THW setzt sich katastrophal in Szene

Erstellt: 22. Juni 2012, 23:30 Uhr
THW setzt sich katastrophal in Szene Keine Übung: Nach dem Elbe-Hochwasser im Sommer 2002 packen 22 Helfer aus Mühlacker zwei Wochen lang im Katastrophengebiet im Müglitztal an.Archivfoto: thw mühlacker

Mühlacker/Vaihingen. In zwei Wochen werden sich wahre Katastrophen auf dem Gelände des Steinbruchs Zimmermann in Roßwag abspielen. Der Landesverband des Technischen Hilfswerks (THW) hat für drei Tage vom 6. bis 8. Juli eine Großübung mit zwölf Räumgruppen aus dem ganzen Land angesetzt, die auf unterschiedlichste Art und Weise gefordert werden. Eine Gelegenheit für die ehrenamtlichen Helfer zu zeigen, was sie können. „Der Wettkampf soll nicht nur der Übung von Einsätzen, der Pflege der Kameradschaft und der Helfer-Motivation dienen, sondern auch eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung sein, um Menschen für den Dienst im THW zu begeistern“, macht der Sprecher des Landesverbands, Christopher Flämig, deutlich. So setzt sich das THW in diesem Fall buchstäblich „katastrophal“ in Szene.

Und das mit ernsthaftem Hintergrund: Seit rund einem Jahr ist die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt, die in der Vergangenheit eine zusätzliche Motivation für ein Engagement im THW darstellte. Wer sich für zehn Jahre für den Dienst beim Katastrophenschutz verpflichtete, ersparte sich die Zeit bei der Bundeswehr.

Wie der Mühlacker Zugführer Steffen Bandle: Der 47-Jährige hatte einst den Kriegsdienst verweigert und sich stattdessen dem THW angeschlossen. Nach den zehn Jahren blieb er wie viele andere aus freien Stücken dabei und ist heute eine der großen Stützen des Ortsverbands.

Nun aber spürt der Verband mit den blauen Fahrzeugen die Folgen der Bundeswehrreform, die das THW „schmerzlich“ träfen, wie es aus der Führungsetage der Bundesanstalt heißt. Akute Sorgen um den Nachwuchs macht sich an der Basis auch der Mühlacker Ortsverbandsvorsitzende Lothar Drung, seien doch immer weniger junge Menschen bereit, sich ehrenamtlich für die Allgemeinheit zu engagieren; was im Übrigen nicht nur das THW als Einrichtung des Bundes betreffe, sondern auch andere Organisationen wie die Feuerwehr und das Rote Kreuz.

Bundesweit hat das Technische Hilfswerk rund 82000 Aktive, darunter 15000 Nachwuchskräfte. Herzstück der Organisation sind die 668 über das Bundesgebiet verteilten Ortsverbände, und einer davon ist seit über 50 Jahren der Ortsverband Mühlacker mit seinen 40 aktiven Helfern, die im Zugtrupp, in Bergungsgruppen und in Fachgruppen tätig sind. Steffen Bandle: „In Mühlacker sind wir zurzeit nur Männer, aber Frauen sind jederzeit willkommen, sich als Helferinnen ausbilden zu lassen.“ Die THW-Jugendgruppe Mühlacker zählt zehn Mitglieder, fünf ehemalige Aktive bilden die kleine Altersabteilung.

Jeder neue Helfer durchlaufe zunächst eine Grundausbildung, erläutert Zugführer Bandle. Dabei würden allgemeine Grundlagen zum Umgang mit den Gerätschaften, aber auch die wichtigsten Regeln für die persönliche Sicherheit vermittelt. Die Grundausbildung schließt mit einer Prüfung ab, die sich aus einem theoretischen und praktischen Prüfungsteil und einer Teamprüfung zusammensetzt. Je nach beruflicher Ausrichtung und Neigungen spezialisieren sich die Helfer dann auf unterschiedlichste Aufgaben, die von der Wasseraufbereitung bis hin zum Sprengmeister reichen können. In den Blickpunkt gerät das THW immer dann, wenn die Not am größten ist – wie 1993 nach der Hochwasserkatastrophe an der Enz.

Seit Jahren ist der THW-Ortsverband in einem ehemaligen Firmenareal an der Lienzinger Schelmenwaldstraße untergebracht. Wöchentlich treffen sich dort die aktiven THW-Helfer immer dienstags ab 19 Uhr zum Übungsabend, die THW-Jugend am Tag darauf, dem Mittwoch, um 18 Uhr. Die Ausrüstung wird den Ortsverbänden durch die höheren Ebenen zugeteilt.

Durchschnittlich etwa vier- bis fünfmal im Jahr ist das THW Mühlacker bei Einsätzen gefordert, berichtet Steffen Bandle, der es ein wenig bedauert, dass sein Team nicht häufiger zur Unterstützung angefordert werde. Immerhin verfüge das THW nicht nur über die richtige Ausstattung, sondern auch über das nötige Know-how.

Letzteres müssen die Männer um Steffen Bandle bereits am langen Wochenende bei der Übung im Steinbruch unter Beweis stellen. In erster Linie sind die Mitglieder dann als Gastgeber und Herbergsväter gefragt, wobei alle Aktiven eingespannt sein werden. Ein Drei-Mann-Team in wechselnder Besetzung wird allerdings mit dem Radlader unmittelbar an den Räumungsübungen im Schotterwerk teilnehmen.

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