Traumfrau darf nicht in die Umweltzone

Erstellt: 25. Februar 2009, 00:00 Uhr
Traumfrau darf nicht in die Umweltzone Günter Frauenknecht im heiß geliebten Sondermodell seines Spiders in champagnergold-metallic. Sohn Florian steht trotzdem mehr auf Porsche. Fotos: Hansen

Günter Frauenknecht fährt auf Fiat-Spider ab – Ötisheimer organisiert Jahrestreffen

Ötisheim – Günter Frauenknecht hat sein Traummodell gefunden. Ein tolles Fahrgestell, die Rundungen an den richtigen Stellen, goldener Teint, 29 Jahre jung: Ein Fiat Spider 124 lässt das Herz des Ötisheimers höher schlagen.

VON ISABEL HANSEN

 Dass seine manchmal launische Diva ihn bei gesellschaftlichen Anlässen wie Spider-Club-Touren gerne Szenen macht, indem sie bockig stehen bleibt, trägt er ebenso mit Humor wie den TV-Auftritt, bei dem er ihretwegen in die Rolle des südländischen Macho schlüpfen musste.

 Statt sich über gelegentliche Zickereien zu ärgern, organisiert Frauenknecht den nächsten öffentlichen Auftritt für die rassigen Schönen aus Italien: das Jahrestreffen des Spider-Clubs Deutschland vom 14. bis 16. August in Bretten.

 Schon als Kind hat Günter Frauenknecht seine Liebe zum Fiat Spider entdeckt. „Ich habe Modell-Autos gesammelt. Der Fiat Spider hat mich schon damals fasziniert und einfach nicht mehr losgelassen. Ein unerfüllbarer Traum. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mir so ein Auto einmal leisten kann.“ Noch heute steht sein erster Fiat-Flitzer, ein 17 Zentimeter langer roter Abarth, in der Vitrine – etwas ramponiert durch waghalsige Fahrmanöver über Tisch und Teppich. Der Traum vom Cabrio in Lebensgröße ist vor rund zehn Jahren für den heute 40-Jährigen wahr geworden: Ein Spider von 1980 in champagnergold-metallic. „Die Farbe gibt es nur bei dem Sondermodell zum 50-jährigen Bestehen der Designer-Schmiede Pininfarina, das auf 1000 Stück limitiert war. Heute existieren weltweit noch rund 75 Autos“, erklärt der Spider-Fan. „Viele wurden in die USA ausgeliefert. Auch meiner wurde vom Vorbesitzer aus den USA wieder nach Deutschland geholt.“ Die Frage nach dem Spritverbrauch auf 100 Kilometer kann der Fiat-Fan denn auch nicht gleich auf Anhieb beantworten. Der Tacho zählt Meilen statt Kilometer. „Das rechne ich nicht um. Bei vernünftiger Fahrweise komme ich wohl mit acht Liter auf 100 Kilometer aus.“

 Trotz des vergleichsweise sparsamen Motors: Durch die Umweltzone darf sein Fiat nicht rollen – noch nicht. Mit stolzen 29 Jahren auf der Motorhaube gilt der Spider noch als junges Ding. „Das H-Kennzeichen für Oldtimer, mit dem ich überall fahren darf, gibt es erst ab einem Alter von 30 Jahren“, erklärt Frauenknecht, warum alte Damen für Autoliebhaber besondere Reize haben.

 Fehlende Umweltplaketten und fehlender Oldtimer-Status vieler Fiat Spider 124, die bis 1985 gebaut wurden, sind ein Grund, warum das diesjährige Jahrestreffen des Spider-Club Deutschland, das der Ötisheimer organisiert, in Bretten steigt: „Hier gibt es keine Umweltzone in der Innenstadt wie beispielsweise in Pforzheim.“ Die Show der Blech-Beauties wird in Bretten von der Stadtverwaltung unterstützt: „Beim Start dürfen wir sogar durch die Fußgängerzone fahren. Nach der Fahrt stellen wir dann unsere Autos auf dem Marktplatz ab.“

 12000 Mark und einen Pfennig hat sein Goldstück Frauenknecht vor rund zehn Jahren gekostet. Der heutige Wert dürfte zwischen 7000 und 8000 Euro liegen, schätzt er. „Den Pfennig hat der Vorbesitzer gleich wieder ins Auto gelegt, damit er mir Glück bringt.“ Das habe er bisher auch gehabt: „Wir haben schon in Südfrankreich, Italien und Schottland Urlaub gemacht. Bis auf einen platten Reifen ist nichts passiert.“ Glück kann für den handwerklich ungeschickten Fahrer eines 29 Jahre alten Fiat auch schon einmal heißen, dass die italienische Schönheit nur dann zickt, wenn sich reichlich Helfer um sie kümmern können. „Auf Clubtreffen habe ich häufig schon eine Panne gehabt. Das ist ein bisschen peinlich. Aber das Gute ist, dass viele Leute da sind, die sich auskennen und helfen. Einer hat immer gerade das richtige Ersatzteil dabei.“

 Deutlich mehr spöttische Kommentare musste er sich nach dem TV-Auftritt anhören, in den ihn sein Rassewagen manövriert hat. „Der Oldtimer-Fahrtest, für den die TV-Produktionsgesellschaft Autos und Fahrer gesucht hat, war tatsächlich ein Vergleichstest der Anmacher-Qualitäten verschiedener Cabrios. Ich musste mit dem Spider den italienischen Aufreißer geben. Da musste ich mir einiges anhören“, erinnert er sich. Eine Episode vor seiner Heirat und der Geburt seines Sohnes Florian. Der Nachwuchs setzt sich begeistert in seinen Spezial-Kindersitz, bleibt aber bei allem Fahrspaß kritisch. „Warum putzen wir denn das Auto so toll?“, hinterfragt der Vierjährige scheinbare Selbstverständlichkeiten. Die raffinierte Antwort des Vaters – „Wir pflegen das Auto jetzt gut, damit du es mit 18 Jahren auch einmal fahren kannst“ – geht ins Leere. „Ich will gar keinen Spider fahren. Ich will Porsche fahren und ein Motorrad.“

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