Studenten nutzen Faust als Werbeträger

Erstellt: 25. März 2009, 00:00 Uhr
Studenten nutzen Faust als Werbeträger Visionen im Ratssaal: Die Fünftsemester um Professor Michael Throm (Mitte) reißen am Ende nicht nur Schultes Heinz-Peter Hopp (2.v.l.) mit. Foto: Disselhoff

Pforzheimer Hochschüler präsentieren im Knittlinger Gemeinderat ihre Ideen für ein besseres Stadtmarketing.

Knittlingen – Wie sich die Stadt Knittlingen nach außen besser vermarkten lässt, darüber haben sich Studenten der Hochschule Pforzheim den Kopf zerbrochen. Gestern Abend stellten sie ihre Ideen im Gemeinderat vor und stießen damit auf große Begeisterung.

VON MAIK DISSELHOFF

Manch ein Knittlinger Stadtrat dürfte im Laufe der Präsentation der Ideen an folgenden Satz in Goethes Drama Faust gedacht haben: „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.“ Denn so verlockend sich die Konzepte der Hochschüler des Studiengangs „Visuelle Kommunikation“ auch anhörten, die Bürgervertreter dachten trotz aller erlaubten Schwärmerei an die Kosten, die einer Umsetzung der Ideen entgegensteht. Professor Michael Throm, der die Studenten betreut, machte hingegen deutlich: „Für uns war klar, dass wir diesen Aspekt bei der Ideenfindung erst einmal beiseite lassen.“ Die Anregungen der Hochschüler, wie die Stadt Knittlingen besser ins Rampenlicht der breiten Öffentlichkeit gerückt werden kann, stießen im Gemeinderat durchweg auf ein positives Echo.

 Der rote Faden aller Marketing-Konzepte war, dass sie sich auf den historischen Sohn der Stadt,  auf Dr. Georg Johannes Faust, bezogen. Fünftsemester Markus Arnold kann sich für Knittlingen beispielsweise ein Faust-Film-Festival vorstellen. Das Open-Air-Spektakel solle mit Workshops und Vorträgen abgerundet werden. „Alle Filme müssen ein faustisches Thema beinhalten“, führte er aus. Sein Werbetext für die Stadt lautete „Knittlingen – Faust für’s Auge“, womit auch gleich der Hinweis auf das Faustmuseum gegeben sei.

 Martina Nowak hingegen machte den Stadträten eine Wanderausstellung schmackhaft, „die sich auf den Faustmythos bezieht“. Der Gedanke dahinter: Knittlingen solle sich außerhalb seiner Stadtgrenzen vorstellen und mit seinem Pfund, dem historischen Faust, wuchern.

 Eine weitere Idee war eine „Faust-Companie“, die wie die Gaukler und Scharlatane, die zu Fausts Lebzeiten unterwegs waren, auf Tour geht und so für die Stadt wirbt. Ein anderes Marketing-Konzept baute auf den bereits bekannten Städte-Duellen auf und wollte den „Faustkampf“ in Knittlingen etablieren. „Die Bürger der Stadt bilden zwei Mannschaften und spielen als Faust und Mephisto gegeneinander“, erklärte die verantwortliche Studentin. Zum Beispiel in den Disziplinen Faustball oder im Rahmen eines Wissensspiels. Das Ganze könne von Freiwilligen aus den Vereinen der Stadt getragen werden und auf der grünen Wiese oder im Stadtkern stattfinden, erklärte die Ideengeberin. Ein anderer Vorschlag, Knittlingen bekannter zu machen, warb für ein „experimentelles Musikfestival“, bei dem verschiedene Musikstile zusammenkommen.

 Eine intellektuelle Herangehensweise wählte Anna Bitzer. Faust sei ein Grenzgänger gewesen. Deshalb habe sie sich ein Symposium für die Stadt ausgedacht, bei dem vielschichtige Themen wie Terror und Klimawandel kritisch hinterfragt werden. Natürlich fehlten auch bei Bitzer nicht die perfekt gestalteten Plakate und Flyer, die die Veranstaltung bewerben könnten.

 Der professionelle Vortrag der Studenten, der jeweils von einem dazugehörigen Lichtbildvortrag begleitet wurde, machte zweifellos Eindruck in der Runde der Stadträte. Bürgermeister Heinz-Peter Hopp sagte, dass er überrascht sei, welche unerschöpflichen Möglichkeiten das Thema „Faust“ in sich berge. Hans Krauß (CDU) sagte: „Das war hochinteressant und super gemacht. Jetzt müssen wir nach Möglichkeiten schauen, wie wir das umsetzen können.“ Joachim Leitz von der Bürgerlichen Wählervereinigung lobte die „immense Kreativität“ der Studenten. Fakt sei, dass Knittlingen etwas brauche, was Identität stifte. Martin Blanc (SPD) zeigte sich vor allem von dem Ansatz überzeugt, dass die Stadt nach außen gehen müsse, um sich bekannter zu machen. Wobei er sogleich anmerkte, dass alle positive Außenwerbung nichts nütze, „wenn wir dann hier nichts Zusätzliches bieten“.

 Martin Reinhardt (CDU) betonte: „Es ist wichtig, dass wir eine Abwägung treffen, was für die Bevölkerung wichtig ist. Wir müssen die Bürger mit ins Boot nehmen.“ Ein Weg, wie dieses Ziel erreicht werden könnte, deutete Professor Throm an: „Es gibt die Idee, der Öffentlichkeit hier in Knittlingen die Ideen in einer Ausstellung bekannt zu machen.“

 Evelyne Teschner-Klug von der Alternativen Liste wollte nicht als Spielverderberin auftreten, erinnerte dann allerdings doch an die Gretchenfrage: „Es hat Spaß gemacht zuzuhören, doch während des Stadtmarketingprozesses haben wir auch schon über die Finanzierung kleinerer Dinge geredet, die bis heute nicht verwirklicht worden sind.“

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