Supermarkt und Leitungswasser sind bei der WM tabu

Erstellt: 27. Februar 2010, 00:00 Uhr
Supermarkt und Leitungswasser sind bei der WM tabu Trainer Nuretin Yilmaz drückt seiner Musterschülerin von Deutschland aus die Daumen. Foto: p

Für Roxana Nothaft gelten in Mexiko klare Regeln.

Eine Weltmeisterschaft in Mexiko zu bestreiten ist doch ein wenig anders als ein Turnier in Memmingen oder Merseburg. Diese Erfahrung hat Taekwondo-Kämpferin Roxana Nothaft bereits vor der Abreise gemacht. Heute steigt die 15-Jährige aus Mühlacker in Frankfurt in den Flieger.

Von Steffen-Michael Eigner

Nürnberg. Tijuana ist das Ziel der Reise. In der mexikanischen Küstenstadt am Pazifischen Ozean, nur wenige Kilometer von der Grenze zu den USA entfernt, werden vom 6. bis 9. März die Junioren-Weltmeisterschaften ausgetragen, und die Deutsche Taekwondo-Union (DTU) hat sich entschieden, bereits jetzt mit ihrem Nationalteam anzureisen, damit sich die Kämpfer akklimatisieren und an die neun Stunden Zeitverschiebung gewöhnen können.

 „Ich will eine Medaille gewinnen. Welche Farbe sie hat, ist mir egal“, sagt Roxana Nothaft, die in der Gewichtsklasse bis 49 Kilogramm antritt. Dafür die EM-Medaillengewinnerin und fünfmalige Deutsche Meisterin in den vergangenen Wochen ihr Trainingspensum nochmals gesteigert. Im Sporttinternat in Nürnberg, wo die Mühlackerin seit einem Jahr lebt, hat sie zuletzt täglich zweimal trainiert, und ein paar Einzellektionen mit ihrem Trainer Nuretin Yilmaz eingelegt, der sie jedoch nicht nach Tijuana begleitet. Lediglich die deutsche Nationalmannschaft und deren Trainer- und Betreuerstab sitzen heute im Flugzeug über den Atlantik – und zwar mit klaren Instruktionen.

 „Wir haben alle vom Verband eine Liste bekommen, was wir alles nicht dürfen“, berichtet Roxana Nothaft, die vor knapp zwei Wochen ihren 15. Geburtstag gefeiert hat. Die Verbote betreffen vor allem das Essen und Trinken, um sich nicht vor dem Wettkampf eine Magen-Darm-Verstimmung einzuhandeln. Mit „Montezumas Rache“ in dieser Form hat schon so mancher Mexiko-Reisende aus Europa unliebsame Erfahrungen gemacht. „Wir sollen zum Beispiel kein frisches Obst aus dem Supermarkt essen und kein Leitungswasser trinken. Dinge also, die wir in Deutschland für ganz selbstverständlich erachten“, erzählt Roxana Nothaft.

Gespannt auf den Vergleich mit
den Kämpferinnen aus Übersee

 Für die 15-Jährige sind es die ersten Weltmeisterschaften überhaupt. Nur alle zwei Jahre werden die Titelkämpfe ausgetragen, und beim letzten Mal war die Mühlackerin noch zu jung. „Wir sind vor allem gespannt, wie stark sie im Vergleich mit den Kämpfern aus den amerikanischen Staaten ist. Die sind im Taekwondo ziemlich stark, und Roxana ist bei noch keinem Turnier auf eine amerikanische Gegnerin getroffen“, sagt ihre Mutter Nadja Nothaft, die daheim in Mühlacker hofft, irgendwie an Informationen zu kommen, wie es ihrer Tochter drüben in Mexiko ergeht.

 Denn ihren Laptop, mit dem sie via Internet Kontakt zu ihren Eltern hätte aufnehmen können, lässt Roxana Nothaft zu Hause in Nürnberg. „Aus Gewichtsgründen. Wir haben schon so viel Gepäck dabei“, begründet die 15-Jährige. Auch das Handy bleibt in Deutschland. In Mexiko hätte sie damit ohnehin keinen Netzzugang. „Wir können halt nur hoffen, dass sie sich irgendwie vom Hotel aus bei uns meldet. Entweder per Telefon, oder vielleicht haben die dort ja einen Computer“, sagt Nadja Nothaft. Ansonsten bleibe ihr nur, auf der Internetseite der DTU nachzusehen, ob dort wenigstens Ergebnislisten von den Weltmeisterschaften veröffentlicht werden. „Bis jetzt wissen wir ja noch nicht einmal, an welchem Tag genau ihr Wettkampf ist. Nur, dass sie am 12. März wieder zurück nach Deutschland fliegt“, sagt Nadja Nothaft. Spätestens dann wird ihr die Tochter berichten, wie sie bei ihrer ersten Weltmeisterschaft abgeschnitten hat.

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