Turbulenzen beim FC Mühlacker

Erstellt: 29. Dezember 2008, 00:00 Uhr
Turbulenzen beim FC Mühlacker In Erklärungsnot: Cavit Cakir soll in Pforzheim handgreiflich geworden sein. Foto: Becker

Trainer Benallouche hört auf – Vorsitzender Cavit Cakir gesperrt.

Mühlacker/Sindelfingen – Nur ein „Muggaseggele“, wie der Schwabe sagt, hat dem FC Mühlacker am Samstag gefehlt, um ins Hauptturnier der Sindelfinger Hallenfußballgala einzuziehen. Ansonsten aber herrscht im Verein derzeit wenig Galastimmung: Der Trainer will nicht mehr, und der Vorsitzende darf nicht mehr.

VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER

Wieder mal Feuer unterm Dach beim FC Mühlacker. Erst erklärt Mohammed Benallouche, der marokkanische Trainer des Vereins seinen Rücktritt. Dann wird der Vorsitzende Cavit Cakir von der Spruchkammer des Fußballkreises zu einer Sperre bis zum Ende der laufenden Saison verdonnert. Und als wäre das noch nicht genug, fällt mit Yussuf Koc auch noch einer der Leistungsträger auf dem Platz für die Rückrunde zumindest größtenteils aus.

 Warum Mohammed Benallouche nach dem Ende der Hinrunde das Handtuch geworfen hat, ist nicht so ganz klar. Benallouche selbst war nach dem Bekanntwerden der Nachricht gestern telefonisch nicht zu erreichen. Christos Rengas, der Spielleiter des FCM, kann zum Rücktritt des Trainers nur so viel sagen: „Es war die freie Entscheidung Benallouches. Gewisse Dinge scheinen ihm in der jüngsten Vergangenheit bei uns nicht gefallen zu haben.“

 Berufliche Gründe verneint Rengas jedenfalls, und auch um die sportliche Situation kann es sich eigentlich kaum gehandelt haben. Denn der FC Mühlacker steht in der Kreisliga Pforzheim gut da: Platz fünf, 24 Punkte aus 14 Spielen – das kann sich sehen lassen. Wenngleich das letzte Spiel vor der Winterpause mit 0:2 beim derzeitigen Tabellenführer Fatihspor Pforzheim in die Hose ging. „Da waren wir wirklich total von der Rolle“, räumt Rengas ein. Im Spiel zuvor allerdings hatte der FC Mühlacker den damals noch in der Liga führenden SV Neuhausen mit 4:2 geradezu zerlegt.

 Insofern ließe sich über die Gründe Benallouches derzeit nur spekulieren. Der FC Mühlacker hätte ihn jedenfalls gerne als Trainer behalten: „Ich hoffe, dass wir mit ihm noch mal drüber reden und ihn umstimmen können. Aber seine Ankündigung klang doch sehr endgültig“, so Rengas. In der Rückrunde werde der bisherige Co-Trainer Ahmed Kaya die sportlichen Geschicke der FCM-Mannschaft lenken. Das Ziel dabei: „Einen Platz unter den besten fünf halten“, fordert Spielleiter Rengas.

 Das wird schwer genug, denn mit Yussuf Koc verliert die Mannschaft einen wichtigen Spieler. Er wird wohl beim Hallen-Stadtturnier am kommenden Sonntag zum vorerst letzten Mal die Fußballschuhe anziehen. Dann tritt Yussuf Koc seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr an und wird dem Verein in den kommenden Monaten deshalb fehlen.

Stadionordner geht bei Rangelei zu Boden

Fehlen wird vermutlich auch Cavit Cakir. Die Spruchkammer des Fußballkreises Pforzheim hat den Vorsitzenden des FC Mühlacker für den Rest der Saison gesperrt. Er darf weder zu den Spielen auf die Sportplätze, noch sein Amt als Vorsitzender ausüben, indem er den Verein etwa bei Sitzungen des Verbandes vertritt. Der Grund für die Sperre ist eine Rangelei nach der 1:2-Niederlage des FC Mühlacker beim VfR Pforzheim. Direkt nach dem Schlusspfiff soll Cavit Cakir auf das Spielfeld gelaufen sein, um sich beim Schiedsrichter über eine Entscheidung zu beschweren.

Entscheidung in zweiter Instanz steht noch aus

Der Disput, an dem neben Cakir weitere Personen beteiligt waren, eskalierte. Schließlich ging ein Stadionordner des VfR Pforzheim zu Boden, offenbar niedergeschlagen von Cakir. Der allerdings bestreitet die Tat und hat beim Badischen Fußballverband (BFV) Berufung gegen das Spruchkammerurteil eingelegt, wie gestern von Peter Zoller, dem Vorsitzenden der Spruchkammer zu erfahren war. Cavit Cakir selbst war gestern telefonisch nicht zu erreichen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Mit der Entscheidung in zweiter Instanz auf BFV-Ebene sei wohl erst Ende Januar zu rechnen, vermutet Zoller.

 Bereits während der Hinrunde der vergangenen Saison war Cavit Cakir für ein halbes Jahr gesperrt. Auch damals war eine Auseinandersetzung mit einem Schiedsrichter der Ausgangspunkt gewesen. Cakir hatte dem Unparteiischen einen Spielerpass aus der Hand gezogen, den dieser nach einem Platzverweis einbehalten hatte. „Er kriegt sein Temperament immer wieder nicht in den Griff. Das ist Cavit Cakirs einziges Manko“, bedauern selbst Vereinskameraden beim FC Mühlacker.

 Nach so vielen Turbulenzen kam am Samstag die Teilnahme bei der Sindelfinger Hallenfußballgala gerade recht. „Einfach mal wieder Spaß haben“, so Spielleiter Rengas, der das Team im Glaspalast coachte. Neu-Trainer Ahmed Kaya fehlte berufsbedingt. Doch es dauerte ein wenig, bis die Spieler des FC Mühlacker den richtigen Dreh fanden. Das 1:1-Unentschieden im ersten Spiel der Gruppe 19 gegen den B-Ligisten TASV Göppingen war jedenfalls so nicht eingeplant gewesen. Mühlacker vergab nach der 1:0-Führung reihenweise gute Chancen und kassierte kurz vor der Schlussirene den Ausgleich.

 Auch im zweiten Gruppenspiel gegen den Landesligisten DJK Villingen tat sich der FC Mühlacker nicht leicht. Bisweilen agierte der FCM vor dem gegnerischen Kasten zu unentschlossen, versuchte den Ball beinahe ins Tor zu tragen, anstatt einfach mal beherzt abzuziehen. Dennoch: Am Ende der zehnminütigen Spielzeit stand ein 4:1-Sieg für Mühlacker. Im abschließenden Gruppenspiel entriss der FCM schließlich dem bis dahin ungeschlagenen A-Ligisten SV Volkertshausen noch den Gruppensieg und zeigte bei dem 4:1 rasanten Hallenfußball, direktes Kurzpassspiel und endlich auch Kaltschnäuzigkeit im Abschluss.

 In der K.o.-Phase setzte sich Mühlacker anschließend knapp mit 1:0 gegen den FC Schwandorf-Worndorf aus der Bezirksliga Bodensee durch. Ein weiterer Sieg gegen den SC Markdorf, ebenfalls aus der Bezirksliga Bodensee, und der FC Mühlacker hätte im Hauptturnier am 10. Januar unter anderem dem Verbandsligisten SKV Rutesheim gegenübergestanden. Doch im letzten K.o.-Spiel des Tages war Endstation. Stattdessen zog Markdorf durch ein 2:0 über Mühlacker ins Hauptfeld ein.

Weiterlesen
Stadt sucht nach Fehlern im System

Stadt sucht nach Fehlern im System

Klagen über Durchgangsverkehr in der Bahnhofstraße: Die Beschilderung in der Innenstadt wird überprüftMühlacker –  Der Kampf gegen den Durchgangsverkehr muss weitergehen: Darin sind sich die Fraktionen im Mühlacker Gemeinderat kurz… »