Telekom im Kreuzfeuer der Kritik

Erstellt: 22. Juli 2010, 00:00 Uhr
Telekom im Kreuzfeuer der Kritik Kein Anschluss: Im Kampf um schnelle Internetverbindungen lässt der Gemeinderat an der Unternehmensstrategie des Marktführers Telekom kein gutes Haar. Archivfoto: Eier

Mühlacker Gemeinderat geißelt Unternehmenspolitik und will politischen Druck verstärken

Mühlacker. Während die viel gescholtene Bahn im Mühlacker Gemeinderat ausnahmsweise einmal gelobt wurde, bekam die Telekom für ihre Unternehmenspolitik die Rote Karte.

Von Maik Disselhoff

Mit Blick auf die dringend gewünschten Verbesserungen, was leistungsstarke Internetverbindungen in Lienzingen und Enzberg betrifft, hagelte es massive Kritik am Telekommunikationsriesen. Bürgermeister Winfried Abicht erklärte, dass sich die Verhandlungen mit der Firma NeckarCom, die Interesse am Ausbau eines DSL-Netzes hat, schwierig gestalteten – allerdings nicht wegen des Unternehmens selbst, sondern wegen der Telekom, die der Verlegung der letzten Kabelmeter zum Endverbraucher zustimmen müsse. Doch sie blockiere das Vorhaben. „Und die Kosten für eine technische Alternativlösung sind nicht darstellbar.“
 
Die Stadt sei ein „Spielball zwischen den Kräften“, ärgerte sich Abicht, der betonte, dass die Telekom nach wie vor ein Monopol habe. Während die Stadt sich händeringend um eine Lösung für einen besseren Internetzugang unter anderem in Lienzingen bemüht, verlegt gleichzeitig die Telekom aus internen Gründen ein Glasfaserkabel nach Lienzingen. „Das haben wir nebenbei erfahren“, berichtete Abicht. „Das Kabel wird für das Tochterunternehmen T-Mobile verlegt.“ Das Ganze sei äußerst unbefriedigend. „Die Kommunen werden ausgebremst“, sagte Abicht.

 „Es führt in die Irre, wenn man meint, die Telekom bringt uns in der Sache weiter. Manchmal ist es nötig, durch Konkurrenzangebote Druck aufzubauen“, sagte CDU-Fraktionssprecher Günter Bächle und schob hinterher: „Wir benötigen dringend eine Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes.“ Um diesem Ziel näher zu kommen, habe seine Fraktion den EU-Abgeordneten Daniel Caspary eingeschaltet.

 „Wir müssen ein Beschwerdeverfahren gegen die Telekom bei der EU einleiten.“ Zwar sei eine Funklösung momentan schneller, so Bächle zur technischen Alternative zum Glasfaserkabel, doch an der Breitbandverkabelung führe auf die Dauer kein Weg vorbei. „Deswegen ist es wichtig, dass wir bei Grabungsarbeiten immer entsprechende Leerrohre einziehen.“ Bei dem Wunsch nach dem schnellen Internet gehe es um den Wirtschaftsstandort Mühlacker. Ein Unternehmer habe ihn bereits angeschrieben und zum Ausdruck gebracht, dass er sich mit Abwanderungsgedanken trage, weil er auf hohe Datenübertragungskapazitäten angewiesen sei, so Bächle.

 Klemens Köberle von der Liste Mensch und Umwelt sprach mit Blick auf die Telekom von einer „Mischung aus Arroganz und Gier“. Wenn es ums „Abzocken“ gehe, sei das Unternehmen gleich dabei, kritisierte er. Am Zugang zum schnellen Internet hingen Betriebe und damit Existenzen. Thomas Hauck von den Freien Wählern machte auf die Mängel einer Funklösung aufmerksam und betonte: „Die einzige Lösung ist für mich Glasfaser bis ans Haus.“

 Während sich so schnell wohl keine greifbare Lösung für das Problem finden lässt, will die Stadt ihren politischen Druck auf die Telekom ganz im Sinne des Gemeinderats verstärken. Alleine könne eine Kommune jedoch wenig ausrichten, machte Bürgermeister Abicht deutlich, der von einer Initiative des Gemeindetags berichtete, der derzeit Beschwerden von rund 100 Gemeinden bündele. „Da sind wir dabei, uns anzuschließen.“ Ungeachtet der Schwierigkeiten hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, das Kabelnetz weiter zu verbessern und die diesbezüglichen Verhandlungen mit Sparkassen IT, NeckarCom und den Stadtwerken fortzusetzen. Städtische Zuschüsse für Netzertüchtigungen durch die Telekom sollen derzeit nicht gegeben werden.

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