Tödlicher Unfall durch Blutzuckerabfall

Erstellt: 27. April 2007, 00:00 Uhr

Angeklagter Diabetiker muss sich vor Gericht verantworten – Verfahren endet mit Freispruch

Maulbronn (ra) – Mit einem Freispruch ist am Donnerstag in Maulbronn das Gerichtsverfahren gegen einen 38-jährigen Monteur aus einer Gemeinde bei Mühlacker wegen eines tödlichen Verkehrsunfalls ausgegangen.

Auch seinen Führerschein darf der seit seiner Kindheit an Diabetes Leidende behalten, urteilte das Gericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Klaus Droxler. Schon Staatsanwalt Andreas Schröder hatte Freispruch für den Angeklagten gefordert, allerdings verbunden mit einer dreijährigen Führerscheinsperre. Zwar war nach den Vernehmungen der Zeugen und Sachverständigen klar geworden, dass sich der wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung Angeklagte objektiv rechtswidrig verhalten hatte, doch fehlte es an der subjektiven Schuld. Am 13. Juni 2006 war der 38-Jährige auf der B10 von Pforzheim nach Mühlacker gefahren. In einer Kurve bei Enzberg hatte er den vor ihm fahrenden Lieferwagen überholt und war dabei sowohl mit dem überholten als auch mit mehreren entgegenkommenden Fahrzeugen kollidiert.

 Mit tragischen Folgen, wie sein Verteidiger einräumte. In einem entgegenkommenden VW Golf wurde der mitfahrende Verlobte der Fahrerin so schwer verletzt, dass er wenige Stunden später in einem Pforzheimer Krankenhaus verstarb. Auch die Fahrerin und ihre Tochter waren erheblich verletzt worden. Thoraxprellungen, Rippenbrüche und Schock waren Folge des Zusammenpralls. Sie leide heute noch an Rückenschmerzen, die auf dem Unfall basieren, hatte die Lenkerin des Golfs vor Gericht erklärt.

 Letztlich fehlte es zu einem Schuldspruch an den subjektiven Merkmalen. Als ursächlich für den Unfall wurde ein unvermittelt einsetzender Blutzuckerabfall beim Angeklagten gesehen. Eine schwere Unterzuckerung hatte der Notarzt noch an der Unfallstelle festgestellt. Um 13 Uhr habe er seinen Zuckerspiegel zum letzten Mal gemessen, sagte der Angeklagte. Der Wert sei Ordnung gewesen. Unklar blieb auch nach der Beweisaufnahme der Verbleib des Blutzuckermessgeräts, das der Mann nach eigenen Angaben immer bei sich hat.

 Der Angeklagte sei ein medizinisch gut aufgeklärter Diabetiker, der mit seiner Krankheit schon viele Jahre umzugehen wisse, meinte die medizinische Sachverständige in ihrem Gutachten. Wenn es so gewesen sei, wie vom Angeklagten geschildert, könne sie kein Fehlverhalten erkennen. Als einen „geordneten Dämmerzustand“ beschrieb sie die Situation, in der sich der Monteur bei dem Unfall befunden habe. Zu welchem Zeitpunkt dieser Zustand der Steuerungsunfähigkeit eingetreten ist, lasse sich nicht feststellen. In seinen Einlassungen zum Ablauf des Unfalltags hatte der Angeklagte angegeben, seine Erinnerung an die Fahrt ende in Pforzheim. Über den Freispruch waren sich alle Verfahrensbeteiligten einig. Bei der Frage des Führerscheinentzugs gelte es, wischen den verschiedenen Interessen abzuwägen. Der  Angeklagte habe seit dem Unfall unbeschadet am Verkehr teilgenommen. „Es ist nicht ersichtlich, was die drei Jahre Sperre bewirken sollen“, lehnte der Richter den Antrag der Staatsanwaltschaft ab.

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