenführer und Einweiser einer Bietigheim-Bissinger Firma, die Kanus vermietet, geht, brauchen die Ausflügler gar keine Toilette. „Ich schicke sie in die Natur, schließlich ist Kanufahren ein Natursport“, meint er. Außerdem seien seine Klienten nicht allzu lange, gewöhnlich „zwei bis vier Stunden“, mit dem Boot unterwegs.

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