Viel Lärm um das Thema Schallschutz

Erstellt: 30. Oktober 2009, 00:00 Uhr
Viel Lärm um das Thema Schallschutz Nördlich der Gleise rücken die Häuser nah an den Bahnsteig heran. Südlich ist eine Lärmschutzwand zum Luigareal hin geplant. Es gibt Befürchtungen, sie könnte den Schall reflektieren. Foto: Hansen

Planungen am Bahnhof Illingen erhitzen die Gemüter – Anwohner nördlich der Gleise fühlen sich benachteiligt.

Die Bahn AG und die Gemeinde Illingen bereiten sich auf umfangreiche Sanierungen am Bahnhof vor. Derweil sorgen sich Anwohner, die nördlich der Gleise wohnen, dass die geplante Lärmschutzwand am südlichen Bahnsteig den Lärm reflektiert und in ihr Wohngebiet schallen lässt.

Von Frank Goertz

Illingen. Schon unmittelbar nachdem im Frühjahr bekannt wurde, dass eine Lärmschutzwand zum Luigareal hin errichtet werden soll, haben 113 Anwohner nördlich der Gleise in einem Schreiben an Bürgermeister Harald Eiberger ihren Befürchtungen Ausdruck verliehen. Und obwohl der Sachverständige Manfred Spinner, der ein Gutachten erstellt hat, wie sich der Lärm auf das neue Gebiet Luigareal auswirkt, versichert, dass die Lärmschutzwand den Schall schluckt und nicht reflektiert, sind die Anwohner nach wie vor sehr besorgt, dass sie zum Opfer einer Lärmschutzmaßnahme werden könnten.

 „Eine Lärmschutzwand, die den Schall vollständig absorbiert, gibt es nicht“, sagt Björn Greinert, einer der Sprecher der Illinger Anwohnerinitiative. Er habe das Gefühl, dass die Verwaltung ihre Ängste und Sorgen nicht richtig ernst nehme und sie mit dem Verweis auf die „hochabsorbierende Wand“ verharmlose. „Viele Anwohner zahlen hier seit Jahrzehnten Grund- und Gewerbesteuer. Ihre Anliegen durch Nichtbeachtung zu übergehen, halte ich für unerträglich“, kritisiert Greinert. Deshalb suche die Initiative jetzt Unterstützung bei den Gemeinderatsfraktionen – mit Erfolg. Schon in der letzten Ratssitzung hat sich unter anderem Winfried Scheuermann (CDU) dafür stark gemacht, dass sich der Gutachter Manfred Spinner mit den Anwohnern an einen Tisch setzt und sie ihm ihre Befürchtungen vortragen.

 „Das ist schon einmal ein guter Ansatz“, sagt Greinert, nachdem Scheuermann bei einem Gespräch in dieser Woche seine Initiative bekräftigt hat. „Der Auftrag des Gutachters, die Auswirkungen des Bahnlärms nur auf das Luigareal zu untersuchen, war viel zu eng gefasst“, sieht IT-Fachmann Björn Greinert das Problem ganz tief verwurzelt. „Er hätte auch untersuchen müssen, wie sich die Lärmschutzwand auf das gegenüberliegende Gebiet auswirkt.“

 Den Hinweis von Illingens Bürgermeister Harald Eiberger, dass es nicht so ungewöhnlich sei, auch einseitige Lärmschutzwände zu bauen, lässt Greinert nicht gelten. „Bei meinen Bahnreisen ist mir noch nie aufgefallen, dass bei beidseitiger Wohnbebauung eine Lärmschutzwand nur auf einer Seite steht.“

 Greinert hat eine Vermutung, warum die Gemeinde so beharrlich an ihrer einseitigen Lösung festhält. „Die Kosten für die Schallschutzwand im Süden kann sie über die Erschließungsbeiträge wieder reinholen. Die Wand im Norden müsste die Gemeinde selbst bezahlen, was natürlich in Zeiten klammer Kassen ein Problem ist.“ Greinert fragt sich aber, ob es nicht vielleicht doch einen Ausweg aus dem Dilemma gibt. „Vielleicht kann man auch die beidseitige Variante auf die Erschließungskosten umlegen, ohne dass diese in die Höhe schnellen. Die Wand muss dann ja nicht so nobel und hochabsorbierend sein.“ Dies sei einer der Gedankengänge, die die Anwohnerinitiative bei dem versprochenen Treffen mit dem Lärmschutzexperten Spinner erörtern will. Außerdem schlagen die Anwohner vor, dass jetzt durch Schallschutzmessungen der Status quo im Gebiet nördlich der Bahnlinie festgehalten wird. „Sonst haben wir keine verlässlichen Vergleichsdaten, wenn die Wand nur einseitig errichtet wird und sie den Schall nicht wie versprochen schluckt“, macht Greinert deutlich. Bürgermeister Harald Eiberger hat allerdings schon in der jüngsten Ratssitzung darauf aufmerksam gemacht, dass es nie zwei identische Schallsituationen gibt und die Aussagekraft einer solchen vergleichenden Messung sehr zweifelhaft ist.

 Während in Sachen Schallschutzwand das letzte Wörtchen noch nicht gesprochen ist, ist in Sachen Bahnhofssanierung hingegen alles in trockenen Tüchern. Die Gemeinde will laut Bauamtsleiterin Ottilie Läkemäker möglichst noch in diesem Jahr die Aufträge für die Sanierung des Bahnhofsplatzes vergeben, so dass die Arbeiten – sie kosten rund 65000 Euro – im ersten Quartal 2010 erledigt werden können.

 Die Bahn AG startet sogar schon am morgigen Samstag mit den Sanierungsarbeiten, die sich etwa zwei Monate hinziehen werden. Unter anderem wird der Belag der Bahnsteige in Abschnitten neu gemacht. Außerdem bekommt der Bahnhof eine neue Beleuchtung und dynamische Schriftzuganzeiger, die über Verspätungen informieren. Gestern haben Arbeiter schon mit den Vorbereitungen begonnen.

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