Überfall auf Familie wirft noch immer Fragen auf

Erstellt: 29. August 2012, 23:30 Uhr

Neuhausen/Pforzheim (weg). Nein, am 16. Dezember, dem Tag, als eine Familie in Schellbronn überfallen wurde, sei er gar nicht dort gewesen, sondern bei seiner Freundin, versicherte der 25 Jahre alte Angeklagte gestern vor der Auswärtigen Großen Strafkammer unter Vorsitzendem Richter Hermann Meyer. Das hatte er während der vorhergehenden beiden Verhandlungstage auch schon gesagt.

Wie berichtet, war an jenem Tag gegen 19 Uhr eine Familie mit zwei Kindern in ihrem Wohnhaus von zwei maskierten Männern überfallen worden. Während der eine im Erdgeschoss die Kinder überwachte, dirigierte der andere die Mutter ins Obergeschoss und zwang sie zur Herausgabe ihres Schmuckes. Derjenige, der die Frau nach oben „begleitet“ hatte, habe blaue Augen gehabt, erinnerte sich die Frau. Der andere habe ein weißes Kapuzenshirt getragen. Die beiden Angeklagten – der zweite ist ein 22-Jähriger aus Ispringen – bestreiten die Tat energisch. Blaue Augen hat keiner von beiden.

Gestern tauchte ein Zeuge auf, der behauptete, die Männer seien am 15. Dezember bei ihm gewesen, hätten bei ihm übernachtet und seien am Folgetag, dem Tattag, gegen Mittag weggegangen, um abends gegen 20 Uhr plötzlich wieder bei ihm zu erscheinen. Nass seien sie gewesen, weil es draußen geschüttet habe, sie seien ihm nervös erschienen und hätten ihn um trockene Socken gebeten.

„Schwachsinn“, kommentierte der 25-Jährige die Aussage des früheren Freundes. Warum hätte er den Zeugen um trockene Socken bitten sollen, wo doch seine Mutter nur einige 100 Meter weiter wohne? Der mitangeklagte 22-jährige Ispringer meinte, er kenne den Zeugen überhaupt nicht. Dieser kannte aber sogar seinen Spitznamen.

Dunkle Kleidung hätten beide getragen, erinnerte er sich im Beisein seiner Rechtsanwältin Susanne Burkhardt, und sie hätten eine schwarze Sporttasche bei sich gehabt. Nein, gefragt habe er den Freund nicht, warum er noch einmal gekommen sei, und ihn auch nicht auf polizeiliche Ermittlungen angesprochen. Unter Tränen gestand er endlich, dass ihn der Freund bedroht habe: Wenn er bei seiner polizeilichen Aussage bleibe, die der gestrigen entsprach, passiere ihm was. Am ersten Verhandlungstag war er nicht erschienen.

Ein Polizeibeamter berichtete, der ältere Angeklagte habe bei einer Nachbarschaftsbefragung gleich erklärt, er sei am Tattag nicht im Ort gewesen. Abends war ein Auto bei Schellbronn kontrolliert worden, dessen Beifahrer ein weißes Kapuzenshirt trug. In der Jackentasche befand sich eine graue Wollmütze. Im Kofferraum lag eine schwarze Sporttasche. Beide Männer waren den Beamten nicht tatverdächtig erschienen.

Staatsanwältin Melanie Wetzel beantragte, die Mutter des Angeklagten als Zeugin zu hören, außerdem einen Nachbarn des Zeugen sowie Polizeibeamte, die das Fahrzeug kontrolliert hatten. Der Verteidiger des älteren Angeklagten, Nicolas Schwab, beantragte ein Glaubhaftigkeitsgutachten des Zeugen, den er als aussageunfähig einschätzte, außerdem ein fachärztliches Gutachten beziehungsweise die Entbindung der Schweigepflicht des Hausarztes. Die Anträge der Staatsanwältin wurden angenommen. Die Zeugen werden am 24. September gehört und über den Antrag des Verteidigers entschieden.

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