Vereinssport muss zurückstecken

Erstellt: 24. November 2011, 00:30 Uhr
Vereinssport muss zurückstecken Der Kindersport in der Schefenacker-Sporthalle – hier eine Vorführung vor einigen Jahren bei einer Vereinsfeier – muss mit weniger Trainingszeit auskommen. Foto: Fotomoment

Maulbronn. Besonders betroffen ist die Breitensport-Abteilung des TSV Maulbronn, in der auch die Turner organisiert sind. Sie begannen seither jeden Montag um 16 Uhr in der Schefenacker-Sporthalle mit dem Eltern-Kind-Turnen, an dem Zwei- bis Fünfjährige teilnehmen. Nun aber haben die Schüler des Salzachgymnasiums dort bis 16.45 Uhr Sportunterricht. Für Jugendleiterin Heidi Wilhelm ein Problem: „Vielen Eltern ist das zu spät“, fürchtet sie, dass einige der Teilnehmer abspringen könnten. Seit Kurzem beginnt die Turnstunde für die Kleinsten erst gegen 16.50 Uhr. Vor allem die ersten beiden Gruppen mit den Zwei- und Dreijährigen sowie den Vier- und Fünfjährigen seien benachteiligt. „Unsere dritte Gruppe mit den Sechsjährigen geht noch eher, weil nach uns niemand in der Halle ist“, erklärt Wilhelm. So wird die Turnstunde einfach ein wenig verlängert, bis schließlich die Tischtennisspieler des TSV Zaisersweiher zum Training kommen. An einen Wechsel auf einen anderen Wochentag ist kaum zu denken. Erstens ist die Lage an anderen Tagen kaum anders, und zweitens: „Das Eltern-Kind-Turnen am Montag ist einfach eine Institution“, so Heidi Wilhelm, die sich dort seit 15 Jahren engagiert.

Kleiner wird auch das Repertoire an Aktionen, mit dem die Übungsleiterinnen spielen können. Anders als noch vor den Sommerferien könnten sie nicht mehr vor Beginn der Kinderturnstunde aufbauen, sondern müssten dies im laufenden Sportbetrieb machen, weil bis kurz vorher noch die Schüler in der Halle seien. Mit Kästen und anderen Turngeräten eine spitzenmäßige Ritterburg zu zaubern, auf der die Kinder klettern und toben können, ist so kaum mehr möglich. Einschränken müssen sich auch die älteren Mitglieder der Abteilung: Für das Geräteturnen und Leistungsturnen stünden teilweise nur noch ein Hallendrittel statt zwei zur Verfügung. „Die Situation ist nicht zufriedenstellend“, macht Wilhelm klar. Und sie habe sich während der vergangenen Wochen noch verschärft, da auch Leichtathleten und Fußballjugend im Winterhalbjahr ihr Training zunehmend in die Hallen verlegen.

„Die Schulen sind letztlich im Recht, Schule geht vor. Und irgendwie verstehe ich auch die Situation der Schulen“, räumt Heidi Wilhelm ein. Andererseits aber hätte sie sich gewünscht, zeitiger von der Veränderung zu erfahren. „Es wurde zwar mal vage angekündigt, dass das mal so kommen könnte. Aber letztendlich wurden wir nach den Sommerferien vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Sie verweist auch auf die wichtige soziale Funktion ihrer Turngruppen: „Das Kinderturnen ist das Tor zum Vereinssport. Die Kinder machen bei uns die ersten sportlichen Erfahrungen, wechseln danach zum Fußball, Tischtennis, Karate und anderen Sportarten – oder sie bleiben beim Turnen.“

Noch ohne Einschränkungen geht bis dato das Training des Karatevereins Maulbronn in der Silahopphalle vonstatten. Die Vorsitzende und Trainerin Désirée Gode-Elchlepp hofft zwar, dass das noch eine Weile so bleibt. Sicher kann sie sich jedoch nicht sein. Denn im Rathaus ist man sich der Situation durchaus bewusst und sucht nach Lösungen. Eine neue Sporthalle lässt sich natürlich so schnell nicht verwirklichen, also hilft nur, das Problem organisatorisch in den Griff zu bekommen. Eine Umverteilung von Sportgruppen aus der Schefenacker-Sporthalle in die Silahopphalle sei letztlich nicht ausgeschlossen, sagt Brigitte Wagner, die bei der Stadtverwaltung für die Hallenbelegungen zuständig ist. Wagner freut sich über das gegenseitige Verständnis und reibungslose Miteinander: „Vereine und Schulen arrangieren sich momentan sehr gut. Manche Gruppen machen etwas früher Schluss, dafür beginnt die folgende Gruppe etwas später.“ Der Wechsel vom Schulsport zum Eltern-Kind-Turnen montags ist dafür ein Beispiel.

„Eine unbefriedigende Situation, für die es momentan keine befriedigende Lösung gibt“, räumt auch Hauptamtsleiterin Barbara Pfisterer ein, die letztlich keine andere Wahl hat: Die Kommunen sind rechtlich verpflichtet, Hallenkapazitäten für den Schulsport bereitzustellen. „Wir haben jetzt zwei Schulen mit Voll-Abitur in der Stadt. Die Vereine können deshalb leider erst eine Stunde später in die Halle, statt um 16 Uhr jetzt um 17 Uhr“, so Pfisterer. Eine zusätzliche Sporthalle werde aber definitiv nicht gebaut, schon alleine mit Blick auf den demografischen Wandel. „Angesichts der Bevölkerungsentwicklung müssten wir keine zehn Jahre warten, dann wäre die neue Halle schon wieder überflüssig“, betont die Hauptamtsleiterin.

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