Uns droht die Überschuldung

Erstellt: 10. März 2009, 00:00 Uhr
Uns droht die Überschuldung Kämpft mit den Folgen der Wirtschaftskrise: Fridolin Mannuss. Foto: Garhöfer

Sternenfelser Unternehmer Fridolin Mannuss kritisiert Banken und die Politik

Sternenfels/Wiernsheim – Die Situation des Wiernsheimer Unternehmens SMD electronic im Umgang mit Behörden und Institutionen (MT berichtete) sei kein Einzelfall, sagt gestern der Sternenfelser Unternehmer Fridolin Mannuss, der dabei auf eigene Erfahrungen bei Banken und Landesbank hinweist.

VON GERHARD FRANZ

Als exportanhängiges, von der Finanzkrise besonders stark gebeuteltes Unternehmen mit vier Personen – Mannuss handelt hauptsächlich mit gebrauchten Kunststoffmaschinen –, habe er vor vier Wochen um Rat bei der Landesbank nachgefragt. Sein Unternehmen mit Firmensitz in Sternenfels sei bis Juli letzten Jahres im „grünen Bereich“ gewesen, erzählt der 67-jährige Unternehmer. Durch empfindliche Auftragsstornierungen, besonders in Osteuropa und in Russland, sei der Betrieb in die Verlustzone gerutscht. Mannuss: „Wenn es so weitergeht, droht die Überschuldung.“ Ist in solchen Fällen mit Bürgschaften für Überbrückungskredite zu rechnen, wollte der Sternenfelser Unternehmer von einem Bereichsleiter der Landesbank wissen. Mannuss sagte, der Banker habe betont, von Hilfsprogrammen für den Mittelstand sei ihm nichts bekannt, zumindest für solche Fälle. Auf den Hinweis, so Mannuss, die Frau Merkel habe in den Medien von einem Schutzschirm für angeschlagene Unternehmen gesprochen, habe der Vertreter der Landesbank nur lapidar gemeint, es werde keinen Schutzschirm geben. Mannuss verärgert: „Es wurde mir mitgeteilt, weder von der KfW noch von der Landesbank werde es eine Bürgschaft geben.“ Der Sternenfelser Unternehmer ist verärgert über die Äußerung des Bereichsleiters, die Banken seien angeschlagen, „weil es Unternehmen wie Ihres gibt“. Mannuss: „Ein Opfer der Finanzkrise wurde zum Täter umfunktioniert.“ Äußerungen wie diese und solche, wie sie auch dem Wiernsheimer Unternehmen widerfahren seien, sind laut Mannuss keine Einzelfälle. Fridolin Mannuss: „Etwas läuft verkehrt in unserem Lande. Banken und Beamte, die dazu da sind, der Wirtschaft zu dienen, spielen sich als deren Herren auf.“ Der 67-Jährige wünscht sich, dass der baden-württembergische Mittelstand auf die Barrikaden geht. Viele angekündigten Hilfen der Politik seien „nur Lippenbekenntnisse satter Politiker“. An der gesamten Situation seien in erster Linie die Banken und die Finanzwirtschaft schuldig, meint der Sternenfelser Geschäftsführer. Mannuss pessimistisch: „In den nächsten Monaten wird es eine Insolvenzwelle geben, die man sich bisher nicht vorstellen konnte.“ Wie dramatisch alles sei, darüber werde öffentlich wenig gesprochen, so Fridolin Mannuss: „Müssen kleine Unternehmen 30 000 Leute einstellen, damit sich Politik und Landesbank mit ihren Problemen befassen?“

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