Tross reist mit rustikalem Gepäck

Erstellt: 31. Juli 2008, 00:00 Uhr
Tross reist mit rustikalem Gepäck Heike Wolf hat eigens für den historischen Klostertross dieses Wappen aus Ton entworfen. Foto: Stahlfeld

Zug vom Kloster Maulbronn nach Speyer – Tönernes Wappen und Münze für historisches Spektakel

Maulbronn – Ganz stilecht begeben sich am Donnerstag, 7. August, die Teilnehmer des historischen Klostertrosses auf die Spuren der Mönche. Auf dem Weg vom Kloster Maulbronn nach Speyer sind moderne Rucksäcke für die Wandersleute tabu. Ihre Habseligkeiten kommen in einen rustikalen Sack, der jetzt bei Familie Wolf in Maulbronn abgeholt werden konnte.

VON ULRIKE STAHLFELD

Schlafsack, Zahnbürste und was der moderne Mensch sonst noch zum Leben braucht, kommen beim Klostertross in den Jutesack, der dann separat auf einem Lastwagen mit Gitterkörben transportiert wird. Mehr als 15 Kilogramm darf das Gepäck nicht wiegen, und zwei historische Ersatzgewänder und das Geraffel, also Geschirr, sollten nach Ansicht von Heike Wolf, schon dabei sein.

 Sie gehört mit ihrem Mann Uwe Wolf zu den „Freien, infizierten Mittelalterfreunden“, die den Klostertross organisieren. 63 Personen werden sich nach aktuellem Stand am nächsten Donnerstag von Maulbronn aus auf den Weg in Richtung des 60 Kilometer entfernten Speyer machen. Nach gut 25 Kilometer wird in Unteröwisheim das Nachtlager aufgeschlagen.

 Am Freitag werden es bereits 93 Teilnehmer sein, und für den Einzug am Samstag in Speyer rechnet Heike Wolf mit 150 Personen. „Dabei sind außerdem 30 Pferde, zwei Kutschen und drei bis fünf Pferdewagen“, zählt die Organisatorin auf.
 „Die Resonanz hat alle unsere Erwartungen übertroffen“, freut sich die Maulbronnerin. Die Säcke verteilt sie längst nicht nur an Klosterstädter. Heike Wolf: „Viele kommen aus Bretten und dem Kraichtal.“ Der Teilnehmer mit der weitesten Anfahrt komme aus Ravensburg. Andere reisen aus Villingen, St. Georgen und unter anderem Karlsruhe an.

 Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle unterstützt das Vorhaben. Gemeinsam mit Ephorus Tobias Küenzlen wird er die Wandergruppe in Maulbronn verabschieden. Am Freitag reist er dann in das Lager nach Altlußheim nach und wird mit einer Delegation bei der Eröffnung der Kaisertafel dabei sein.

 Auf das Lagerleben verzichtet der Schultes. Stattdessen darf er am Samstag in Maulbronn eine Trauung vornehmen, bevor er am Nachmittag erneut Richtung Speyer unterwegs ist. Am Altpörtel, dem Eingang zur Fußgängerzone, will er sich dann wieder in mittelalterlichem Gewand dem Tross anschließen. Dass sich Felchle neuerdings einen Bart stehen lässt, hat nichts mit dem Tross zu tun. Es handle sich um eine zufällige zeitliche Überschneidung, sagt der Schultes.

 Weil er nicht mit wandert, wird der Bürgermeister am Donnerstag wohl kein Leinensäckchen mit Marschproviant für die erste Etappe ausgehändigt bekommen. Darin: zwei Flaschen Wasser, eine Butterbrezel und ein Apfel. Das muss bis zum Mittagessen reichen, das in Gochsheim eingenommen wird. Für die Verköstigung seien, so Heike Wolf, die Leute vom Versorgungstross zuständig. Sie werden auch das Nachtlager für die müden Wanderer aufschlagen. „Die Leute, die am Tross teilnehmen, haben eines gemeinsam: ihre Liebe zur Natur“, sagt Heike Wolf. Im Lager herrsche ein ungewöhnlich großer Gemeinschaftssinn. Man fühle sich als Team. Die Organisatorin: „Es ist eine ganz eigene Stimmung.“

 Der mittelalterliche Tross werde den Teilnehmern als großes Gemeinschaftserlebnis in Erinnerung bleiben, ist sie sich sicher. Ein Andenken an das historische Spektakel ist auch die eigens dafür gestaltete Zinnmünze mit den Wappen von Maulbronn und Speyer. Beim Tross ebenfalls dabei sind das von Heike Wolf aus Ton geformte Wappen beider Städte sowie eine von Beate Becker genähte Fahne.

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