Unter die Haut: Tattoo oder Tolstoj

Erstellt: 18. Mai 2006, 00:00 Uhr
Unter die Haut: Tattoo oder Tolstoj Grund zur Freude: Die Neuntklässler der Enzberger Hartfeldschule haben gestern die erste Etappe geschafft. Foto: Kugler

Hauptschulabschlussprüfungen haben gestern begonnen – Viele Neuntklässler noch ohne Lehrstelle

Enzkreis – Prüfungen gehen so manchem unter die Haut. Dies war für viele Neuntklässler im Enzkreis gestern durchaus wörtlich zu verstehen. Zum Auftakt der Hauptschulabschlussprüfungen hatten sich die Schüler mit einem vorgegebenen Text auseinanderzusetzen – entweder mit Leo Tolstojs „Der große Bär“ oder mit einer Abhandlung über Tattoos.

VON CAROLIN KUGLER
UND CAROLIN BECKER

Die Neuntklässler der Hartfeldschule in Enzberg können um kurz vor 11 Uhr erstmal tief durchatmen. Die erste Hürde haben sie genommen. „Nein, nervös waren wir heute nicht, nur vor Mathe, da haben wir am meisten Angst“, heißt es unisono. Die beiden Schülersprecher Kerstin Hutnicki und Engin Secgen haben so ziemlich als Letzte den Füller aus den Händen gelegt. Auch für sie gilt: „Die Prüfung war leichter als gedacht.“ Ihren Vorvertrag für eine Ausbildung als Friseurin hat die 16-Jährige schon unterschrieben. Auch der 17-Jährige Engin hat schon, wie viele seiner Klassenkameraden, genaue Pläne für die Zukunft.

Schüler entwerfen fiktiven Dialog

Das modernere Thema Tattoo hat beim Großteil der Schüler das Rennen gemacht. Auch in der Dr. Johannes-Faust-Schule in Knittlingen. Wie überall standen den Schülern auch dort 135 Minuten, die Zeit für Durchlesen und Auswahl nicht eingerechnet, zur Verfügung, um beispielsweise Fremdwörter zu erklären oder die Problemstellung des Textes in einen fiktiven Dialog umzusetzen. Längst nicht alle Jungen und Mädchen hätten die volle Zeit in Anspruch genommen, berichtet Dorothee Domante, Lehrerin der Hauptschulabschlussklasse. „Die meisten fanden die Aufgabe nicht allzu schwer“, entnimmt sie den ersten Einschätzungen ihrer Schützlinge. Von diesen hätten bisher drei eine Lehrstelle sicher, weitere drei bis vier Schüler machten sich konkrete Hoffnungen. Nur zwei oder drei Neuntklässler stünden, so die Klassenlehrerin, bis jetzt ohne Aussicht auf einen Schul- beziehungsweise Ausbildungsplatz da.

 „Längst nicht alle unserer 23 Schüler sind untergebracht“, bedauert dagegen der Enzberger Schulleiter Heinz H. Storn. In den vergangenen Jahren sei es zu einer traurigen Normalität geworden, dass es bei den Lehrstellen knapp aussehe. Zwar komme mancher noch kurzfristig unter, doch werde es viele Enttäuschte geben. „Die Schüler schreiben oft zig Bewerbungen, und von einigen Firmen bekommen sie noch nicht einmal eine Antwort“, klagt Storn. Besser sehe es dagegen in der Regel für die Werkrealschüler aus.

Keine Chance für Kiebitze

Die Ötisheimer Werkrealschüler beginnen ihre Prüfungen heute von 8 bis 12 Uhr ebenfalls mit dem Fach Deutsch. In der Aula finden die 17 Schülerinnen und Schüler Platz. Für jeden steht ein großer Tisch bereit, weit genug voneinander entfernt, damit niemand vom Sitznachbarn abschreiben kann. Zwei Aufsichtslehrer behalten die Prüflinge streng im Auge. „Da müssten die Schüler schon ein Fernglas mitbringen, um abschreiben zu können“, ist sich Waltraud Schellenberger-Hagenbucher sicher. Die Rektorin der Grund-, Haupt- und Werkrealschule in Ötisheim hält ihre Schüler für gut vorbereitet. „Die Jugendlichen sind umgänglich, und es ist angenehm, mit ihnen zu arbeiten, die wissen, was sie wollen.“ Einige haben schon den Vorvertrag für einen Ausbildungsplatz unterschrieben. Hilfreich dabei: Zwei Praktika haben die Schüler schon während ihrer Schulzeit absolvieren dürfen.

 In Enzberg wird heute kein Zehntklässler über dem ersten Teil der Prüfungen schwitzen. Dies liegt daran, dass die Hartfeldschule und die Ötisheimer Schule seit 1992 eine Kooperation pflegen. Von der achten Klasse an werden die Jahrgänge gemeinsam unterrichtet – abwechselnd in Enzberg und Ötisheim.

 „Dieses Modell hat sich sehr bewährt“, ist der Enzberger Rektor auch mit der Art und Weise der Umsetzung zufrieden. Die Zusammenarbeit auch auf untere Jahrgänge auszudehnen, hält Heinz H. Storn hingegen nicht für nötig, da er an seiner Schule keinen weiteren Rückgang der Schülerzahlen befürchtet. Der zahlenmäßig schwache Abschlussjahrgang 2005/2006 sei innerhalb der normalen Schwankungen „ein Ausreißer nach unten“.

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