Totale Sicherheit gibt es nicht

Erstellt: 27. Mai 2009, 00:00 Uhr
Totale Sicherheit gibt es nicht Kirchtürme sind exponiert für Blitzeinschläge wie im Juli 2006 in Wiernsheim. Archivfoto: Olaf Suhr

Stromversorger schützen ihre Netze vor Überspannung durch Blitzeinschlag

Enzkreis. Wie sicher ist das Stromnetz? Folgenschwere Blitzeinschläge in Freileitungen wie am vergangenen Freitag in Maulbronn sind nicht unbedingt selten, aber in der Regel werden die Überspannungen so abgeleitet, dass sie keine Schäden anrichten. „Wir schützen unser Stromnetz sehr aufwändig“, berichtet Michael Schiffl, Leiter Netzbetrieb im EnBW-Regionalzentrum Nordbaden. „So sind beispielsweise an allen Überlandleitungen Überspannungsableiter montiert, die sofort reagieren, wenn eine plötzliche Spannungserhöhung auftritt. Diese Bauteile werden innerhalb von Millisekunden durchlässig und leiten den Strom ins Erdreich ab.“

Von Frank Goertz

 Zusätzlich, so Schiffl, werden die Leitungen im Umspannwerk überwacht. Wenn es hier zu einem Störungsereignis kommt, schaltet sich der Stromfluss automatisch ab. „Diese Kurzzeitunterbrechung dauert nur einen Sekundenbruchteil. Sie merken das höchstens daran, dass das Licht einen Moment flackert.“ Auch die Trafostationen sorgten im Ernstfall dafür, dass die Überspannung erst gar nicht beim Stromkunden ankomme. „Die Trafowicklungen dämpfen die Überspannung“, erklärt EnBW-Experte Schiffl.

 „Unsere Systeme sorgen für hohe Sicherheit“, betont Schiffl, aber: „Einen totalen, einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.“ Es könne vorkommen, dass ein Überspannungsableiter als erste Stufe im Sicherungssystem defekt sei oder mehrere Schadensereignisse gleichzeitig eintreten würden. Eine solche Verkettung unglücklicher Umstände sei auch für den Stromausfall in Maulbronn verantwortlich gewesen. Aber ein Schadensereignis in dieser Größenordnung sei „äußerst selten“.
 Die Sicherheit im Stromnetz liegt aber nicht nur im Verantwortungsbereich der EnBW.

 „Wir können nicht verhindern, dass der Blitz in ein Haus einschlägt.“ Hier müssten Immobilienbesitzer oder Mieter Vorkehrungen treffen. Dazu gehöre nicht nur ein Blitzableiter, sondern auch eine Absicherung empfindlicher elektronischer Geräte wie beispielsweise Computer. „Nicht nur der Hausanschluss muss gesichert sein, empfehlenswert sind auch Steckdosenleisten mit Blitzschutz für teure elektronische Geräte“, weiß Schiffl. Und die alte Weisheit, dass bei Blitz und Donner der Antennenstecker aus dem Fernseher gezogen werden sollte, gelte auch heute noch. Denn sonst könne es ganz plötzlich passieren, dass die Mattscheibe den Geist aufgibt.

 Orte, an denen es besonders häufig blitzt, gebe es seines Wissens nicht, antwortet Schiffl auf die Frage nach einer „Blitz-Hochburg“ in der Region. Es sei vielmehr so, dass an besonders exponierten Stellen – etwa auf Bergkuppen oder auch in Kirchtürmen – der Blitz häufiger einschlägt. In der jüngsten Vergangenheit war dies beispielsweise bei der Pauluskirche in Mühlacker und der Albanikirche in Mühlhausen der Fall.

 Und wie ist es mit dem Sender in Mühlacker? Stimmt das Gerücht, dass der Sender den Blitz anzieht? „Da müssen Sie den SWR als Betreiber fragen“, schmunzelt Schiffl. „Aber der Sender ist durch seine Höhe natürlich besonders exponiert. Ob er deshalb den Blitz gleich magisch anzieht, ist dann allerdings doch eher fraglich.“

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